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  • 2020
  • September
  • Wissenschaftlich erwiesen: „Geld macht nicht alle Menschen glücklich“

FOM Absolventin erbringt wissenschaftlichen Nachweis mittels fMRT

„Geld macht nicht alle Menschen glücklich“

Ihr Berufsweg ist eng mit dem Gesundheitswesen verbunden. Auch in ihrer akademischen Karriere hat sich die Göttingerin Maria Keil oft mit psychologischen Fragestellungen beschäftigt. Ob und wodurch jemand glücklich ist, untersuchte sie beispielsweise mittels funktioneller MRT-Aufnahmen für ihre Bachelor-Thesis an der FOM Hochschule in Kassel. Die Abschlussarbeit wurde als beste Thesis Hessens mit dem ETL-Mittelstandspreis und dem ZeMark-Med-Award ausgezeichnet. Doch damit nicht genug: Im Master-Studium an der FOM in Hannover forschte sie weiter. Jetzt hat sie ihre Ergebnisse über den Zusammenhang von Glück, Belohnung und Kreativität gemeinsam mit Prof. Dr. Winand Dittrich und Prof. Dr. Sylvia E. Kernke in der Schriftenreihe des KCI KompetenzCentrum für interdisziplinäre Wirtschaftsforschung & Verhaltensoekonomie veröffentlicht.

Nach der Realschule absolvierte Maria Keil zunächst eine Ausbildung als medizinisch-technische Radiologie-Assistentin und arbeitete dann sechs Jahre lang im Zentrum für translationale Forschung in systemischen Neurowissenschaften und Psychiatrie der Universitätsmedizin Göttingen. Angehende Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen begleitete sie auf ihrem Weg zum Doktortitel. „Irgendwann wurde mir klar, dass ich eigentlich mehr kann und weiß, ohne die entsprechenden Abschlüsse zu haben. Also schrieb ich mich bei der VWA für den Lehrgang zur Gesundheitsbetriebswirtin ein.“ Das Lernen neben dem Beruf sorgte für zusätzlichen Anreiz, „deshalb war es auch keine Frage für mich, ob ich weitermachen sollte. Nach der VWA wollte ich einen Hochschulabschluss. Um meinen Lebensstandard zu halten – und weil ich kein Typ für ein reines Fernstudium bin –, habe ich mich für ein berufsbegleitendes Wirtschaftsstudium an der FOM in Kassel entschieden.“

03.09.2020 | Hannover und Kassel

Angst vor Präsentationen verloren

Wie das Leben einer Studentin aussieht, die neben dem Job abends und am Wochenende Vorlesungen besucht und für Klausuren büffelt, weiß Maria Keil noch ganz genau. „Ich hätte am liebsten nur Klausuren geschrieben, Vorträge oder Präsentationen fand ich schlimm. Bei Frau Prof. Kernke musste ich das jedoch schon im Bachelor-Studium konsequent trainieren – und dafür bin ich ihr heute noch dankbar.“ Denn: Mit der Zeit stellte Maria Keil nicht nur fest, dass sie sicherer darin wurde, eigenes Wissen einer größeren Gruppe von Menschen zu vermitteln. „Es fing tatsächlich an, mir Spaß zu machen“, sagt sie lachend.

Nach dem Studium arbeitete sie zunächst als Projektmanagerin eines Krankenhauses. Doch die Arbeit erfüllte sie nicht und das angebotene Gehalt konnte sie dort nicht halten, denn „Geld bringt Sicherheit, macht aber allein nicht glücklich!“ Nachdem sie das Management einer neuen Forschungsgruppe in der Psychiatrie übernommen, neue Forschungsfelder erkundet und parallel dazu das FOM Master-Studium in Wirtschaftspsychologie absolviert hatte, übernahm sie im Frühjahr an der FOM in Kassel einen Lehrauftrag für „Psychologische Diagnostik“. „Mit Studierenden zu arbeiten, ist spannend“, sagt sie. Auch eine Promotion könne sie sich gut vorstellen. „Zum einen forsche ich unheimlich gern, zum anderen bin ich ein Mensch, der das, was er anfängt, auch gern zu Ende bringt. Eine Promotion wäre der perfekte Abschluss meiner wissenschaftlichen Laufbahn und da mein Projekt aktuell ausgelaufen ist, wäre die Zeit jetzt ideal dafür, vorausgesetzt, es findet sich etwas Passendes.“

Idee zum Thema

Foto: Mike Henning/FOM

Die Idee zur Erforschung monetärer Belohnungsansätze in der Künstler- und Kreativbranche stammt von Prof. Dr. Sylvia E. Kernke, Dozentin für Allgemeine BWL, insbesondere Marketing, an der FOM in Kassel.

„Ich bin froh, dass sich Maria Keil dieses Themas angenommen und die Untersuchung so zielgerichtet und kompetent durchgeführt hat. Die Zusammenarbeit mit ihr war erfüllend und ich freue mich insbesondere für unsere Kasseler FOM Studierenden, dass wir sie als Dozentin gewinnen konnten.“

Offen für neue Wege: Maria Keil hat nach ihrem berufsbegleitenden Studium einen Lehrauftrag an der FOM Hochschule in Kassel übernommen (Foto: privat)

Künstler brauchen kein Geld, um glücklich zu sein

Für den 6. Band der KCI Schriftenreihe Über den Zusammenhang von Glück, Belohnung und Kreativität: Ein Beitrag aus der Hirnforschung mit funktioneller MRT gewann Prof. Dr. Winand Dittrich die FOM Absolventin und Dozentin, die in der Zwischenzeit auch Mutter geworden ist, als Co-Herausgeberin. Maria Keil: „Als Basis für den Band habe ich gemeinsam mit Professorin Kernke die Ergebnisse meiner Bachelor-Arbeit neu aufgearbeitet. Damals hatte ich untersucht, wie Menschen reagieren, wenn sie – im Rahmen eines Spiels – belohnt werden. Es gab zwei Bezugsgruppen: Künstler und Nicht-Künstler.“ Die Göttingerin fand heraus, dass Künstler und Nicht-Künstler Anreize unterschiedlich bewerten. „Gab es Geld als Belohnung, haben die Nicht-Künstler darauf deutlich stärker reagiert als die Künstler. Damit wurde erstmals wissenschaftlich nachgewiesen, dass Geld tatsächlich nicht alle Menschen gleichermaßen glücklich macht.“ Insbesondere für Arbeitgeber sei es deshalb interessant herauszufinden, ob ihre Mitarbeitenden eher experimentell-fühlende oder rational-sicherheitsbedürftige Menschen sind. „Motivierte, glückliche Mitarbeitende sind für jeden Arbeitgeber ein Gewinn. Um die Motivation einer Belegschaft zu steigern, gibt es jedoch mehrere Möglichkeiten – Geld ist nur eine davon.“

Auf die Frage, was Glück für sie persönlich bedeute, antwortet die junge Mutter: „Glück hat viel mit Zufriedenheit zu tun. Es gibt viele Menschen, die alles haben und doch nie wirklich zufrieden sind.“ Wenn sie sich bewusst vor Augen führe, dass sie ein gesundes Kind und eine funktionierende, liebende Familie habe, sei sie glücklich. „Wenn man dazu noch die Möglichkeiten hat, das zu tun, was man gern möchte, kann man sich wirklich glücklich schätzen!“