• FOM
  • 2020
  • Mai
  • Prof. Dr. Hildegard Gahlen über die virtuelle Lehre: „Man wächst mit seinen Herausforderungen!“

Prof. Dr. Hildegard Gahlen über die virtuelle Lehre

„Man wächst mit seinen Herausforderungen!“

Sie ist die dienstälteste Professorin der FOM Hochschule: Prof. Dr. Hildegard Gahlen, Expertin für Wirtschaftsprivat- und Arbeitsrecht, lehrt bereits seit über zwanzig Jahren am Essener FOM Hochschulzentrum. Die Umstellung auf die virtuelle Lehre war für sie zunächst eine Herausforderung – mittlerweile hält sie routiniert mehrere Online-Vorlesungen pro Woche. Im Interview erzählt sie von ihren persönlichen Erfahrungen – und wie sie diese besondere Zeit bisher gemeistert hat.

20.05.2020 | Essen

Frau Professorin Gahlen, vor rund neun Wochen hat die FOM die Präsenzvorlesungen vorübergehend durch digitale Lern- und Lehrangebote ersetzt. Haben Sie sich schnell in der neuen Situation zurechtgefunden?

Tatsächlich muss ich zugeben, dass ich nicht sonderlich technikaffin bin. Als „älteres Semester“ bin ich noch ohne PC in die Arbeitswelt gestartet. Ich bin nebenberuflich als Rechtsanwältin und Fachanwältin für Arbeitsrecht tätig und kann mich noch ganz genau an den Tag erinnern, an dem wir uns damals in der Kanzlei den ersten Rechner angeschafft haben – meine Auszubildende konnte nachts davor nicht schlafen, so nervös war sie! Das ist heutzutage natürlich alles ganz anders, die junge Generation wächst digital auf. Ich hingegen habe erst vor ein paar Wochen an meiner allerersten Videokonferenz als Gastgeberin teilgenommen. Im Zuge der Umstellung musste ich mich daher erst einmal mit den technischen Grundlagen beschäftigen: Wie logge ich mich bei Zoom ein? Welche Funktionen gibt es? Wie kann ich mit meinen Studierenden kommunizieren? Ich wurde wirklich super von meinen Kolleginnen und Kollegen, insbesondere von Herrn Prof. Muschiol und Frau Jenny Westermann unterstützt, mittlerweile klappt alles wunderbar. Ich sage immer: Man wächst mit seinen Herausforderungen!

Was genau sind die Herausforderungen in einer Online-Vorlesung?

Meine Vorlesungen sind, worüber ich mich natürlich sehr freue, sehr gut besucht. Im Durchschnitt nehmen ca. 50 und mehr % der Studierenden teil. Eine Gruppe hat es bereits auf über 100 Teilnehmer gebracht. Natürlich können die Studierenden, so wie im Hörsaal, jederzeit Fragen stellen. Wenn dann allerdings über die Chat-Funktion sehr viele Fragen auf einmal reinkommen und ich gerade präsentiere, ist es schon etwas schwierig, alles im Blick zu haben. Auch das Visualisieren von Inhalten gestaltet sich im Hörsaal einfacher. Und mir fehlt natürlich die direkte, interaktive Kommunikation mit den Studierenden. In kleineren Gruppen können sich die Teilnehmenden mit Video und Ton zuschalten, das ist in großen Vorlesungen natürlich nicht umsetzbar.

Prof. Dr. Hildegard Gahlen lehrt seit über 20 Jahren an der FOM in Essen (Foto: FOM)

Gibt es denn Ihrer Meinung nach auch Vorteile, die die virtuelle Lehre mit sich bringt?

Ein ganz großer Pluspunkt ist natürlich: Unsere Lehre kann trotz Corona weitergehen – ein großes ‚Chapeau‘ an alle Kolleginnen und Kollegen, die das Ganze überhaupt erst möglich gemacht haben! Für mich persönlich ist es von Vorteil, dass die Fahrtzeit zum Hochschulzentrum entfällt und ich die Vorlesungen einfach von meinem Büro aus halten kann. Ich frage am Ende meiner Online-Vorlesungen immer ab, ob die Teilnehmer mit der Umsetzung zufrieden waren. Das Feedback war bisher immer positiv, meistens gibt es virtuellen Applaus – das freut mich natürlich sehr. Insgesamt kann ich sagen: Es macht zwar Spaß, diese neuen Erfahrungen zu sammeln, doch ich würde niemals auf Dauer tauschen wollen! Ich freue ich mich wirklich schon sehr darauf, wieder im Hörsaal zu stehen und meine Studierenden persönlich vor Ort zu begrüßen.

Vielen Dank für das Gespräch!

(Das Interview führte Sissy Niemann)