• FOM
  • 2019
  • November
  • Nachgefragt: Barbara Baratie, Unternehmensberaterin und Dozentin an der FOM

Nachgefragt

Barbara Baratie, Unternehmensberaterin und Dozentin an der FOM Hochschule

Frauen könnten in Unternehmen viel mehr bewegen, als sie sich zutrauen. „Die Kunst ist, die eigenen Stärken zu erkennen und zielgerichtet einzusetzen.“ Das stellt Unternehmensberaterin und FOM Dozentin Barbara Baratie immer wieder fest. Weil ihr die Karriere junger Frauen am Herzen liegt, nahm sie als Referentin am 7. FOM Frauen-Forum am 5. November in Hannover teil. Im Interview fasst sie ihre Erfahrungen zusammen.

Warum nutzen Frauen Ihre Stärken nicht?

Weil viele von uns bis heute dazu erzogen werden, nett zu sein und zu warten bis man uns anspricht. Damit gehen Frauen im Beruf Chancen verloren, denn sie fordern nicht den Job, den sie ausfüllen können, sondern warten lieber darauf, dass er ihnen quasi auf dem Silbertablett angeboten wird. Eine Frau, die schon lange ihren Vorgesetzten vertritt, hätte alles Recht, mehr Geld zu verdienen. Sie sprach ihn auf das Thema an und er sagte sinngemäß: „Sie haben ja nicht gefragt.“ Und ergänzte seine Feststellung mit dem Satz: „Sie wären eine gute Managerin geworden.“ Aber er hat sie eben nicht gefragt, worauf sie gewartet hat.

12.11.2019 | Hannover

Frauen möchten gefragt werden?

Ja, und das ist ein Teil des Problems. Das habe ich auch wieder beim FOM Frauen-Forum in Hannover deutlich gemerkt. Da ist noch immer das weit verbreitete „Frauendenken“, dass es „un-nett“ ist, Forderungen zu stellen. Jüngere Frauen sind da keine Ausnahme. Eine Absolventin der Wirtschaftspsychologie berichtet, sie finde keine Stelle. Im Gespräch mit ihr wurde klar: Es liegt nicht an der Qualifikation, sondern am fehlenden Mut, sich mit ihren Stärken zu positionieren: Hochschulabsolventinnen bringen frisches Wissen ins Unternehmen, lernen schnell und können sich in der Praxis beweisen. Dabei bewegen wir uns heute in einem Arbeitnehmermarkt. Umso mehr haben Frauen Grund, auf ihre Stärken und ihre, wie die Psychologie sagt, Selbstwirksamkeit zu setzen.

Leider bewegt sich gesellschaftlich zu wenig ...

Ja. Eine Studie der Uni Lyon belegt, dass sich neunmal mehr Arbeitnehmer eine Chefin als Chef wünschen als umgekehrt. Gemischte Führungsteams steigern im Übrigen die Wirtschaftskraft. Auch dies belegen die Studien.

Es bleibt die Schwierigkeit, Kind und Karriere unter einen Hut zu bringen.

An der Oberfläche hat sich viel getan, ich denke nur an das Recht auf einen Kita-Platz. Aber unter der Oberfläche sieht es anders aus. Da ist die promovierte Betriebswirtin, die erst an der Uni, dann in der Wirtschaft in einer Führungsposition arbeitet, und das schlechte Gewissen mit sich herumträgt, es keinem Recht machen zu können: nicht dem Kind, nicht der Firma. Das schafft eine Belastung, die wir den Frauen nehmen müssen.

Barbara Baratie leitet die Unternehmensberatung „Die Unternehmensentwickler“. Die 56-Jährige lehrt zugleich Wirtschaftspsychologie an der FOM Hochschule (Foto: FOM)

Was können Frauen tun, um sichtbar zu werden?

Frauen dürfen ihre Erfolge selbstbewusster ihrem „Erfolgskonto“ zuschreiben und in der Firma öffentlich ihre Leistung zeigen. Sichtbarkeit braucht auch Netzwerkarbeit, auf Firmenevents, Verbändetreffen und wo immer sich die Gelegenheit bietet. Netzwerken ist unglaublich wichtig und es beginnt im eigenen Unternehmen. Ein Tipp für den eher zurückhaltenden Typ: Finden Sie jemanden, der sie mitnimmt oder vorstellt, dann ist die Tür für Sie schon geöffnet.