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Ein Studium ist keine Frage des Alters

Mit über 50 nochmal ab in den Hörsaal

Sie hat sich eine große Neugierde auf das Leben und die Welt bewahrt, ist hungrig auf Bildung und Wissen. Silvia Kirschbaum-Vermiert ist 57 Jahre alt und studiert seit sechs Jahren an der FOM Hochschule in Neuss. Mit 51 Jahren, Familie, Job und vier Kindern, fasste sie den Entschluss, ein Studium im Gesundheitsbereich zu beginnen. Sie schloss zunächst den Bachelor in Gesundheits- und Sozialmanagement ab, macht derzeit ihren Master in Public Health.

23.07.2019 | Neuss

Vor dem Studium absolvierte die Neusserin ihre Ausbildungen im Sozial- und Erziehungsbereich, arbeitete zuletzt gemeinsam mit einer Neurologin in einer Praxis mit Klinikanbindung. Doch nun steht ein weiterer großer Schritt bevor: Die 57-Jährige eröffnet ihre eigene Praxis: „Das Studium hat einen Impuls gesetzt, mich selbstständig zu machen, alle Verträge sind schon unterschrieben. Zurzeit sind wir noch mitten im Umbau.“

Wie kamen Sie auf die Idee, nochmal den Schritt in ein Studium zu wagen?

Nach einer längeren Pause durch Erziehungszeit und der Pflege zweier Angehöriger wurde ich von meinem Arbeitgeber aufgefordert, eine langjährige Fort- und Weiterbildung zu erfüllen, um mich beruflich zu integrieren. Ich wäre dazu bereit gewesen, aber dann kam mir der Gedanke, nochmal einen neuen Beruf zu erlernen. Ich bewarb mich bei einer Ausbildungsstätte für Logopäden und bestand den Eignungstest. Nach Abschluss der Ausbildung wurde ich dann sofort eingestellt und absolvierte eine mehrjährige Weiterbildung zur Fachtherapeutin für Neurologie. Im Verlauf meiner Arbeit führte ich, mit Erlaubnis des Klinikums, eine sog. fiberendoskopische Einheit (Videountersuchung des Rachens) für schluckgestörte Patienten ein. Im Zuge der Einführung hatte ich mit vielen administrativen Disziplinen und interdisziplinären Berufsgruppen Kontakt. Dadurch reifte in mir den Wunsch, ein übergreifendes Studium im Gesundheitsbereich zu beginnen.

Warum haben Sie sich für die FOM entschieden?

Während des Studiums bot mir die FOM die Sicherheit, Flexibilität und die Betreuung, die ich mit der Belastung eines Berufes, der keine festen Arbeitszeiten kennt, brauchte. Zusätzlich konnte ich jederzeit den Standort wechseln, um eine Klausur nachzuschreiben, oder an einem Kurs teilzunehmen, an dem ich aus Zeitmangel nicht teilnehmen konnte.

Wie hat Ihre Familie auf die Entscheidung dieses Schrittes reagiert?

Meine ganze Familie hat mich immer unterstützt. Allerdings wurden meine vier Kinder auch zur Mithilfe und Selbständigkeit von früh auf erzogen. Wir haben eine lebendige Tisch- und Diskussionskultur und sitzen oft mit Freunden bei mindestens einer festen Mahlzeit am Tag zusammen. Wir halten auch intensiven Kontakt mit unseren immer wiederkehrenden ausländischen Besuchern.

Wie managen Sie Ihren Alltag?

Ich sehe das im Studium propagierte Zeitmanagement als Lebenshilfe an, dass ich schon sehr lange als meine Alltagsbegleitung betrachte. Mein Wahlspruch lautet: „Tu einmal am Tag etwas Gutes für dich und einen Anderen“ oder nach Kästner: „Es gibt nichts Gutes außer man tut es“.

Silvia Kirschbaum-Vermiert studiert mit 57 Jahren an der FOM in Neuss (Foto: FOM)

Fällt es Ihnen heute leichter/schwerer als früher, für Klausuren zu lernen und den Lernstoff zu behalten?

Ich lerne mit mehr Interesse, Begeisterung und bewusster, brauche etwas mehr Zeit. Aber versuche auch das sog. Bulimie Lernen zu vermeiden. Inhalte verknüpfe ich durch meine Erfahrung naturgemäß und ich lese auch meistens Zusatzinformationen mit Interesse.

Was begeistert Sie am Bereich „Gesundheit & Soziales“ bzw. an der Logopädie und der Tätigkeit, die Sie heute ausüben?

  1. Mein wachsendes Wissen um Dinge und deren Zusammenhänge im medizinischen Bereich.

  2. Eigene qualitative therapeutische Prozesse zu entwickeln.

  3. Die fachliche Hilfe und Begleitung, die ich meinen Patienten zur Entwicklung des eigenen Selbstmanagements anbieten kann.

Was raten Sie anderen FOM Studierenden, die einen ähnlichen Weg einschlagen wollen?

Bei einem Studium, das berufsbegleitend erfolgt, scheinen mir drei Dinge besonders wichtig:

  1. Prioritäten klären: Was für ein Studiengang soll es sein/ Was erwarte ich beruflich oder privat von einem Studium /Welcher Standort sagt mir zu?

  2. Kann ich die Doppelbelastung bewältigen?

  3. Bin ich bereit die Opportunitätskosten zu zahlen, z.B. weniger Zeit für Freunde/Familie oder fehlende ausreichende Erholungszeiten?

Haben Sie ein bestimmtes Ziel oder einen Traum, den Sie sich erfüllen möchten?

Ich möchte gerne ein qualitative Behandlungs- und Beschwerdemanagement in der Praxis entwickeln. Ich würde mich auch sehr über eine bessere Vernetzung der einzelnen Praxen und einen verbesserten Vorgabenkatalog der Krankenkassen für gezielte qualitative Standards in therapeutischen Praxen freuen. Außerdem würde ich gerne promovieren, schon aus beruflichem Interesse, aber das hängt natürlich davon ab, wie ich mich beruflich weiter entwickeln werde.