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Münchner FOM Absolventen erfüllten sich ihren Traum

Dank Digitalisierung: In Mexiko leben, in Deutschland arbeiten

So stellt man sich digitale Nomaden vor: Sie arbeiten, unabhängig davon, wo sie gerade sind auf der Welt. Wie das funktionieren kann, zeigt das Münchner Ehepaar Magdalena und Andrijano Salinovic. 2020 gründeten die beiden Bachelor-Absolventen der FOM Hochschule einen eigenen Lohnsteuerhilfeverein. Jetzt leben sie zusammen mit ihren beiden kleinen Kindern in Mexiko – und arbeiten dank digitaler Technik einfach von dort aus für ihre Mandanten in Deutschland weiter. 

27.04.2021 | München

Sein Wecker klingelt nachts um zwei Uhr. Da ist es neun Uhr morgens in Deutschland. Andrijano Salinovic steht auf, fährt den Laptop hoch und nimmt Kontakt mit Mandanten des digitalen Lohnsteuerhilfevereins Mein aktiver Lohi auf, den er mit seiner Frau im Sommer 2020 – mitten in der Corona Pandemie – gegründet hat. „Anfangs war es schon eine Umstellung, doch mittlerweile finde ich es entspannend, um diese Uhrzeit zu arbeiten. Die Kinder schlafen tief und alles ist schön ruhig.“ Der Grund für diese ungewöhnliche Arbeitszeit: Die Salinovics sind im Februar von München nach Mexiko City gezogen.

Arbeitsteilung und viel Zeit für die Familie

Auslöser waren das kalte Wetter, ihr zweijähriger Sohn Rafael und ihre sieben Monate alte Tochter Loreli – sowie ihre große Neugierde auf die weite Welt. „Wir wollten an einem Ort leben, wo die Kleinen jederzeit rauskönnen, ohne dass sie vorher in dicke Winterkleidung gepackt werden müssen“, sagt Andrijano Salinovic. Das sei nun bei Temperaturen um die 25 Grad möglich, auch, weil das Leben in der mexikanischen Metropole viel sicherer und unbeschwerter sei als man sich das in Deutschland vorstelle. Tagsüber verbringt die junge Familie viel Zeit zusammen und gegen Abend verlegt Magdalena ihre Aktivitäten an den Schreibtisch. „Da geht Andrijano oft schon mit den Kindern ins Bett – und ich kann in Ruhe arbeiten“, schmunzelt die 29-Jährige. Kurz nach der Geburt von Loreli schloss sie im Oktober 2020 ihr Bachelor-Studium Steuerrecht an der FOM Hochschule in München ab und ist seither im Unternehmen für die Bearbeitung der Steuererklärungen zuständig. „Sie bearbeitet die Mandanten und ich bin der klassische Verkäufer, der den Erstkontakt zu Kunden hat“, erklärt Andrijano Salinovic die Arbeitsteilung des Paares. 

Die positiven Nebeneffekte des Studiums

Steuer-Mandanten betreuen und das Wetter genießen: Magdalena und Andrijano Salinovic leben mit ihren Kindern in Mexiko (Foto: privat)

Der 36-Jährige studierte während seines Jobs im Außendienst bei Coca-Cola an der Münchner FOM Business Administration, was sich als große Hilfe bei der Unternehmensgründung herausstellte. „Mein Wissen über Berechnungen zu Umsatz, Investitionen oder Kapitalbedarf, die Führung eines Unternehmens und der Umgang mit Mitarbeitern – wir haben schon jetzt ein paar externe Selbstständige, die uns unterstützen – konnte ich aus dem Studium eins zu eins in die Praxis umsetzen“, freut sich Andrijano. 

Chancen der digitalen Welt nutzen

In seinem weiterführenden Master-Studium „M&A und Unternehmensrecht“ legt er nun bis nächstes Jahr eine Pause ein. „Da ich gerade bei Coca-Cola in Elternzeit bin, werde ich nun den Fokus voll auf unseren Lohnsteuerhilfeverein legen.“ Weiter studieren will der Familienvater auf jeden Fall, denn seine Denkweise habe sich durch das Studium grundlegend geändert: „Anfangs wollte ich Karriere machen und dafür irgendwie die Klausuren bestehen. Jetzt aber will ich wirklich was für mich lernen und interessiere mich für die Studienthemen. Denn ich habe verstanden, warum ich studiere.“ Ganz generelle Dinge des Lebens betrachte er seither mit anderen Augen. Beispiel Problemlösung: „Im Studium lernt man, sich mit Sachen auseinanderzusetzen und selbst eine Lösung zu finden. Das bringt einen auch im Leben weiter, denn man gibt nicht mehr so schnell auf.“ Sich mit Themen zu beschäftigen, über die er vorher wenig wusste, bereitete ihm mittlerweile großen Spaß. „Mir wurde gezeigt, was es bringt, offen für die Welt zu sein und Neues zu erfahren.“ So fühlte er sich auch beflügelt, seinen Lebenstraum wahr zu machen. „Wir leben in einer digitalen Welt, warum sollen wir das nicht nutzen?“ 

Erst FOM Studium, dann Umzug nach Mexiko: Familie Salinovic aus München nutzt die Möglichkeit des digitalen Arbeitens (Foto: privat)

Minimalistisches Leben und 12.000 Mandaten

Mutig krempelten die Salinovics ihren Lebensstil um und trennten sich von vielen Dingen, die sie nicht brauchten. „Wir haben überall unsere Sachen verteilt, viele Klamotten verschenkt und gespendet, so dass in unserer Wohnung nur noch das Nötigste samt einer Kiste mit Fotos und ein paar privaten Sachen sind“, erklärt Magdalena, seither ein Fan von minimalistischem Leben. Nach Mexiko nahm die vierköpfige Familie nur drei Koffer mit Kleidung und Kindersachen sowie einen Elektronikkoffer mit. „Vor der Abreise haben wir immer gesagt, es kann auch sein, dass wir nach zwei Wochen schon wieder zurück sind. Doch jetzt können wir uns vorstellen, dass wir das jahrelang so weitermachen“, berichtet sie. Wohin es die junge Familie, die noch weiteren Nachwuchs plant, verschlägt, ist vollkommen offen. „Wir wollen erst einmal bis August in Mexiko bleiben und dann an verschiedenen Orten der Welt leben“, fügt Andrijano an. 

Expansionspläne

Fest steht nur das gemeinsame Fernziel: In drei Jahren möchte Magdalena die Steuerberaterprüfung machen und der Lohnsteuerhilfeverein soll auf 12.000 Mandanten anwachsen. Momentan sind es noch unter 100, doch täglich kommen neue Anfragen dazu. „Da müssen wir noch ein bisschen Geduld haben, doch ich bin überzeugt, dass wir das schaffen“, meint Andrijano im Hinblick auf ein Potential von rund 50 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Deutschland. Viele wüssten gar nicht, was ein Lohnsteuerhilfeverein sei. „Bei uns rufen oft ältere Leute an und sind erst erstaunt und dann total froh, dass sie nicht zu einem Beratungstermin vor Ort kommen müssen, dass sie ihre Unterlagen per App hochladen können, dass wir 24 Stunden am Tag erreichbar sind und dass unser digitaler Service so zeitsparend und einfach funktioniert.“