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  • Jahrestagung für Sportpsychologie: Neigen ehemalige Leistungssportler zur Arbeitssucht?

Master-Absolventin berichtet bei Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie

Neigen ehemalige Leistungssportler zur Arbeitssucht?

Kathrin Winkelmann ist schon gespannt. Die frisch gebackene Master-Absolventin darf auf der 51. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie die Ergebnisse ihrer Abschlussarbeit einem interessierten Fachpublikum präsentieren. Begleitet von ihrer Professorin Katharina Sachse wird sie in Halle/Saale am 31. Mai einen Kurzvortrag halten. Das Thema ihrer Arbeit: „Von der Elite des Sports zum Arbeitssüchtigen? – Ein Vergleich zwischen ehemaligen Kaderathleten und Nicht-Sportlern.“ Als ehemalige Leistungssportlerin im 400-Meter-Hürdenlauf weiß die Wirtschaftspsychologie-Absolventin der Berliner FOM Hochschule genau, worum es geht.

29.05.2019 | Berlin

„Ausgangspunkt für meine Master-Arbeit war eine Studie von Lenninghaus aus dem Jahr 2017, die zeigt, dass aktive Spitzenfußballer eine höhere Tendenz für arbeitssüchtiges Verhalten haben als Top-Manager. In meiner Arbeit untersuchte ich, ob ehemalige Elite-Athleten nach ihrer Spitzensportkarriere ebenfalls anfälliger für arbeitssüchtiges Verhalten sind“, erzählt Winkelmann. Mit einem Online-Fragebogen erhob sie die Informationen von 30 ehemaligen A-, B- und C-Kaderathleten olympischer Individualsportarten. Die Befragten stammen aus ihrem alten Netzwerk in Neubrandenburg, wo sie von 2003 bis 2009 die Sportschule besuchte, sowie dem ihrer Professorin, die ebenfalls Leistungssportlerin war. Als Vergleichsgruppe dienten 34 Befragte, die keinen leistungssportlichen Hintergrund haben.

In ihrer Untersuchung konnte die Wirtschaftspsychologin nicht bestätigen, dass ehemalige Elite-Athleten gegenüber Nicht-Elite-Athleten anfälliger für Arbeitssucht sind. Eine mögliche Ursache sieht sie in der Tatsache, dass die von ihr Befragten nicht mehr durch Leistungssport und Arbeit doppelt belastet waren, anders als die Befragten der Studie von Lenninghaus. „Hat man mehr Zeit zur Verfügung und kann sie mit Familie und Freunden verbringen, wirkt das der Arbeitssucht entgegen.“

Obwohl Arbeitssucht laut Sozialgesetzbuch keine Krankheit ist, kann sie zu psychischer und physischer Erschöpfung führen - bis hin zum kompletten Kontrollverlust. Auf Dauer sind Betroffene immer weniger produktiv, werden vergesslich und krank. „Es gibt verschiedene Gründe, warum es zur Arbeitssucht kommt. Das Gewinnerprinzip im Leistungssport kann dazu führen, dass ein Rauschzustand entsteht, der süchtig macht. Das System von Belohnung und Strafe für Leistung kann aber auch soziokulturell, z.B. durch die Eltern, geprägt sein“, ergänzt Kathrin Winkelmann.

Kathrin Winkelmann bei ihrer Absolventenfeier der FOM Hochschule
(Foto: FOM/Nicole Lehmann)