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Promotion neben dem Beruf

Freistellung vom Arbeitgeber für die Doktorarbeit

Meist nehmen sich Berufstätige eine Auszeit, wenn sie etwas von der Welt sehen und noch einmal richtig entspannen wollen. Dr. Peter Wenzel ließ sich ein Jahr lang vom Arbeitgeber freistellen, um in die Heimat seiner Frau zu reisen und seine Promotion zu schreiben.

Nach einer langen Ausbildungszeit wollte Peter Wenzel endlich Geld verdienen. Denn im Anschluss an das Jura-Studium in Bochum und Münster und das Rechtsreferendariat in Deutschland, Peru und Paraguay hatte er noch zusätzlich Wirtschaftsrecht in Madrid studiert. Seit 2011 arbeitet er nun beim Beratungsunternehmen Ernst & Young in Essen. Dort ist Wenzel im Bereich des internationalen Steuerrechts tätig. „2012 erhielt ich die Zulassung als Rechtsanwalt, seit 2017 bin ich auch Steuerberater“, so Wenzel, „Steuerrecht im internationalen Kontext ist ein riesiges und unglaublich spannendes Feld.“

24.07.2019

Mit seinem Team betreut Wenzel überwiegend international agierende Unternehmen, deren Zentrale in Deutschland ist. „Wir sind für Fragen der deutschen Gesetzgebung zuständig und arbeiten eng mit unseren Kollegen in den anderen Ländern zusammen.“ Ein spezielles Thema beschäftigt ihn dabei schon lange: die Hinzurechnungsbesteuerung, also die Besteuerung von Einkünften einer ausländischen Tochtergesellschaft beim inländischen Gesellschafter. „Diese Art der Besteuerung unterliegt aktuell einem Reformprozess. Andere Länder sind da schon weiter als Deutschland. Mich hat es immer gereizt, mich tiefer in diese Thematik einzuarbeiten und Reformvorschläge für Deutschland zu entwickeln.“

Keine Angst vor Sprachbarrieren

Nach intensiven Gesprächen mit seiner Familie – der Steuerexperte ist verheiratet und (zu diesem Zeitpunkt) Vater einer Tochter – bewarb er sich an der FOM für das berufsbegleitende Promotionsprogramm. Dieses führt die FOM in Kooperation mit der Universidad Católica San Antonio de Murcia (UCAM) in Spanien durch, die auch den Doktorgrad verleiht. „Ich bin im Internet auf diese Möglichkeit gestoßen. Da ich meine Master-Thesis in Madrid auf Spanisch geschrieben hatte und meine Berufssprache Englisch ist, gab es keine Angst vor Sprachbarrieren. Und mein Wunschthema war aktueller denn je.“

Zeitlich und organisatorisch eine große Herausforderung

Mitte 2016 startete das Programm, zunächst mit Workshops in Essen und Murcia. Weitere Termine für Forschungsseminare, Präsentationswochen und Doktorandenworkshops wurden seitens der FOM organisiert. Der Prozess des Schreibens begann im Herbst 2016. „Ich merkte schnell, dass eine Promotion neben dem Beruf eine große Herausforderung ist, zeitlich und organisatorisch. Da meine Frau aus Guatemala stammt und unsere Tochter damals gerade zwei Jahre alt war, bat ich meinen Arbeitgeber um eine einjährige Auszeit. Wir wollten dieses Jahr in Guatemala verbringen. Meine Frau konnte dort als Anwältin arbeiten, unsere Tochter ging in den Kindergarten und ich nutzte die Zeit zum intensiven Recherchieren und Schreiben.“

Zwei Drittel der Promotion schaffte Wenzel fernab der Heimat. „Der Plan war, dort alles zu schaffen, aber dafür war die Zeit dann noch ein wenig zu knapp. Die Nachmittage wollte ich mit meiner Tochter verbringen – das waren Erfahrungen, die mir niemand mehr nehmen kann.“ Zurück in Deutschland ging es weiter. „Ich powerte durch und konzentrierte mich auf die Beendigung der Doktorarbeit.“ Bis zur finalen Bewertung durch den spanischen und den deutschen Gutachter und zur anschließenden Verteidigung in Murcia dauerte es noch ein paar Monate. Und diesmal hielt Wenzel seinen Zeitplan ein: Den Doktorgrad erhielt er rechtzeitig vor der Geburt seiner zweiten Tochter. „Ich bin überglücklich, es geschafft zu haben und freue mich jetzt auf unser neues Leben zu viert!“

Dr. Peter Wenzel
Peter Wenzel besucht mit seiner Tochter eine Ruine in Antigua Guatemala. Die berufliche Auszeit nahm er, um sich auf seine Doktorarbeit zu konzentrieren. (Foto: privat)
Erleichtert darüber, seine Promotion erfolgreich verteidigt zu haben: Dr. Peter Wenzel (Mitte) mit Gutachtern und Mitarbeitenden der UCAM in Murcia. (Foto: privat)