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FOM Student macht Karriere bei Klavierbauer Steinway & Sons

Vom Tischlermeister zum Wirtschaftsingenieur

19.10.2020 | Hamburg

Für den Pianobauer Steinway & Sons fertigt Tischlermeister Daniel Pieper seit 2014 Klaviere und Flügel der Spitzenklasse. Dass er nach Feierabend „Wirtschaftsingenieurwesen“ an der Hamburger FOM studiert, verriet er seinen Chefs erst kürzlich. Ein Geständnis mit Folgen: Die Firma vertraute ihrem Mitarbeiter, der schon im nächsten Jahr seinen Bachelor-Abschluss macht, jetzt eine neue Aufgabe an. Der 28-Jährige übernimmt die Wirtschaftlichkeitsprüfung einer Abteilung, die Steinway & Sons neu implementieren will.

Eine Ausbildung als Bau- und Möbeltischler, ein Meisterbrief, die Stelle bei dem weltweit bekannten Unternehmen in Hamburg-Bahrenfeld: Seit zehn Jahren arbeitet Daniel Pieper mit Holz. Er liebt sein Handwerk und ganz besonders das, was er in den Werkstätten von Steinway & Sons tut: „Klavierbau ist die höchste Veredelungsstufe von Holz. Ich habe einen sehr guten Job, der mir Spaß macht.“

Doch dem 28-Jährigen aus dem Münsterland, der mit seiner Frau in Eimsbüttel lebt, war früh klar, dass er mehr will: „Für mein ganzes Berufsleben reicht mir das Handwerk nicht. Wandel gehört schließlich zum Leben, und ich möchte irgendwann ein Team leiten, eine Führungsaufgabe übernehmen.“ Mit diesem Ziel vor Augen begann er 2017, berufsbegleitend „Wirtschaftsingenieurwesen“ (B.Sc.) an der FOM Hochschule in Hamburg zu studieren. Eine gute Wahl, weiß er heute: „Das Technisch-Mathematische ist genau meins, ich bin sehr zahlenorientiert.“ Das Lernen empfindet er als Bereicherung, als Luxus.  

Daniel Pieper
Seit 2014 fertigte Daniel Pieper Klaviere und Flügel der Spitzenklasse (Foto: Steinway & Sons)

Auch mit der Entscheidung für die FOM ist Daniel Pieper glücklich. Er schätzt die persönliche Atmosphäre an der Hochschule, die individuelle Unterstützung, die er durch die Dozenten erfährt, und den Austausch mit den Kommilitonen, die wie er im Berufsleben stehen: „Ich brauche diese Interaktion! Ich erfahre so viel darüber, wie es in anderen Unternehmen läuft. Das ist ein spannender Perspektivwechsel und ein Mehrwert für die eigene Firma.“

Daniel Pieper
Tischlermeister und angehender Wirtschaftsingenieur: Daniel Pieper (Foto: Privat)

Sein Arbeitgeber ahnte anfangs nichts von dessen Studienprogramm nach Feierabend. Erst im sechsten Semester „outete“ er sich: „Im Handwerk ist eine akademische Weiterbildung oft nicht sehr nachgefragt. Deswegen war ich etwas zurückhaltend.“ Umso mehr freut er sich über das positive Feedback seiner überraschten Vorgesetzten, die ihn aufforderten, seine beruflichen Ziele und Wünsche in einem Fünf-Jahres-Plan niederzuschreiben. Auf den ersten Schritt von der Produktion in weiterführende Aufgaben musste Daniel Pieper nicht lange warten: Seit September begleitet er ein Projekt zur Implementierung einer neuen Abteilung, für die er die Wirtschaftlichkeit analysiert. Eine Chance zur Weiterentwicklung bei Steinway & Sons, über die er sich sehr freut.

Nach dem Bachelor will der Wahl-Hamburger noch ein Master-Studium dranhängen, wenn möglich in „Logistik & Supply Chain Management“ (M.Sc.). Seine Firma hat bereits angeboten, sich an den Studienkosten zu beteiligen. Gute Perspektiven für den Studenten aus der Pianofabrik, für den Freizeit und Urlaub derzeit eher eine Seltenheit sind. Geht es beim Lernen zu Hause einmal nicht voran, verlässt er den selbstgefertigten Schreibtisch für zwei Stunden und tobt sich im Fitnessstudio aus. Zeit nimmt sich Daniel Pieper auch für seine ehrenamtliche Arbeit im gemeinnützigen Verein plietsch, der eine private Schule in Ghana unterstützt: „Wir ermöglichen Kindern, die unbedingt lernen wollen, eine Schulbildung. Manche laufen jeden Tag zehn Kilometer zu Fuß zu ihrer Schule! Ich kann das gut verstehen. Nichts ist wichtiger als Bildung.“