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  • Künstliche Intelligenz: Ein Volk zwischen Hoffnung, Angst und Zuversicht

Künstliche Intelligenz im Alltag: Wie groß ist die Akzeptanz in Deutschland?

Ein Volk zwischen Hoffnung, Angst und Zuversicht

Mit der Speicherung und Auswertung unzähliger Daten treibt die globale Wirtschaft die Entwicklung und Implementierung von Künstlicher Intelligenz (KI) in Deutschland weiter voran. Doch wie denken die Menschen darüber? Einerseits empfinden sie KI als nützlich und glauben, dass intelligente digitale Technologien das Leben in vielen Bereichen erleichtern und Ressourcen einsparen können. Andererseits hat jeder Zweite in Deutschland beim Thema KI Sicherheitsbedenken, nahezu ein Drittel der Bevölkerung hat sogar Angst vor einer KI-bestimmten Zukunft. Das sind zentrale Ergebnisse einer Umfrage, bei der Studierende der FOM Hochschule bundesweit mehr als 21.800 Menschen befragt haben.

In Face-to-face-Interviews fanden die Studierenden unter wissenschaftlicher Leitung von Prof. Dr. Oliver Gansser heraus, dass über 90 Prozent der befragten Frauen und Männer (90,8% bzw. 93,4%) von dem Begriff „Künstliche Intelligenz“ zumindest schon einmal gehört haben. Rund 90 Prozent der Männer und 85 Prozent der Frauen wissen auch, was unter dem Begriff verstanden wird. Dabei ist der Kenntnisstand bei der Generation Y (24-38 Jahre) mit knapp 93 Prozent am höchsten, während von den älteren Traditionalisten (76-99 Jahre) nur rund 58 Prozent über KI Bescheid wissen. Auch der Bildungsstand spielt bei diesem Thema eine Rolle: Während 93 Prozent der Hochschulabsolventen die Bedeutung von KI kennen, sind dies bei Menschen ohne beruflichen Bildungsabschluss nur rund 74 Prozent.

12.09.2019

Nutzung von KI in den Bereichen Mobilität, Gesundheit und Haushalt

Die 20.004 Teilnehmenden, die mit dem Begriff KI etwas anfangen konnten, wurden zur weiteren Befragung in drei Gruppen unterteilt und zur Alltagsnutzung von Künstlicher Intelligenz in den Bereichen Mobilität, Gesundheit und Haushalt befragt. Auf dem Gebiet der Mobilität denken knapp 80 Prozent, dass KI in Infotainment- und Navigationssystemen vorkommt, rund 70 Prozent vermuten den Einsatz von KI beim assistierten Fahren und rund 57 Prozent bei der Verkehrssteuerung, z.B. der Ampelschaltung. Im Bereich der Gesundheit sehen die Befragten KI-Nutzung vor allem in Health- und Fitness-Trackern (71,1%) und beim Einsatz intelligenter Geräte in Kliniken (51,9%). Die Gruppe, die zum Thema Haushalt befragt wurde, geht davon aus, dass KI vor allem in Reinigungsrobotern (64%), im Sprachassistenten Alexa (63,3%) und in Smartwatches (59%) vorkommt.

Nützlichkeit versus Sicherheit

Insgesamt 55 Prozent der 20.004 Befragten halten Künstliche Intelligenz für nützlich, gleichzeitig haben aber auch 54 Prozent Sicherheitsbedenken und 29 Prozent sogar Angst vor dem Einsatz dieser Technologie. 52 Prozent glauben wiederum, dass KI das Leben erleichtert. Dennoch gaben nur 19 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an, dass sie Produkte mit KI bereits nutzen.

Selbst junge Menschen sorgen sich vor Fremdsteuerung

Auch bei der Frage nach der Zukunft von und mit Künstlicher Intelligenz sind die Meinungen in der Bevölkerung äußerst ambivalent. Einerseits sagen 62 Prozent der Befragten, dass sie KI befürworten, sofern dadurch Ressourcen eingespart werden können. Andererseits haben aber auch 59 Prozent das Gefühl, bei zu großem Einsatz von KI fremdgesteuert zu sein und möchten sich lieber auf Menschen denn auf Roboter verlassen. Wertet man diese Fragen nach Generationen aus, zeigt sich, dass sich selbst bei der jungen Generation Z, also bei den 17- bis 23-Jährigen, über die Hälfte der Befragten vor einer Fremdsteuerung durch KI sorgt und sich lieber auf Menschen verlässt.

Prof. Dr. Oliver Gansser, stellvertretender Direktor ifes Institut für Empirie & Statistik der FOM Hochschule (Foto: FOM)

Nachholbedarf bei der Kommunikation

Prof. Dr. Oliver Gansser: „Unsere Befragung zeigt, dass die Menschen in Deutschland nach wie vor äußerst zwiespältig beim Thema KI sind. Da scheint es auf Seiten der Unternehmen und der Forschung also noch großen Nachholbedarf bei der Kommunikation dieses zukunftsbestimmenden Themas zu geben.“ Interessant sei auch die Tatsache, dass es keine nennenswerten Unterschiede in der Meinung von Städtern im Vergleich zur Landbevölkerung gebe.