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01.10.2010 | Berlin

Aktuelles

III. Wirtschaftspolitischer Salon: Tipps für eine funktionierende Work-Life-Balance

Steigende Leistungsanforderungen, unsichere Arbeitsplätze, ständige Erreichbarkeit – für viele Arbeitnehmer ist Work-Life-Balance eine Utopie. Die Folge: Die Zahl psychischer Erkrankungen nimmt zu. Wie sich das Gleichgewicht zwischen Berufsalltag und Privatleben wiederherstellen lässt, verriet Carsten Alex Ende September 2010 in Berlin. Der Berater und Coach – auch bekannt als „der Auszeiter“ – war zu Gast beim III. Wirtschaftspolitischen Salon der FOM. Sein Thema: „Work-Life-Balance: Wunsch und Wirklichkeit im 21. Jahrhundert“.

 

Die Frage, wie sich arbeitsbedingte gesundheitliche Belastungen besser bewältigen lassen, werde in vielen Unternehmen verstärkt diskutiert, hob Alex zu Beginn seines Vortrages hervor. „Nicht, weil dort plötzlich Gutmenschen sitzen, sondern weil es endlich als Notwendigkeit angesehen wird - nicht zuletzt deshalb, weil immer mehr Leistungsträger wegbrechen.“ Ein weiterer Grund für das steigende Interesse: der demografische Wandel bzw. der drohende Fachkräftemangel. Wer als Arbeitgeber im Wettbewerb um Fachkräfte erfolgreich sein will, muss attraktive Bedingungen für Beschäftigte schaffen, so der Berater. Gerade die junge Generation habe aber ein anderes Wertesystem. Um sie zu gewinnen, müssten Unternehmen neue Anreize schaffen und zum Beispiel Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie einführen.

 

Hier sieht Alex vor allem die Führungskräfte in der Pflicht. Sie üben einen großen Einfluss auf die Gesundheit ihrer Mitarbeiter aus, zeigte er sich überzeugt: „20 Prozent mehr Zuwendung bedeuten 10 Prozent weniger Burn-out.“ Ein entsprechender Führungsstil wäre zwar zunächst mit neuen Ausgaben verbunden, würde aber die Motivation und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter stärken und sie langfristig an das Unternehmen binden. „Für jeden Euro, den ich investiere, kriege ich drei oder vier Euro zurück“, brachte Alex die Vorteile eines betrieblichen Gesundheitsmanagements auf den Punkt.

 

Neben den Unternehmen sind aber auch die Mitarbeiter selbst für ihre Work-Life-Balance verantwortlich und müssen die Initiative ergreifen, betonte der Coach. Schließlich sei das Gleichgewicht zwischen Beruf und Privatleben nicht der Normalzustand. Carsten Alex versinnbildlichte das am Beispiel des Einrades: „Um die Balance zu halten, muss auch gestrampelt werden.“ Oft würden auch schon kleine Maßnahmen große Wirkung zeigen: Viele Menschen würden sich Auszeiten wünschen, diese jedoch auf Weltreisen oder Ähnliches reduzieren. Dabei sei eine Auszeit nicht unweigerlich mit Strand und Sonne verbunden. Sie bedeute vielmehr, sich bewusst Zeit zu nehmen und in dieser Zeit neue Impulse wahrzunehmen. „Wir können täglich kleine Auszeiten nehmen und zum Beispiel die Mittagspause außerhalb der Unternehmenskantine verbringen“, lautete einer von Alex‘ Tipps.