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  • 2021
  • Februar
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FOM Absolvent Rico Schwarzkopf: „Bildungsbiografien müssen nicht immer gradlinig verlaufen!“

Ohne Abitur zum Doktortitel

Das Studium ohne Abitur erlebt einen Boom. Immer mehr Berufstätige suchen den Quereinstieg zum Studium – NRW führt dabei bundesweit den Trend an. Rico Schwarzkopf ist einer derjenigen, die nach der mittleren Reife gleich eine Lehre anstrebten. Doch nach seiner Ausbildung zum Industriekaufmann wusste er, er wollte mehr. Er stellte sich die Frage: „Wäre ein Studium was für mich? Pack ich das? Ohne das Wissen, was die anderen im Abi erworben haben?“ Mittlerweile hat Rico Schwarzkopf – pardon, Dr. Rico Schwarzkopf – seinen Bachelor, seinen  Master und seine Promotion abgeschlossen, ist als „Sales Intelligence Expert“ tätig und plant seine Selbstständigkeit.

16.02.2021 | Essen, Frankfurt a. M. und Virtuell

Viele erste Male

Der 33-Jährige ist der Erste, der in seiner engen Familie einen akademischen Titel erworben hat. Er ist auch der Erste mit Doktortitel. Und er ist einer der Ersten seines Promotions-Jahrgangs, der den Doktortitel nach gerade mal zwei Jahren erreichte. „Das Abitur ist zwar immer noch der Königsweg zum Studium“, sagt Rico Schwarzkopf, „aber es gibt generell ein wachsendes Bewusstsein und genug Beweise dafür, dass Bildungsbiografien eben nicht immer gradlinig verlaufen.“ Er selbst ist wohl der beste Beweis dafür. 

Der Tag seines Bachelor-Abschlusses (Foto: Privat)

„Ich hatte mir nie das Ziel des Doktortitels gesteckt!“

Rico Schwarzkopf bildete sich nach seiner Ausbildung kontinuierlich weiter. „Ich hatte einfach das Bedürfnis, mein Wissen zu erweitern und mich neben der Praxis auch auf wissenschaftlicher Seite noch stärker mit dem vielschichtigen Thema Vertrieb und Verhandlungsführung zu befassen“ – und das nicht erst während seines Master-Studiums in „Wirtschaftspsychologie“ und seiner Promotion an der FOM Hochschule und der UCAM, der Universidad Católica San Antonio in Murcia, Spanien.

Sowohl aus der Perspektive der Vertriebs- und Marketingforschung (Ökonom), Vertriebscontrolling (Betriebswirt), rechtlichen und fachübergreifenden Aspekten (Bachelor) sowie auch aus der Perspektive der Wirtschaftspsychologie (Master). Die Promotion gab ihm letztendlich die Möglichkeit, all das Wissen auf eine vertriebsrelevante Fragestellung, die immer häufiger beobachtbar ist, anzuwenden und wissenschaftlich zu lösen.

„Die Dozenten der FOM haben während dieser Stationen die Theorie mit eigenen Erfahrungen aus ihrer täglichen Praxis verbunden und damit den Lerntransfer bei uns Studenten enorm unterstützt.“  Auch der Kontakt zu den Kommilitonen sei immer sehr eng gewesen und so konnte sich Rico ein großes Netzwerk aufbauen. „Unter normalen Umständen bietet die FOM ja ein Präsenzstudium an – das liegt mir persönlich auch am meisten. Ein reines Online-Studium wäre für mich nie in Frage gekommen.“ So wusste er die Vorlesungen in relativ kleinen Gruppen und die direkten Diskussionsrunden immer sehr zu schätzen.

Psychologie & Datenanalyse

Mittlerweile arbeitet der FOM Absolvent als „Sales Intelligence Expert“. Als Stabsposition für das Vertriebsmanagement ist er primär im Bereich Projektmanagement und Data Analytics tätig oder steht als Berater in vertriebsrelevanten Fragestellungen zur Verfügung. Bei seinen alltäglichen Aufgaben kommen ihm die Inhalte aus dem Studium dabei sehr zu Gute, insbesondere aus den Modulen Statistik und Datenanalyse. „Aber auch die psychologischen Inhalte sind sehr hilfreich“, so der 33-Jährige. Denn: In dieser Position geht es primär um die Planung, Analyse und Kontrolle harter Kriterien, wie das Ableiten von Forecasts, den sachkundigen Umgang mit großen Datenmengen bis hin zu dem Themenbereich der künstlichen Intelligenz. Allerdings spielen insbesondere im Vertrieb auch immer psychologische Aspekte eine Rolle, wie gruppendynamische Prozesse, Sozialpsychologie und Verhandlungspsychologie.

Dr. Rico Schwarzkopf - der FOM Absolvent promovierte ohne Abitur (Foto: Privat)

Führungsakzeptanz im Wandel

Wenn ihm jemand nach der Schule oder der Ausbildung erzählt hätte, dass er irgendwann einen Doktortitel tragen würde, hätte er es nicht geglaubt. „Aber ich habe nach meiner Ausbildung relativ schnell gemerkt, dass ich es ohne eine wissenschaftliche Ausbildung schwer haben würde – auch vor dem Hintergrund der damaligen Finanzkrise und der Erkenntnis, dass Bildung immer wichtiger wird.“ Hinzu kam aber vor allem der Drang, sich auch wissenschaftlich verstärkt mit dem Thema Vertrieb auseinanderzusetzen. Und so wagte Rico Schwarzkopf immer neue Wege und steckte sich größere Ziele. Im Rahmen seiner Doktorarbeit entwickelte er schließlich ein eigenes fundiertes Modell zur Generierung von Führungsakzeptanz in (Verkaufs-) Projektteams. Der Ansatz besteht aus Wirtschaftspsychologie, fundierter Datenanalyse und Praktikabilität in Verkaufsprozessen und Verkaufsmanagementsituationen. „Es führt also all meine Interessensgebiete und meine Expertise zusammen. Zukünftig möchte ich mich auch in diesem Bereich nebenberuflich als „Business Trainer“ selbstständig machen.“

„Die Promotion war meine Herzensangelegenheit!“

Während des ersten Jahres saß der Promovend jeden Tag zwei Stunden an seiner Arbeit – „dadurch ging es ziemlich schnell voran.“ Und so habe er auch seine Freizeit kaum einschränken müssen: „Ich hab einfach kontinuierlich an meiner Dissertation gearbeitet, ca. jeden Tag nach Feierabend von 17 bis 19 Uhr.“ Schließlich kannte er das berufsbegleitende Konzept und das abendliche Lern- und Schreib-Programm ja bereits durch sein Master-Studium. Aber natürlich gab es auch Zeiten, in denen er tagelang bis in die Nacht durcharbeitete. „Was mich bei der Promotion motiviert hat? Dass ich für mein Thema gebrannt habe und bereit war, mich über zwei Jahre lang, jeden einzelnen Tag intensiv für die Lösung eines Problems einzusetzen.“ Die zu veröffentlichenden Paper und die Doktorarbeit geben ihm zudem heute die Möglichkeit, sein eigenes Modell durch führende Experten auf diesem Gebiet diskutieren und herausfordern zu lassen.

Am Tag der Online-Disputation (Foto: Privat)