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Gesunde Führung: Gutes Verhältnis schlecht für die Gesundheit?

Masterarbeit als Fachbeitrag im Magazin „Personalwirtschaft“

Gesunde Führung – eine Frage der Beziehungsqualität? An einer guten, respektvollen Zusammenarbeit mit ihren Mitarbeitern arbeiten viele Führungskräfte. Aber fördert dies tatsächlich die Gesundheit? Oder kann ein gutes Verhältnis auch schlecht für die Gesundheit der Mitarbeiter sein? Zu dieser Thematik forschte die Essener FOM Studentin Sarah Höfer. In einem Fachbeitrag präsentierte sie die Ergebnisse ihrer Masterarbeit im Magazin „Personalwirtschaft“, das seit über 40 Jahren DAS Fachmagazin für HR-Entscheider ist.

11.07.2019 | Essen

Sarah Höfer hat berufsbegleitend Wirtschaftspsychologie an der FOM in Essen studiert und arbeitet als Marketing- und Kommunikationsleiterin bei STEAG Power Minerals. Höfer: „Mir war es wichtig, eine Fragestellung zu bearbeiten, die gleichzeitig einen relevanten Beitrag zur wissenschaftlichen Diskussion und für die aktuelle Unternehmenspraxis leistet.“ Die 33-Jährige hält es für sehr wichtig, dass sich Unternehmen mit der Gesundheit ihrer Mitarbeiter beschäftigen. In der heute schnelllebigen Zeit, in der wir immer nur noch nach "höher - besser - weiter" streben, verliere man das schnell aus den Augen. „Ich bin überzeugt davon, dass eine "gesunde" Organisation langfristig auch erfolgreicher sein wird. Dass es eben nicht damit getan ist, eine gute Beziehung zwischen Führungskraft und Mitarbeiter zu fördern, sondern dass auch explizit in gesundheitsförderliche Führung investiert werden sollte.“

Gute Führung oder gute Stimmung?

Höfer: „Sport, Entspannung, Fit-im-Job-Menüs in der Kantine – viele Unternehmen investieren in das Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter. Dabei meistens im Blick: Das Gesundheitsverhalten der Mitarbeiter selbst.“ Doch immer häufiger rücke auch das Führungsverhalten als wichtige Ressource für den Mitarbeiter in den Fokus des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM). Jedoch seien kurzfristige, sichtbare Erfolge bisher kaum gemessen worden: „Gesundheitsförderliche Führung kann schnell mit Sympathie oder einer guten Stimmung untereinander verwechselt werden“, so die 33-Jährige. Höfers Studie untersucht daher, ob sich gesundheitsförderliche Führung positiv auf die eigene Gesundheitsfürsorge auswirkt und ob die Beziehungsqualität zwischen Führungskraft und Mitarbeiter in diesem Zusammenhang relevant ist. Dazu befragte die FOM Studentin 301 berufstätige Personen diverser Branchen zwischen 17 und 65 Jahren in einer Online-Befragung.

Was bedeutet überhaupt „gesundheitsförderliche Führung“?

Welche Verhaltensweisen tatsächlich gesundheitsförderlich sind, ließe sich zum Beispiel mithilfe des Health-oriented-Leadership-Ansatzes vor Augen führen. Dabei handele es sich nicht um Aspekte wie Zuneigung, Loyalität, fachlicher Respekt und wahrgenommenes Engagement. Vielmehr sollten Führungskräfte für die drei zentralen Einflussmöglichkeiten gesundheitsorientierter Führung sensibilisiert werden: Direkte Kommunikation beziehungsweise Interaktion, Gestaltung von Arbeit und Arbeitsumfeld sowie Bewusstsein der Vorbildwirkung. Die FOM-Absolventin: „Glücklicherweise erlebe ich, dass das Interesse an dem Thema in der Praxis steigt. Nicht zuletzt, da der Gesetzgeber seit 2013 die Aufnahme psychischer Belastungen in der Gefährdungsbeurteilung fordert, beschäftigen sich immer mehr Unternehmen mit gesundheitsförderlicher Führung. Das Thema ist also sehr aktuell und ich denke das wird es auch in Zukunft sein.“

FOM Studentin Sarah Höfer forschte zu gesunder Führung (Foto: Privat)

Das Ergebnis

Eine explizit gesundheitsförderliche Führung ist von besonderer Bedeutung für die eigeneGesundheitsfürsorge des Mitarbeiters, resümiert Höfer ihr Ergebnis. Sei die Beziehungsqualität zusätzlich gut, habe das den größten Effekt auf die Mitarbeitergesundheit. Eine gute Beziehung ohne gesundes Führungsverhalten reiche aber nicht aus. Im Gegenteil: Widmet die Führungskraft der Mitarbeitergesundheit wenig  Aufmerksamkeit, kann eine gute Beziehung sogar kontraproduktiv sein. Höfer: „Spannend war für mich vor allem diese Erkenntnis, dass eine gute Beziehung sogar kontraproduktiv sein kann: eben genau dann, wenn es an gesunder Führung fehlt. Damit wird Kritikern, die das Konzept als "neumodische" Führungstheorie abtun, ein wenig der Wind aus den Segeln genommen.“

Wenn es an gesunder Führung fehlt, kann eine gute Beziehung auch kontraproduktiv sein (Foto: oneinchpunch)