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  • Technik-Wissen als Fundament: Nürnberger FOM Student gründet Unternehmen in der Corona-Krise

„Einfach machen, ohne groß darüber nachzudenken“

Technik-Wissen als Fundament: Nürnberger FOM Student gründet Unternehmen in der Corona-Krise

Dass Menschen mit ihren Aufgaben wachsen, ist nicht nur eine Redensart. Roman Benzler, Student, Familienvater und seit Oktober auch Unternehmer, hat dies mehr als einmal in seinem Leben bewiesen. Als 13-Jähriger kam er mit seinen Eltern und zwei Brüdern aus Kasachstan nach Deutschland, von der Erstaufnahmeeinrichtung wurden sie in ein Wohnheim nach Nürnberg geschickt, bevor sie einige Wochen später eine Bleibe in Bischofsheim i.d. Rhön fanden. Ohne ein Wort Deutsch zu sprechen, kam Roman dort ins 7. Schuljahr. Nur zweieinhalb Jahre später schloss er die Klasse 9 als Zweitbester ab. Es folgte die Mittlere Reife. „Danach“, sagt er, „fing ich an zu lernen.“

20.01.2021 | Nürnberg

Noch vor seinem 18. Lebensjahr zog Roman Benzler alleine nach Nürnberg, um eine Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik zu absolvieren. „Ich hatte dort ein paar Freunde, bei ich in den ersten Monaten unterkommen konnte, bevor ich eine eigene Wohnung bekam.“ Dieser Sprung ins sprichwörtlich kalte Wasser sei für ihn kein Drama gewesen, sagt er rückblickend, „ich habe es einfach gemacht, ohne groß darüber nachzudenken.“ Schon während der Lehre übernahm er mehr und mehr Verantwortung für seine Bereiche, nach erfolgreichem Abschluss erhielt er die erste Führungsposition mit gerade einmal 22 Jahren.

Berufliche Verantwortung, Familie und Studium miteinander vereinbaren

Weitere Jobs und Führungsaufgaben in der Logistik-Branche folgten, „aber die Familienplanung sollte auch nicht zu kurz kommen“, sagt Roman Benzler, und lacht. Kurz vor der Geburt seiner ersten Tochter sprach ihn ein Freund an, ob sie sich nicht zusammen an der FOM Hochschule in Nürnberg für den Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen einschreiben sollten. „Mein Freund hatte den technischen Hintergrund, ich den betriebswirtschaftlichen, insofern war unser Vorwissen eine gute Kombination“, erinnert sich der Wahl-Nürnberger, „und ich fand die Idee gut, denn ich hatte zuvor bereits darüber nachgedacht, mir weitere theoretische Grundlagen anzueignen.“ Gemeinsam begannen sie das berufsbegleitende Studium – Roman Benzler musste für die Einschreibung noch einen Eignungstest ablegen, da er kein technisches Vorwissen hatte –, „und gemeinsam zogen wir es bis zum Bachelor durch.“ Um das zu schaffen, habe er häufig nach der Arbeit im Büro gelernt oder sei zum Lernen an die FOM gefahren, berichtet er. „Zu Hause war es dafür zu unruhig, da während meines Studiums auch meine zweite Tochter zur Welt kam.“ Seiner Frau sei er für ihre Unterstützung in dieser Zeit sehr dankbar. „Zu Hause viel helfen konnte ich damals nicht.“

Eigenes Unternehmen gründen

Durch gutes Zeitmanagement vereinbart Roman Benzler Studium, Beruf und Familie miteinander (Foto: privat)

Dem Bachelor-Abschluss folgte das Master-Studium Wirtschaftsingenieurwesen, das Roman Benzler dieses Jahr abschließen möchte – obwohl er erst im Oktober, zu Beginn der zweiten großen Corona-Welle in Deutschland, sein eigenes Unternehmen gegründet hat. „Mein Bruder arbeitet in der Baubranche. Er hatte mich Anfang 2020 gebeten, eine Marktanalyse zur Nutzung von Schraubfundamenten zu erstellen. Das Thema war mir bis dahin völlig fremd, ich habe umfassend dazu recherchiert und Kontakt zu Herstellern in Europa aufgenommen. Je mehr ich über das Thema erfuhr, desto begeisterter wurde ich. Schraubfundamente sind nämlich nicht nur ökologischer und nachhaltiger als herkömmliche Beton-Fundamente, sie sind meist auch kostengünstiger und man kann unmittelbar darauf bauen“, beschreibt er den Weg zu seiner Existenzgründung.

Mit einem hohen Maß an Motivation hat der Nürnberger FOM Student Roman Benzler im Corona-Jahr 2020 sein eigenes Unternehmen für Schraubfundamente gegründet (Foto: privat)

Studium als Fundament für die Zukunft

Mit seiner Firma RB-Schraubfundamente verkauft er diese Bautechnik mittlerweile bundesweit. „Ich arbeite sowohl für einen deutschen als auch für einen tschechischen Hersteller, akquiriere, erstelle Angebote für Kunden und wenn ein Auftrag erteilt wird, gibt ein staatlich geprüfter Statiker meine Berechnung noch einmal frei. Im letzten Schritt baue ich die Fundamente persönlich ein.“ Ein zweieinhalbgeschossiges Haus mit einer Grundfläche von 130 Quadratmetern etwa stünde am Ende auf 27 Schrauben und einer entsprechenden Bodenplatte aus Holz – alles DIN-genormt und absolut sicher. „Für ein solches Fundament benötige ich maximal 1,5 Tage, dann kann das nächste Gewerk sofort weitermachen, ohne dass Leerlauf entsteht“, so der Unternehmer. Das Wissen, das er für seine jetzige Tätigkeit brauche, habe er zu einem großen Teil an der FOM erworben. „Was ich beispielsweise über Mechanik, Konstruktion und Werkstofftechnik weiß, habe ich an der FOM gelernt. Das Studium ist definitiv der Grundstock für mein Unternehmen und für meine Zukunft.“

Silke Fortmann