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Start-up-Gründerin Anna Lena lebt „vetox“

FOM Absolventin entwickelt App für eigene Ernährungsform

Grüne Pommes, schwarzer Granatapfel-Pistazien-Reis, Kichererbsen-Cookies oder ein Omelette Deluxe: FOM Absolventin Anna Lena Reinelt war eigentlich leidenschaftliche Fleischesserin – bis sie ein Selbstexperiment startete und sich 14 Tage lang pflanzlich ernährte. Doch ist dieser Versuch zu einem „Langzeitexperiment“ geworden und hat sogar zu einem neuen Job geführt: „Gesunde Ernährung ist kompliziert! Man muss viel beachten – und neben Studium und Beruf nimmt gesunde Ernährung einfach zu viel Zeit in Anspruch! Es brauchte also etwas, das mir den Aufwand abnimmt.“ Und so entstand die App „VETOX“ – mit der Anna Lena und ihre Kollegin und Freundin Marie-Sophie Jesko eine App und eine neue Ernährungsform auf den Markt gebracht haben, die es jedem ermöglichen soll, sich gesund, bewusst und gut zu ernähren.

14.07.2021 | Bonn

Anna Lena, erzähl doch mal von der Geburtsstunde von eurer App – wie kamst du auf die Idee von „VETOX“?

Ich besuchte gemeinsam mit Marie-Sophie eine Konferenz in London rund um den Einfluss von (pflanzlicher) Ernährung auf die Gesundheit. Es war einfach so beeindruckend und augenöffnend. Ab diesem Zeitpunkt konnte ich meine Augen und Ohren nicht mehr vor der Wissenschaft verschließen. Ich hatte ohnehin schon lange das Problem, dass ich meinen hektischen Alltag mit Beruf und Studium einfach nicht mit meiner Leidenschaft für gutes, gesundes Essen und kreative Küchenschlachten unter einen Hut bekam. Wie sich durch Gespräche mit meinem Umfeld zeigte, war ich mit dem Problem nicht allein. Also nahm ich mir vor, hier etwas zu verändern. Ich schrieb parallel zu meinem Master-Studium in „Wirtschaftspsychologie“ an der FOM in Bonn meine Idee für ein Ernährungsportal in einem Konzept nieder. Das war die Geburtsstunde von VETOX!

Sehr cool! Auf deinem Instagram-Account hab ich neben einigen Foodpics auch schon dein Foto mit dem „Congratulations“ Ballon gesehen und dem Text „Master of Desaster – die für mich wohl bisher herausforderndsten 2,5 Jahre liegen (endlich) hinter mir – und es macht mich einfach nur wahnsinnig stolz!“ Dann erzähl doch mal: Wie hast du das berufsbegleitende Studium in Kombination mit der App-Entwicklung gemeistert? 

Manchmal bin ich einfach selbst überrascht, dass das alles so funktioniert hat! Das Studium erforderte sehr viel Zeitmanagement: Meine Tage waren von 8 Uhr morgens bis 9 Uhr abends durchgehend vollgepackt. Dann musste ich mich am Wochenende auch noch aufraffen und für Klausuren und Hausarbeiten lernen und arbeiten. Hinzu kam die Entwicklung von VETOX. Das war zwar super anstrengend, ich konnte aber auch sehr von der Wechselwirkung profitieren. Insbesondere die Marktforschung und die quantitativen und qualitativen Forschungsmethoden aus den Vorlesungen waren wirklich goldwert. Wir haben im Konzeptionsprozess viel Marktforschung betrieben – die Ergebnisse flossen auch in meine Master-Thesis „Der Einfluss von Gamification-Elementen auf das User Engagement in Ernährungs-Apps“ ein, bei der ich VETOX als Forschungsobjekt genutzt und direkte Erkenntnisse gesammelt habe. Auch die Markt- und Werbepsychologie spielte bereits im Studium wie jetzt auch im Job eine große Rolle. Wie ticken Menschen? Welche Hebel müssen wir finden, damit Ernährung endlich positiv assoziiert wird, wie beispielsweise mit Gamification oder kleinen Belohnungsmechanismen. Das berufsbegleitende Studium hat mich einfach sehr gut auf meinen jetzigen Alltag vorbereitet! Priorisierung, Soft Skills, Organisation – ich komme heute gut mit einem hohen Workload klar.

