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01.08.2016

Aktuelles

Research Fellows im Porträt: Zwischen Sozialmanagement, Gesundheit & Wirtschaftsdidaktik

Über 40 Research Fellows sind aktuell an den Instituten und KompetenzCentren der FOM aktiv: Als externe Expertinnen und Experten beteiligen sie sich parallel zu Job, Studium oder Promotion an Publikationen, Konferenzbeiträgen und Forschungsprojekten. Wie das in der Praxis aussieht und welche individuellen Wege in die Forschung geführt haben, berichten die Fellows im Rahmen einer Interviewreihe. Den Anfang macht Svenja Weitzig, M.A. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Science Support der FOM promoviert gerade an der Pädagogischen Hochschule Weingarten im Fachbereich „Wirtschaftswissenschaft und ihre Didaktik“. Als Research Fellow ist sie am ifgs Institut für Gesundheit & Soziales und am KCG KompetenzCentrum für Management im Gesundheits- & Sozialwesen aktiv – und zwar mit den Schwerpunkten Sozialwirtschaft und Sozialmanagement.

Als Research Fellow für ifgs und KCG im Einsatz: Svenja Weitzig.
Als Research Fellow für ifgs und KCG im Einsatz: Svenja Weitzig.

Wie sah Ihr Weg zur Research Fellowship aus?

Svenja Weitzig: Anders als viele andere Fellows bin ich nicht über das FOM-Studium oder einen Kontakt zur Professorenschaft an die Forschung „geraten“. Parallel zu meinen verschiedenen Tätigkeiten in der Medienentwicklung und der wissenschaftlichen Koordination an der FOM erarbeite ich im Rahmen meiner Promotion ein Konzept zur ökonomischen Bildung für Erwachsene mit Behinderung. Ein Kollege hatte das mitbekommen und mich mit Blick auf eine Aktivität im KCG angesprochen. Das Engagement am ifgs hat sich dann aufgrund der Themennähe und dem Bedarf im Bereich Sozialmanagement ergeben.

Worum geht es in Ihrer Promotion?

Svenja Weitzig: Thematisch geht es mir darum, Teilhabe an Ökonomischer Erwachsenenbildung für Menschen mit einer Behinderung zu ermöglichen bzw. spezifische Konzepte zur Vermittlung Ökonomischer Bildung in pädagogischen Betreuungskontexten zu entwickeln. Beides soll der Armutsprävention dieser Zielgruppe dienen, die im Rahmen der „Konvention der Vereinten Nationen über die Rechte der Menschen mit Behinderung“ rechtlich verankert ist.

Mit dieser Zielsetzung habe ich die Lebenslage von Menschen mit Behinderung analysiert, Eindrücke von ihrer Lebenswelt mit der Methode Fotovoice erfasst und leitfadengestützte Interviews zu Kompetenzbereichen und Bildungsstandards der Ökonomischen Bildung durchgeführt. Die Ergebnisse habe ich dann mit Blick auf die Erstellung eines bedarfsgerechten Konzeptes zur ökonomischen Bildung analysiert.

Wo liegen die Berührungspunkte zum Bereich Gesundheit bzw. zu Ihren Aktivitäten an ifgs und KCG?

Svenja Weitzig: Als Research Fellow im ifgs bin ich im Bereich der Sozialwirtschaft und des Sozialmanagements aktiv. Das passt zu meinem beruflichen wie akademischen Hintergrund: Nach meinem Abschluss zur staatlich anerkannten Diplom Sozialarbeiterin/Diplom Sozialpädagogin habe ich acht Jahre lang in verschiedenen Tätigkeitsfeldern der Sozialen Arbeit gearbeitet und berufsbegleitend das Masterstudium Sozialmanagement an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms Universität Bonn absolviert. Dieses Know-how fließt in meine Aktivitäten als Research Fellow ein.

Gemeinsam mit meiner Kollegin Sina Preuß habe ich beispielsweise einen Beitrag für das Buchprojekt Neuvermessung der Gesundheitswirtschaft geschrieben. Getreu dem Ansatz von Initiator Prof. Dr. David Matusiewicz haben wir Methoden aus der sozialen Arbeit auf den Bereich Medizin übertragen. Und zwar ging es dabei um die Fallbearbeitung. In unserem Beitrag schlagen wir eine sozialraumorientierte Behandlung vor: Was braucht der Kranke oder die Kranke über die medizinische Behandlung hinaus, um gesund zu werden? Gibt es entsprechende Hilfen am Wohnort des Patienten oder der Patientin?

Was macht die Arbeit eines Research Fellows darüber hinaus aus?

Svenja Weitzig: Im Grunde gibt es da keine feste Vorgabe. Ganz im Gegenteil: Jeder Research Fellow kann mit Gespräch mit der Leitung des jeweiligen Instituts oder KompetenzCentrums individuell festlegen, wie das Engagement aussehen soll. Man kann zum Beispiel gemeinsam publizieren, Vorträge bestreiten oder an Forschungsprojekten arbeiten.

Ich schätze vor allem die fachliche Anbindung und den Austausch mit anderen Expertinnen und Experten. In Arbeitsgruppen haben wir verschiedene Förderanträge gestellt. Dabei habe ich viel über das Einwerben von Drittmitteln gelernt. Darüber hinaus bin ich auf Tagungen unterwegs, um meine eigene Arbeit voranzutreiben und neue Kontakte zu knüpfen. Auch auf einer ganz praktischen Ebene hat mir die Tätigkeit als Research Fellow sehr viel gebracht: Über die Forschungsabteilung habe ich jemanden gefunden, der die Interviews für meine Dissertation transkribiert hat. Das war extrem hilfreich.

In Sachen Dissertation befinden Sie sich bereits auf der Zielgeraden. Wie soll es danach für Sie weitergehen?

Svenja Weitzig: Ich strebe eine Professur im Bereich Soziales an der FOM Hochschule an. Erfahrungen in der Lehre habe ich bereits gesammelt: Ich unterrichte u.a. qualitative und quantitative Forschungsmethoden und bin bei den Master-Forschungsforen oder den Dozententagen im Einsatz. Zudem habe ich über meine Arbeit am ifgs und KCG sehr viele wertvolle Einblicke erhalten: Was machen Professorinnen und Professoren an der FOM? Wie lehren und forschen sie? Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit? Und ehrlich gesagt freue ich mich auf die Herausforderung, weiter interdisziplinär arbeiten zu können – an der Schnittstelle sowohl von Gesundheit- und Sozialwirtschaft als auch von Management und Sozialwissenschaften. Noch ist Sozialmanagement in Deutschland ein recht neuer Bereich. Das ändert sich langsam und eröffnet viele Möglichkeiten, Dinge neu zu gestalten – egal, ob in Forschung oder Lehre.