Bachelor, Master, Doktor

Promovieren geht über Studieren

Palmenwedel wehen im warmen Wind, spanischer Flamenco liegt in der Luft. Schattige Gassen säumen die Altstadt. Auf dem Marktplatz steht ein Schreibtisch voller Bücher und Sonnenstrahlen fluten die Plaza – halt, ein Schreibtisch? Nils Eikelmann öffnet seine Augen: Es ist fünf Uhr morgens in Essen, der Promovend sitzt zuhause vor dem Schreibtisch. Er seufzt und vertieft sich wieder in Fachbüchern.

Promotion berufsbegleitend Murcia FOM
von links: Dr. D. Martin Quinn, Dr. D. Stefan Thode, Dr. Nils Eikelmann, Dr. D. Raúl Baños, Gonzalo Wandosell Ángel Meseguer (Foto: FOM)

Dr. Nils Eikelmann ist Absolvent des berufsbegleitenden FOM Promotionsprogramms unter Federführung der Universidad Católica San Antonio im spanischen Murcia. Während des dreijährigen Programms reiste er einmal pro Jahr zu Seminaren nach Spanien. „Die Promotion hat natürlich nicht viel mit Sonne und Strand zu tun“, so der Referent im Asset Accounting und Reporting des Energieversorgers innogy. „Die meiste Zeit verbrachte ich am Schreibtisch und in Bibliotheken.“

Der 31-Jährige hatte bereits sein Bachelor- und Master-Studium an der FOM in Essen absolviert. „Während meines Masterstudiengangs Finance & Accounting wurde mir klar, dass ich auch nach dem Abschluss weiterlernen wollte. Im Gespräch mit Dozenten und Kommilitonen erfuhr ich vom Promotionsprogramm – die Möglichkeit, mit einem Doktortitel sowohl der eigenen Karriere noch einmal einen zusätzlichen Schub zu geben als auch die Perspektive nebenberuflich als Dozent unterrichten zu können, reizte mich schon damals sehr.“ Für Nils Eikelmann stand schnell fest:  

„Ich möchte promovieren!“

Gesagt, getan: Der Industriekaumann bewarb sich mit einem Exposé beim International Office der FOM: „Ich stellte mein geplantes Thema und die Problemstellung vor und gab einen groben Überblick, wie meine empirische Untersuchung aufgebaut sein soll.“ Nach der Prüfung des Exposés durch den wissenschaftlichen Beirat der FOM kam die Zusage – „Ein tolles Gefühl!“

„Nach dem Kick-off-Seminar in Essen reisten wir zehn Promovenden zum ersten Mal nach Murcia. Dort besprachen wir, worauf beim Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten und Artikel zu achten ist. Ich lernte meinen spanischen Doktorvater kennen – mit ihm und einem FOM Dozenten stand ich während der Promotion in regelmäßigem Austausch.“

Kein Unterhaltungsroman

„Das Thema meiner Promotion sind werteorientierte Kennzahlen – nicht gerade der Stoff für einen Unterhaltungsroman“, stellt Nils Eikelmann augenzwinkernd fest. „Aber durchaus spannend: Während herkömmliche Kennzahlen in der Buchhaltung nur den Gewinn und Verlust berücksichtigen, geben werteorientierte Kennzahlen zusätzlich Auskunft über die Kosten des Eigenkapitals. Ich analysierte also, wie weit ausgewählte Unternehmen in Europa über diese Kennzahlen in ihren Geschäftsberichten berichten.“

Promotion FOM Absolvent Murcia
Dr. Nils Eikelmann hat es geschafft (Foto: FOM)

Sein Ergebnis: „Vor allem deutsche Unternehmen informieren über wertorientierte Kennzahlen. Trotzdem besteht insgesamt noch Verbesserungsbedarf bei den von Unternehmen gegebenen Informationen. Darüber hinaus war eine sogenannte Wertrelevanz-Analyse Teil meiner empirischen Untersuchung: Ich habe die statistische Aussagekraft einer wertorientierten Kennzahl mit ausgewählten traditionellen Kennzahlen verglichen. Insgesamt deutet die Untersuchung darauf hin, dass die wertorientierte Kennzahl eine leicht höhere Aussagekraft als die traditionellen Kennzahlen hat.“

Für Nils Eikelmann war Konstanz der Schlüssel zum Erfolg: „Wochentags schrieb ich jeden Morgen von fünf bis sieben Uhr an meiner Promotion. Zu der Zeit bin ich geistig am fittesten. Hinzu kamen viele Stunden Literaturrecherche abends und am Wochenende. Vor allem in den vergangenen zwei Sommern verbrachte ich die meiste Zeit hinter heruntergelassenen Jalousien am Schreibtisch.“

Das Tribunal in Murcia

28.02.2019 | Essen

Nach der Abgabe seiner Promotion und der Prüfung durch zwei Gutachter folgte das Tribunal in Murcia: „Drei Professoren aus Spanien, Deutschland und Irland saßen mir gegenüber, als ich meine Ergebnisse und die empirische Vorgehensweise vorstellte und wir sie diskutierten. Die Dozenten waren kritisch aber fair und so lautete der Beschluss am Ende: Glückwunsch, bestanden.

Beim anschließenden Kurzurlaub am spanischen Mittelmeer hieß es für Dr. Nils Eikelmann dann tatsächlich: Palmenwedel wehen im warmen Wind…