Respekt! Und deine ehemaligen Kommilitonen – wussten sie von deinem Plan, hast du auch in den Vorlesungen mal von deiner Idee gesprochen?

Ja, den Prozess haben sie mitbekommen. Meine Geschäftspartnerin Marie-Sophie und ich sind zunächst mit einem Kochbuch gestartet, das sich einige meiner Kommilitonen direkt gesichert haben. Eine Kommilitonin hat mir außerdem als Probandin gedient – hat sich beispielsweise meine Click Dummies angeguckt oder Usability-Tests für die App gemacht. Meine Professorin, Frau Ahrens, betreute außerdem meine Master-Thesis und war ebenfalls stark involviert, was die Usability-Tests anbelangte. Sie half mir bei der Konzeption, wenn ich mal Denkblockaden hatte oder bei der Entwicklung der richtigen Herangehensweise während Corona-Zeiten, als es noch schwieriger wurde, persönliche Tests durchzuführen.

Behind the scenes: Die beiden im Verlag angestellten Gründerinnen kochen, vermarkten, entwickeln Content und veranstalten regelmäßige Live-Cooking-Workshops (Foto: VETOX)

Dann erzähl doch mal, was eure App kann. Was unterscheidet sie von anderen Ernährungsapps?

Wir wollen mit unserer App Menschen dabei unterstützen, eine gesunde, nachhaltige, pflanzliche Ernährung im Alltag zu leben. Hierfür haben wir Studien gewälzt, mit Ernährungsberatern, Foodbloggern und -Expertinnen gesprochen, um das Wissen aus den Bereichen Ernährung, Gesundheit und Nachhaltigkeit Jedem zugänglich zu machen. VETOX passt Ernährungspläne auf die individuellen Bedürfnisse an, bietet intelligente Einkaufslisten, Features für einen sicheren Kochprozess sowie zahlreiche Nährstoffbooster-Rezepte an und schenkt damit ein wertvolles Stück Sorglosigkeit. Grundlegend besteht VETOX also aus zwei Säulen: Zum einen aus der besonderen Ernährungsform der „5+2 Formel“ – also fünf Tage vegetarisch ernähren und den Nährstoffdepot decken und zwei vegane Tage zum Entgiften und Freimachen von schädlichen Stoffen wie tierischem Eiweiß. Und zum anderen aus Funktionen, die uns selbst helfen würden: Ernährungspläne, Einkaufslisten, Nährstoffbooster-Rezepte und vieles mehr.

Und woher habt ihr das Know-how eine eigene App zu entwickeln? Das ist doch ein riesiger Aufwand und erfordert sehr viel Expertise. Auf Instagram habt ihr innerhalb von nur einem Jahr über 6000 Follower gewonnen, seid auf Pinterest und YouTube aktiv, wart unter anderem schon bei Women´s Health zu Gast und habt euch schon einen richtigen Namen gemacht.

Ja, das stimmt. Ich startete nach meinem Abitur, einem BWL-Studium und einem halben Jahr in Singapur ein Traineeship im Produktmanagement & Marketing im VNR Verlag für die deutsche Wirtschaft. Kurze Zeit später meldete ich mich dann für das berufsbegleitende Master-Studium an der FOM an, hatte das Bedürfnis, mich weiterzubilden, wollte aber nicht aufhören, zu arbeiten. Daher fing ich neben meinem Studium und meinem Job als Junior Produktmanagerin an, den Businessplan zu VETOX zu schreiben – für meinen Verlag. Ich pitchte meine Idee, stellte mein Konzept in mehreren Runden im Verlag vor. Ende 2019 erhielt ich dann das Go. Seitdem arbeiten Marie-Sophie und ich mit voller Leidenschaft an der Umsetzung von VETOX und können dabei das Know-how des Verlags anzapfen, haben sehr viele kluge Kolleginnen und Kollegen, von deren Erfahrungen wir profitieren.

