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  • Von FOM Kommilitonen zu Geschäftspartnern: Interview mit zwei jungen Gründern

Interview mit zwei Freunden und jungen Gründern

Von FOM Kommilitonen zu Geschäftspartnern

Angefangen hat alles im Hörsaal der FOM, als aus einem fiktiven Businessplan plötzlich Realität wurde. Christoph Griethe und Julian Dirks absolvierten gemeinsam den Master in „Business Administration“ an der FOM in Hannover. Mittlerweile sind die beiden nicht nur Freunde, sondern Unternehmenspartner. Zusammen gründeten sie die Lifestylemarke „PiNAO“, haben ihre Sport- und Spiel-Produkte mittlerweile in über 450 Geschäften in Deutschland, Italien und Österreich verteilt. Sie präsentierten ihr eigenes Sortiment schon auf der größten Spielwarenmesse der Welt, waren in Asien unter eigener Flagge unterwegs – doch dann kam Corona und stellte alles auf den Prüfstand.

08.02.2021 | Hannover

So ihr beiden, dann erzählt erstmal. Wie habt ihr euch an der FOM kennengelernt?

Julian: Unser Studiengang bestand aus einer kleinen Gruppe, sodass immer viel Platz für Dialoge war. Dabei sind wir allesamt zu einem guten Team geworden, dass sich gegenseitig unterstützt und auch rechtzeitig auf drohende Abgabetermine hingewiesen hat. Bei Chris und mir hat sich relativ schnell auch ein freundschaftliches Verhältnis ergeben, sodass wir nicht nur erfolgreiche Arbeitsgruppen gebildet haben, sondern auch vom Studium entlastende Wakeboard-Ausflüge.

Chris: Ja, wir haben viele Diskussionen geführt und auch mal das ein oder andere Bier nach der Vorlesung genossen. Im Prinzip haben wir einfach das gleiche Ziel verfolgt und den ganzen Stress freiwillig ertragen.

Warum habt ihr euch denn für das berufsbegleitende Studium an der FOM entschieden?

Julian: Wir haben vorher beide dual studiert. Ich für meinen Teil wollte im Rahmen meines Masters noch einen generalistischen Abschluss oben draufsatteln, um nicht auf eine Branche – in meinem Fall die Finanzbranche – festgelegt zu sein. Gleichzeitig war es mir wichtig, mit Kommilitonen aus anderen Bereichen zusammen zu studieren, um auch mal neue Betrachtungswinkel kennenzulernen. 

Chris: Ich habe mich immer vor stupidem Auswendiglernen für Klausuren gescheut. An der FOM besteht ein Teil der Prüfungsleistungen allerdings auch aus Hausarbeiten. Hier kann man sich Themen selbst erarbeiten und tief eintauchen – das ist mir persönlich sehr wichtig gewesen.

Student und Gründer Chris testet das eigene Produkt in der Soccerhalle (Foto: Privat)

Und wie kamt ihr auf die Idee, gemeinsam ein Start-Up zu gründen?

Chris: Wir haben gemeinsam an einer Hausarbeit, bzw. an einem Businessplan geschrieben und unser fiktives Team zusammengestellt. Dabei haben wir gemerkt, dass wir nicht nur gut zusammenpassen, sondern dass eine Zusammenarbeit wirklich Sinn macht. Letzten Endes habe ich Julian gefragt, ob er Lust auf viel Stress und Arbeit hat…

Julian: …und das hatte ich. Wir ergänzen uns einfach gut. Die Idee kam von Chris, da er ja auch schon vorher als Import Manager bei idee+spiel arbeitete und sich in diesem Freizeit- und Spiel-Bereich gut auskannte. Ich bringe meine Skills als Organisator mit reichlich Financial Background mit ein und das Rüstzeug haben wir uns gemeinsam insbesondere auch im Modul Entrepreneurship angeeignet und dort auch unseren Business Case von „PiNAO“ auf Herz und Nieren prüfen lassen.

Und der war offensichtlich gut durchdacht. Warum habt ihr euch denn für den Familien- und Trendsport entschieden? Seid ihr selbst sportlich sehr aktiv? Ihr habt ja gerade schon vom Wakeboarden gesprochen…

Julian: Definitiv. Wir sind sportbegeisterte Typen, die ständig auf der Suche nach neuen sportlichen Herausforderungen sind. Skateboard, Fußball, Indiaca und Badminton sind deshalb nicht einfach nur Produkte für uns, sondern auch absolute Herzensangelegenheiten. Natürlich werden wir auch älter und Zeit ist ein knappes Gut, das hat sich auch nach Beendigung des berufsbegleitenden Studiums kaum geändert. Aber dennoch versuchen wir auch immer die PiNAO Produktwelt im Echteinsatz ordentlich zu prüfen.

