Eventfilm für Audi, Werbetrailer für Porsche, Skifilm für Schöffel

Augsburger Studenten mischen die Werbeszene auf

Uuund cut! Die Szene ist im Kasten, der Dreh vorbei. Doch bis der neue Trailer für den Porsche Panamera E-Hybrid fertig ist, sind noch viele weitere Arbeitsschritte nötig. Das Material muss gesichtet, der Film geschnitten und vertont werden. All das machen Linus Kirschner und Julius Krebs. Mit ihrem Werbefilm transportieren sie nicht nur die Botschaft des Kunden ­– sie zeigen auch, wie weit es junge Menschen bringen können, die an sich glauben und etwas wagen.

11.11.2019 | Augsburg

Die beiden Geschäftsführer der Kreativagentur Urban & Uncut Studios (U&US) sind 20 und 21 Jahre jung, zu ihren Kunden zählen Unternehmen wie Porsche, Schöffel, Tommy Hilfiger und Audi, aber auch zahlreiche Start-ups. Damit sie ihr Hobby zum Beruf machen konnten, gründeten sie schon als Schüler – damals gingen sie in die 12. Klasse des St. Anna Gymnasiums und waren gerade volljährig geworden – ihre eigene Firma. Das Stammkapital für die GmbH in Höhe von 25.000 Euro hatten sie selbst zusammengespart. „Durch Nebenjobs im Café Pow Wow, kleinere Filmproduktionen und gespartes Taschengeld bekamen wir die Summe zusammen und mussten weder einen Kredit aufnehmen, noch auf Finanzspritzen unserer Eltern zurückgreifen“, erklärt Julius. Dass sie in großen Dimensionen denken, zeigte sich schnell mit den ersten Aufträgen namhafter Kunden. Diese wandten sich an die beiden jungen Filmemacher. „Wir mussten nicht einmal Akquise betreiben“, erläutert Linus. Das liege aber daran, dass sie sich schon früh ein gutes Netzwerk aufgebaut und mit den richtigen Leuten „connected“ hätten, fügt Julius an. „Wir kennen viele Leute in der Szene.“

Vom Autodidakten via Drohne zum Überflieger

Doch zurück zu den Anfängen, als der Erstklässler Linus lieber mit Fotoapparaten und Kameras statt mit Playmobilautos oder Fußbällen spielte. Auch Julius wusste schon früh, was er wollte: Er drehte Videos für seinen eigenen YouTube-Channel, „eher trashy, nichts wichtiges“, sagt er heute. Noch vor der Gründung von Urban & Uncut rief er im Jahr 2016 die Internetplattform „germandrones.eu“ ins Leben, weil er seine Drohnenfotos präsentieren wollte und nichts Passendes fand. Nach nur einer Woche hatte die Website mehr als 1000 Follower und ist mittlerweile das größte Sammelwerk von Drohnenfotografie in Deutschland. „Eine Win-win-Situation“, freut sich Julius, „die Fotografen können kostenlos ihre tollen Bilder zeigen und wir bekommen Content und Reichweite.“ Die hohe Social-Media-Präsenz der Website war es auch, die Urban & Uncut so schnell zu guten Aufträgen verhalf.

Wie wichtig die frühe Leidenschaft und Beschäftigung mit den Themen Fotografie, Film und Technik war, zeigt sich heute. „Wir haben nie einen Kurs oder sowas gemacht, sondern uns alles selbst beigebracht und uns schon vor der Firmengründung angeeignet, wie man Geschichten erzählt und produziert, wie man die Kamera führt, schneidet und den Ton mischt“, meint Linus. Nach dem Abitur kam deshalb ein Studium in Richtung Film für beide nicht in Frage, „da wir das meiste schon gut können“. 

Im Filmbusiness kennen sie sich aus, was den Geschäftsführern Linus Kirchner und Julius Krebs noch fehlt, ist betriebswirtschaftliches Wissen (Foto: U&US)
Als Schüler gründeten Linus Kirchner (l.) und Julius Krebs die Agentur Urban & Uncut Studios. Jetzt studieren die beiden Geschäftsführer berufsbegleitend an der FOM Hochschule in Augsburg (Foto: U&US)

Als Geschäftsführer BWL studieren

Mit dem Erfolg kamen auch andere Themen auf sie zu, „Themen, mit denen wir uns in der Schulzeit noch nicht beschäftigt haben“, so Julius. Mittlerweile hat Urban & Uncut zwei festangestellte und etliche freie Mitarbeiter sowie sechs Werkstudenten. „Neben unserer kreativen Tätigkeit sind wir auch Geschäftsführer, weshalb wir nun doch noch ein Studium begonnen haben“, erzählt Julius. Beide sind im Fach „Business Administration“ an der FOM Augsburg eingeschrieben, der Hochschule für Berufstätige. „Das war naheliegend, denn von unserem Büro gucken wir direkt auf die gegenüberliegende FOM und mit dem Studienzeitmodell passte es auch“, erklärt Linus. So hat mit diesem Wintersemester der nächste Spagat im Leben der beiden kreativen Köpfe begonnen: Vollzeit arbeiten, abends und an den Wochenenden studieren. Die Lehrveranstaltungen zu „Human Resources“ machten momentan am meisten Spaß, da sie das Thema auch im Arbeitsleben beschäftige. „Hier lernen wir viel über Mitarbeiterführung, inwieweit man auf jeden eingehen muss und eher freundschaftlich agiert und wann man auch mal eine Ansage machen muss“, berichtet der 20-jährige Linus. „Wir suchen derzeit neue Mitarbeiter und haben fünf offene Stellen.“

97 Kunden, 243 Produktionen, 5380 Tassen Kaffee

Stress oder Zeitmangel für andere Dinge verspüren die Jungunternehmer trotzdem nicht, obwohl sie meist bis in die Nacht arbeiten. „Was wir machen, sind ja komplett unsere Hobbys. Wenn ich mir morgen freinehmen würde, würde ich auch nichts anderes machen als mir einen Instagram Face Filter oder ein 3D-Modelling auszudenken“, sagt Linus. Als Director of Photography ist er für alles Technische zuständig, filmt und trägt die Verantwortung für Computer und Kameras. Julius ist Art Director und Sachkundiger für Schnitt und Verwaltung. Die meiste Zeit verbringen sie mit der Planung von Projekten: „Denken, kreativ sein und Organisieren macht ungefähr 60 Prozent unserer Arbeit aus, denn gedreht ist meist recht schnell“, so Julius. Nur ihre Buchhaltung machen sie nicht selbst – „sonst wären wir ganz schnell insolvent“. Kein Wunder bei 97 Kunden, 243 Produktionen und 5380 getrunkenen Kaffees in nur eineinhalb Jahren – wie auf ihrem Internetauftritt www.urbanuncut.de zu lesen ist.

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