Anna Lena und Marie-Sophie wollen mit ihrer eigenen App gesunde Ernährung für jeden möglich machen (Foto: VETOX)
Anna Lena studierte berufsbegleitend "Wirtschaftspsychologie" an der FOM Hochschule in Bonn (Foto: VETOX)

Und was sind dann konkret eure Aufgaben?

Die sind sehr bunt gemischt! Zum einen sind wir das Gesicht des Produktes. Wir sind nach außen aktiv und kümmern uns um die komplette strategische Ausrichtung – also die Entwicklung des Contents, Marketing und Planen von Features. Wir sind laufend dabei, unsere App weiterzuentwickeln. Außerdem bekommen wir sehr viele Kundenanfragen, betreiben das Community-Management und die Vermarktung. Außerdem findet alle zwei Monate ein Live-Cooking-Workshop statt – beim letzten Mal waren über 1200 Menschen dabei! Hier stehen wir live in meiner Küche und drehen mit zwei Kameras. Gemeinsam mit mehreren Foodbloggern und einer Ernährungsberaterin erstellen wir unsere Rezepte und Artikel. Es fühlt sich an wie ein Start-Up und es ist einfach mein „Baby“ – nur eben aus einem sicheren Umfeld.

Also ein Start-Up ohne finanzielles Risiko – klingt wirklich spannend! Kochst du denn in deiner Freizeit immer noch gerne oder bedeutet Essen und Kochen mittlerweile „Arbeit“? Und: Wer darf eigentlich Probeessen?

Da muss ich jetzt eine klischeehafte Antwort geben. Wenn man etwas macht, wofür man brennt, dann ist es keine Arbeit mehr! Die ganze Idee ist aus meinem Leidensdruck und Antrieb entstanden – dadurch lebe ich das Produkt! Wenn ich mir etwas koche, mach ich schnell nochmal eine Instagram-Story dazu, das empfinde ich dann nicht als arbeiten. Und probieren dürfen mein Freund und der Mann von Marie – wir kochen immer bei uns oder bei ihnen. In meinem Job gibt es also sehr viel gutes Essen. Mein Freund ist allerdings leidenschaftlicher Fleischesser – das ist herausfordernd, aber auch interessant. Er öffnet sich langsam, hat sich ja schließlich das letzte Jahr fast VETOX ernährt – und ist happy damit.

Welchen Tipp möchtest du anderen Studierenden und Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben?

Wenn du eine Idee hast, und die interessiert dich heute, dann schlaf eine Nacht drüber. Und wenn du morgen immer noch recherchieren willst und begeistert bist, dann ist es die richtige Idee! Man muss für ein Thema brennen. Niemand kann etwas gründen, nur weil der Markt da ist. Es bringt so viele Herausforderungen und Arbeit mit sich – man muss sich gerne jeden Tag mit dem Thema beschäftigen wollen. Auch bei mir ist die Endstation noch nicht erreicht. Nach dem Master dachte ich: Jetzt ist erstmal Schluss. Doch tatsächlich fange ich gerade eine Ausbildung zur vegan/vegetarischen Ernährungsberaterin an. Und auch letztens während eines Spaziergangs dachte ich noch: Es gäbe auch ein spannendes Thema für eine Promotion. Ich bin jedenfalls offen und freu mich auf das, was noch kommt!

Liebe Anna Lena, vielen herzlichen Dank für das Interview. Euch weiterhin ganz viel Erfolg – bei eurer nächsten Kochsession schalten wir uns auch mal dazu!

Für Informationen zum berufsbegleitenden Studium können Interessierte die regelmäßig stattfindenden Info-Veranstaltungen der FOM besuchen.

Die Teilnahme ist kostenfrei und unverbindlich.

Geschafft! Anna Lena hat ihren Master-Abschluss in der Tasche (Foto: Privat)