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Beamter, Schöffe und FOM Student

„In punkto Wissen bin ich eine Raupe Nimmersatt“

Als Tjark Wriedt mit 23 Jahren Beamter auf Lebenszeit wurde, hatte er ein ausgefülltes Leben: Seine Aufgaben für die Bremer Finanzbehörden gefielen ihm, ehrenamtlich engagierte er sich beim Deutschen Roten Kreuz, half während des Elbe-Hochwassers 2013 bei der Versorgung im Landkreis Lüchow-Dannenberg und begann eine Ausbildung zum Rettungssanitäter. Doch etwas nagte an ihm: „Ich hatte einen riesigen Hunger nach Bildung und Wissen.“ Er überlegte, sein Abitur nachzuholen, doch es kam anders. 2020 erhielt Tjark Wriedt für seine Bachelor-Thesis in „Steuerrecht“ (LL.B.) die Note 1,7 – und nimmt jetzt am FOM Hochschulzentrum Hamburg sogar Kurs auf den Master-Titel.

22.02.2021 | Bremen und Hamburg

Es war der türkisfarbene Werbeschriftzug der FOM Hochschule auf einer Bremer Straßenbahn, der den jungen Finanzbeamten auf den Gedanken brachte, mit seinem erweiterten Realschulabschluss berufsbegleitend zu studieren. Bald darauf saß er vor einer Studienberaterin des FOM Hochschulzentrums in Bremen, um herauszufinden, ob seine Ausbildung und Berufserfahrung für die Zulassung reichten. „Als die schriftliche Zusage kam, dass ich mich wirklich für ‚Steuerrecht‘ einschreiben kann, war das fast ein Schock“, bekennt Tjark Wriedt heute.

Bald saß er jeden Freitagabend und samstags zwischen 8.30 Uhr und 15.30 Uhr im Hörsaal. „Die ersten Module waren herausfordernd für jemanden, der das Lernen noch einmal neu lernen musste“, erzählt er. In Mathe musste er sich durchbeißen, bestand eine Prüfung erst im dritten Anlauf. Dass er nicht aufgab, dazu hätten auch seine Dozenten beigetragen: „Die haben öfter gesagt: Herr Wriedt, Sie haben mehr drauf, machen Sie weiter!“ 

Aufstiegsperspektive dank Bachelor-Abschluss

Mit Begeisterung stürzte Wriedt sich in neue Wissensgebiete und genoss den lebhaften Austausch mit Professoren und Kommilitonen. „Wenn es um Steuern ging, hieß es oft: Wo ist der Kollege vom Finanzamt, der müsste das wissen!“ Mit drei Mitstudierenden schloss er sich zu einer Lerngruppe zusammen, die sich gegenseitig unterstützte, anspornte und viel gemeinsam unternahm. Im Austausch mit den anderen gewann er neue Einblicke in die Bank- und Steuerberatungs-Branchen, konnte einmal einen Kommilitonen zu einer Aktionärsversammlung begleiten: „Eine tolle Erfahrung.“

Seine Bachelor-Arbeit schrieb Tjark Wriedt über Grundsteuermodelle und entwickelte dabei einen eigenen Modell-Ansatz. Kurz nach dem Studienabschluss im März 2020 ergriff er die Chance, sich im Rahmen seiner Beamtenlaufbahn zu einem technischen Dienstleister für Finanzämter und Kommunen abordnen zu lassen. Die neue Aufgabe macht ihm großen Spaß, auch, weil er Kompetenzen aus seinem Studium anwenden kann, etwa Projektmanagement. Mit Jahresbeginn wurde aus der Abordnung ein dauerhafter Wechsel in die Laufbahn der allgemeinen Verwaltung – „mit einer Aufstiegsperspektive, die erst mein Bachelor-Abschluss möglich gemacht hat!“  

In seiner Freizeit fotografiert er gerne: FOM Student Tjark Wriedt
In seiner Freizeit fotografiert er gerne: FOM Student Tjark Wriedt (Foto: privat)

Von der Hauptschulempfehlung zum Master-Studium

Neben dem Beruf engagiert Tjark Wriedt sich weiterhin ehrenamtlich, 2019 wurde er Schöffe am Landgericht Verden: „Es ist so spannend, mit welchen Fragestellungen man bei dieser Tätigkeit konfrontiert wird! Ich bin einfach ein leidenschaftlicher Verfechter des Rechtsstaats.“ Auch seine akademischen Ambitionen sind noch nicht erschöpft: Seit September absolviert der 28-Jährige am Hamburger FOM Hochschulzentrum ein Master-Studium im Hochschulbereich „Wirtschaft & Recht“, studiert jetzt an drei Tagen pro Woche und brennt für die neuen Studieninhalte. Was ihn dazu bringt, sich immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen, weiß Tjark Wriedt genau: „Am Ende der Orientierungsstufe hatte ich eine Hauptschulempfehlung. Das treibt mich bis heute dazu an, herauszufinden, was ich erreichen kann. Manche fragen mich: Bringt dir das denn beruflich was? Ja, mit dem 'Master of Laws' werde ich noch mehr Möglichkeiten haben. Aber das Entscheidende ist: Mich interessiert das alles einfach so sehr! Was Wissen betrifft, bin ich eine Raupe Nimmersatt.“