Chris: Außerdem kannte ich durch meine vorherige Tätigkeit schon alle Lieferanten, wusste welche Produkte nachgefragt werden und zu welchen Preisen man handelt.

Wie läuft ansonsten die Aufgabenaufteilung bei euch?

Julian: Ich bin weiterhin noch bei meiner damaligen Ausbildungsstätte der Volksbank tätig und kümmere mich deshalb nur halbtags um PiNAO. Aber da wir so ein kleines Team mit unglaublich schlanken Prozessen sind, schaffen wir es, uns Aufgaben unkompliziert zuzuwerfen. Grundsätzlich kümmere ich mich um den Bereich eCommerce bzw. das B2C Geschäft und damit unsere Auftritte bei Amazon und Co.

Chris: Ja, und gerade seit Corona und den Schließungen der stationären Geschäfte, hat uns das vor dem Bankrott gerettet. Mittlerweile läuft unser Geschäft wieder, aber zunächst war es natürlich auch für uns eine große Umstellung. Ich kümmere mich um die Buchhaltung, den Einkauf, Kundenbetreuung, Kontakt halten zu Partnern, weitere Automatisierungen bei unseren Systemen etc.

Die beiden Gründer in ihrem eigenen Showroom (Foto: Privat)

Wie habt ihr all das denn noch neben dem berufsbegleitenden Studium geschafft?

Chris: Keine Ahnung! Es war eine verflucht harte Zeit, aber es hat sich sowas von gelohnt.

In der Tat! Auf eurer Homepage steht, ihr wollt beweisen, wie schön es an der frischen Luft sein kann. Steckt da was Gesellschaftskritisches hinter?

Julian: Die Digitalisierung hat unheimlich viele Vorteile und PiNAO wäre ohne den hohen Grad der Automatisierung durch technische Schnittstellen gar nicht möglich. Worum es uns aber geht, ist, dass man sich in den heutigen sozialen Netzwerken auch völlig verlieren kann und man vom ganzen Buhlen um Likes nicht dazu kommt, die echte Welt zu entdecken, Freunde im „Reallife“ zu treffen und dieses Lebensgefühl zu verspüren, das man hat, wenn man mit einem Fußball auf dem Bolzplatz den perfekten Schuss in den Winkel knallt oder mit dem Skateboard in den Sonnenuntergang rollt. Wir wollen die Gesellschaft gerne weiter bewegen – aber natürlich nichts verbieten oder schlechtreden.

Habt ihr weitere Pläne bzw. Träume?

Chris: Unser Ziel ist es, PiNAO weiter zu etablieren. Wir wollen unser Sortiment von aktuell rund 60 Artikeln auf knapp 200 ausbauen und in andere Länder expandieren.

Julian: Ja, wir wollen unsere Produkte nicht nur in Europa, sondern vor allem auch an unseren Traumorten USA und Australien anbieten. Im Grunde gehört PiNAO ja auch in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, schließlich steht PiNAO auf Hawaiianisch für unser Wappentier: die Libelle.

Chris:Der nächste Betriebsausflug geht auf jeden Fall zu den Wurzeln unserer Brand.

Eine letzte Frage noch: Was würdet ihr anderen jungen Studierenden, Berufstätigen und Gründern mit auf den Weg geben?

Chris: Probiert Dinge aus, traut euch und bleibt am Ball! Vor dem Studienstart hab ich mein damaliges Leben hingeschmissen – Job in der Firma meines Vaters gekündigt, Wohnung untervermietet und alles was nicht hieb- und stichfest war verkauft. Rucksack auf und erstmal für 13 Monate durch die Welt getingelt. Währenddessen hab ich gemerkt, dass ein geregeltes Leben doch seine Vorzüge hat. Ich bereue keine dieser Entscheidungen – bin einfach glücklich darüber, wie es gelaufen ist und wo ich heute steh. Manchmal braucht man einfach einen kleinen Motivationsschub – aber im Endeffekt lohnt es sich immer, neue Dinge zu probieren, sich weiterzubilden und die eigene Karriere voranzutreiben.

Julian: Kann ich so unterschreiben. Das Studium zahlt sich einfach aus und wir haben enorm viel gelernt, dass uns persönlich und beruflich weiterbringt. Traut euch!

Vielen Dank euch Zweien und weiterhin viel Erfolg! Vielleicht trifft man sich ja mal auf dem Skateboard im Sonnenuntergang in Honolulu… 

Julian kurz vor der Vorstellung von PiNAO in der FOM Vorlesung (Foto: Privat)