• FOM
  • 2020
  • Mai
  • Soziale Arbeit in Corona-Zeiten: Weseler FOM Studentin initiiert „Erlebnisse aus dem Schuhkarton“

Jennifer Sniegon über soziale Arbeit in Corona-Zeiten

Weseler FOM Studentin initiiert „Erlebnisse aus dem Schuhkarton“

Nur wenig Begegnungen, kaum persönlicher Austausch mit Bekannten und Freunden und nur wenige Möglichkeiten der Freizeitgestaltung – all das bestimmt seit einigen Wochen unser aller Alltag. FOM Studentin Jennifer Sniegon hat nach einer Lösung gesucht, um Menschen einen kleinen Lichtblick zu schenken, eine kurze Auszeit und eine Abwechslung in die Wohnungen von Familien und Senioren zu bringen. Das Ergebnis: „Erlebnisse aus dem Schuhkarton“.

27.05.2020 | Wesel

Für ihr letztes Projekt gewann sie bereits den Förderpreis der AOK

Jennifer Sniegon arbeitet als Projektkoordinatorin für Sozialraumorientierung im „Mehrgenerationenhaus Bogen“. Berufsbegleitend studiert sie an der FOM in Wesel Soziale Arbeit und hatte bereits für eines ihrer letzten Projekte den Förderpreis „Starke Kids“ der AOK Rheinland/Hamburg erhalten. Damals wurden vom „Starke Kids Netzwerk“ Projekte aus den Bereichen gesunde Ernährung, Bewegung, Stressbewältigung und Suchtmittelvermeidung gesucht. Mitte Januar startete die 34-jährige „Gewinnerin“ ihr Projekt „Minifit im Quartier“ zur Bewegung von Kindern und wurde durch ein Fördergeld von 2000 Euro unterstützt. Doch nun muss das Weseler Projekt aufgrund der aktuellen Lage vorerst pausieren. „Ohne den Input aus den Vorlesungen, wäre ich niemals auf die Idee gekommen, mich mit dem Projekt bei einer Krankenkasse zu bewerben. Umso mehr hatte ich nun den Anreiz, etwas Neues, „Corona-konformes“ ins Leben zu rufen.“

Schatzsuche, Forschungsprojekte & Rätsel

Die „Erlebnisse aus dem Schuhkarton“ sind ein generationsübergreifendes Angebot für Jung und Alt. Das Mehrgenerationenhaus arbeitet mit der Kreaktiv-Stiftung, der Stadtinformation Wesel, den „Kleinen Forschern“ und Privatpersonen zusammen, um gemeinsam die Schuhkartons zu gestalten. Jennifer Sniegon: „Die Kisten werden gestaltet, beschriftet und mit leicht umzusetzenden Freizeitvergnügungen bestückt. Das können Rätsel, ein Kräutergarten zum Selberanbauen, Schatzsuchen in der Natur oder Kunstaktionen sein. Vieles ist denkbar – es ist nur wichtig, dass wenig zusätzliche Materialien benötigt werden.“ Die Kartons wurden im Mehrgenerationenhaus gesammelt und werden nun seit Montag, den 25. Mai gegen eine kleine Gebühr von zwei Euro verliehen. „Es gab schon viele kreative Ideen und das Angebot wird von Jung und Alt angenommen. Bis jetzt haben wir 20 Kartons“, freut sich die FOM Studentin. Auch die Kreativbürgerstiftung habe einige tolle Kisten beigesteuert, darunter beispielsweise zur Schmuckgestaltung oder zum Filzen. „Ich selbst hatte auch ein paar Ideen, hab jetzt den ersten bilingualen Karton in Deutsch/Arabisch gestaltet“, so die 34-Jährige.

Darüber hinaus betreut Jennifer Sniegon unter „normalen Umständen“ viele weitere Projekte, wie den „Kita-Schnupper-Treff“ oder das sogenannte „Erzählkaffee“. „Netzwerkarbeit und diverse Arbeitskreise gehören ebenfalls zu meinen Aufgaben – und ich muss schon sagen, meine Arbeit erfüllt mich wirklich“, so die Studentin.

Homeoffice und Online-Vorlesungen mit fünfjähriger Tochter

Ursprünglich schloss die Weselerin ihr Studium in Physiotherapie in den Niederlanden ab, arbeitete auch einige Jahre in diesem Beruf als im heilpädagogischen Kindergarten. Nachdem sie schwanger geworden und in Elternzeit gegangen war, wechselte sie anschließend als Projektkoordinatorin in das Mehrgenerationenhaus. „Ich entschloss mich dazu, nochmal zu studieren und dazu bot mir die FOM das perfekte Konzept.“ Jennifer Sniegon musste das Studium und den Job mit ihrer Familie vereinen, was ihr an der FOM sehr gut möglich war. „Es war mir extrem wichtig, praktisch zu arbeiten, Geld zu verdienen und mich dabei weiterzubilden.“ Auch in einer ihrer Sozialmedizin-Vorlesungen an der FOM stellte sie ihr damaliges Projekt vor: „Wir haben im gesamten Kurs diskutiert und noch weiter am Konzept gefeilt – es ist unglaublich, wie positiv dieser wechselseitige Einfluss ist. An der Hochschule bekomme ich Input für die Arbeit und andersherum!“ Zudem ist die FOM in Wesel sehr zentral gelegen und liegt zehn Minuten von ihrem Zuhause entfernt. Derzeit ist aber auch ihr Alltag sehr auf den Kopf gestellt: „Die derzeitige Situation bringt mich tatsächlich an meine Grenzen. Es ist wirklich nicht einfach, alles von Zuhause zu schaffen, während die fünfjährige Tochter um einen herumschwirrt. Aber durch Unterstützung ist es machbar – ich muss einfach noch flexibler sein als sonst. Und im Notfall muss ich dann mal für die ein oder andere Klausur in einen Nachschreibtermin…“  

Jennifer Sniegon gewann der Förderpreis „Starke Kids“ der AOK Rheinland/Hamburg (Foto: Privat)
20 Schuhkartons werden seit Montag, dem 25. Mai für eine Gebühr von 2 Euro im Mehrgenerationenhaus Wesel verliehen (Foto: MGH)