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KODIMA: Forschung zur Zukunft der Arbeit am FOM Institut ipo

Digitalisierung stellt Steuerberatungskanzleien vor ungeahnte Herausforderungen

08.11.2019 | Hamburg

Die Digitalisierung soll zu mehr Rentabilität und Produktivität führen, doch Steuerberatungsunternehmen erleben derzeit eher das Gegenteil. „Anfragen von Mandanten nach Zwischenständen bei Bilanz oder Steuererklärung haben immens zugenommen“, sagt Prof. Dr. Marco Zimmer vom ipo – Institut für Personal- und Organisationsforschung der FOM Hochschule. „Solche und andere neue Arbeitsaufwände zehren den Effizienzgewinn teilweise auf.“ Dies ist eines der Ergebnisse der Erhebung, die das ipo im Rahmen des  Forschungs- und Entwicklungsprojekts KODIMA durchgeführt hat.

KODIMA beleuchtet in insgesamt fünf Teilvorhaben die Veränderung des Arbeitsalltags von Beschäftigten in der Steuerberatungsbranche und wird im Rahmen des Programms „Zukunft der Arbeit“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und des Europäischen Sozialfonds (ESF) realisiert. Im Rahmen des ipo-Teilvorhabens veranstaltete das Institut am Hamburger FOM Hochschulzentrum zuletzt einen Workshop mit Angestellten und Inhabern von Steuerberatungskanzleien. Seit dem Projektstart vor zwei Jahren hat das ipo-Team unter Leitung von Prof. Dr. Marco Zimmer 38 Interviews mit den Leitern und Mitarbeitern von 13 Kanzleien geführt. Im Fokus standen dabei die Auswirkungen auf Organisationsstrukturen und Führung unter Berücksichtigung der Vereinbarung von Beruf und Privatleben.

Die Interviews brachten unter anderem ans Licht, dass es nicht selten zu einem Nebeneinander von digital und nicht-digital geführten Mandaten kommt, zu einer Mischung in einem einzigen Mandat oder zu individuell gepflegten Handakten in eigentlich papierlosen Kanzleien. Die Digitalisierung und neue Erwartungen der Mandanten können zu zusätzlichen Belastungen führen, so Prof. Zimmer: „Die Steuerberatungen sollen jederzeit über die unterschiedlichsten Kanäle erreichbar sein, die Arbeitszeiten mit Mandatenkontakt weiten sich aus. Die Angestellten empfinden ihre Arbeit als weniger planbar als früher.“

Im Hamburger Workshop stellte das ipo-Team die Befragungsergebnisse und anschließend Handlungsempfehlungen vor. Ein Schwerpunkt lag auf den Konsequenzen für die Qualifizierung der Beschäftigten. Prof. Zimmer: „Mit der Digitalisierung werden an die Angestellten neben der steuerfachlichen Expertise eine Reihe weiterer Anforderungen gestellt. In den Kanzleien geht es zunehmend um Daten, ihre Erfassung und Weitergabe. IT- und Organisations-Kompetenz muss daher Teil des Anforderungs- und Leistungsprofils werden.“ Für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei es notwendig, die Bedürfnisse der Mitarbeiter im Home-Office zu berücksichtigen und technische sowie organisatorische Rahmenbedingungen für die Arbeit von zu Hause aus festzulegen, so Prof. Zimmer.

Das KODIMA-Teilvorhaben der FOM ist damit auf der Zielgeraden. Beiträge aus den Workshop-Diskussionen gehen in die finale Version der Handlungsempfehlungen ein, alle Ergebnisse des Verbundprojekts werden auf der Abschlusskonferenz in Rostock im Juni 2020 vorgestellt. 

Am Hamburger FOM Hochschulzentrum fand kürzlich ein KODIMA Workshop statt.
Im Rahmen des Forschungs- und Entwicklungsprojekts KODIMA veranstaltete das FOM Institut ipo am Hochschulzentrum in Hamburg einen Workshop. (Foto: FOM / Tom Schulte)
Prof. Dr. Marco Zimmer
Prof. Dr. Marco Zimmer, wissenschaftlicher Direktor des ipo – Institut für Personal- & Organisationsforschung der FOM Hochschule. (Foto: FOM)

Das Forschungs- und Entwicklungsprojekt KODIMA wird im Rahmen des Programms „Zukunft der Arbeit“ (FKZ 02L15A312) vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert und vom Projektträger Karlsruhe (PTKA) betreut. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt bei der Autorin.