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Während des Studiums Oma geworden

FOM Studentin Helene Lansing: Von der Assistentin zur Führungskraft

17.08.2020 | Hannover

Mit einer Ausbildung in eine Führungsposition? Und das mit 50 Jahren? Ja, das geht, wie das Beispiel von Helene Lansing zeigt, die ihr Studium im September 2019 an der FOM in Hannover abschloss. Lansing zeigte so viel Einsatz und Geschick in ihrer Arbeit als Medizinische-Technische Assistentin (MTA), dass eine große Klinik in Hannover sie mit einer Führungsposition betraute, noch bevor sie ihr berufsbegleitendes Studium überhaupt begonnen hatte.

„Nein, nein, ich bin nicht Studiumsoma geworden – ich bin im Studium Oma geworden!“, sagt Helene Lansing, lachend über das Missverständnis. Mit 56 Jahren ist Lansing, Mutter von zwei erwachsenen Töchtern, eine der älteren Semester an der FOM. Und zwar nicht im übertragenen, sondern im buchstäblichen Sinne. Das hält sie aber nicht davon ab, an ihrer Karriere zu arbeiten.

„Meine Klinik wollte mir eine Leitungsfunktion übertragen, hat mir aber zugleich klargemacht, dass es dafür einen akademischen Titel brauche. Nur MTA: Das reiche nicht, auch wenn ich schon 30 Jahre in dem Beruf arbeite“, sagt Lansing, die ihre Ausbildung zur Medizinisch-Technischen Assistentin gleich nach der Schule begonnen hatte. „Ich hätte ja lieber Medizin studiert. Aber erst ging es aus privaten Gründen nicht. Und jetzt passt es vom Alter her nicht mehr“, sagt Lansing, die 2015 ihren Bachelor in Gesundheits- und Sozialmanagement am Hochschulzentrum in Hannover startete. Dabei ging es ihr nicht allein um ihre beruflichen Ambitionen. „Ich wollte das Gesundheitswesen verstehen lernen, das so unendlich komplex erscheint. Da leistet der Studiengang sehr gute Aufklärungsarbeit“, findet sie.

Lorbeeren auf Vorschuss

Noch vor Start ins Studium betraute sie ihr Arbeitgeber – das Klinikum Region Hannover (KRH) – mit der organisatorischen Leitung der medizinischen Mikrobiologie, also einem Teilbereich der KR-KRHLabore  LABLabore des KRH, das in der Region Hannover an zehn Standorten 3.400 Betten vorhält, Geriatrie und Psychiatrie inklusive. „Das war ein ganz schöner Vertrauensvorschuss“, findet Lansing. Sie machte ihre Sache so gut, dass das KRH noch während ihres Studiums ihre Leitungsfunktionen erweiterte. „Erst bekam ich die Organisation der Laboratoriumsmedizin dazu, dann der Krankenhaushygiene: Das heißt Personalverantwortung für knapp 120 MTAs und Hygienefachkräfte, die im Hintergrund und für die Patienten unsichtbar an der Befunderstellung zur diagnostischen Abklärung im labormedizinischen Bereich und in der mikrobiologischen Diagnostik tätig sind, sowie Blut- und Gewebeproben auswerten.

„Das Studium hat mir auch in dieser Hinsicht eine Menge gebracht“, erklärt Lansing. Denn Personalverantwortung bedeutet, führen und entscheiden zu können und so die meist älteren weiblichen Mitarbeiter auf dem Wandel mitzunehmen. „Und wir wandeln uns erheblich“, sagt die 56-Jährige. Alle Tage gibt es neue Regelungen und Verfahren. Und dann der Kaltstart von Null auf 100, ausgelöst durch Corona: In nur wenigen Wochen musste das KRH das PCR-Testverfahren auf das Virus SARS-CoV-2 einführen. „Wir mussten innerhalb kürzester Zeit alle im Team mit den neuen Abläufen vertraut machen, um die Kapazitäten auf das Maximum hochzufahren.“

FOM Absolventin und Oma - Helene Lansing startet mit über 50 nochmal durch (Foto: Privat)

Die erste Bewährungsprobe

Bereits 2019 hatte Lansing ihre Bewährungsprobe bestanden. Damals wurden die sechs KRH-Labore für Laboratoriumsmedizin – dort werden beispielsweise klinisch-chemische Analysen erstellt, wie zum Beispiel die Bestimmung der Herzenzyme bei einem Herzinfarktverdacht – mit Geräten des neuesten wissenschaftlichen Standards ausgestattet. „Dabei habe ich gelernt, was es heißt, Menschen mitzunehmen“, sagt Lansing. „Von außen ist es oft gar nicht nachvollziehbar, wie mühsam es sein kann, selbst kleinste Änderungen in einer Gruppe einzuführen.“

Dabei ist Lansing in Sachen Disziplin ein Vorbild: für die Studierenden, deren Hausarbeit sie nach Abschluss ihres eigenen Studiums betreute, aber auch für ihre Studentin, die die Absolventin heute als Mentorin begleitet. „Gute Organisation und realistische Planung sind absolut entscheidend, wenn man gut durchs Studium kommen will“, sagt Lansing, die sich feste Zeit fürs Lernen einrichtete und daran auch festhielt, wenn sie mal keine Lust hatte oder das Thema schon verstanden glaubte. „Die Alternative ist Panik vor der Prüfung. Und das ist wirklich nicht meine Sache“, sagt Lansing und lächelt.