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  • 2020
  • März
  • eHealth & Society in München: Gesundheit ist nicht verhandelbar

150 Gäste bei der 5. Transfertagung „eHealth & Society“ an der FOM in München

„Gesundheit ist nicht verhandelbar“

Was in Oper und Theater als erster, zweiter und dritter Akt bekannt ist, verglich Prof. Dr. Patrick Friederich, Chefarzt in der München Klinik Bogenhausen, mit der präoperativen, operativen und postoperativen Behandlung in Kliniken. Man müsse sich regelmäßig die Frage stellen, ob „wir das Richtige machen für den Patienten“, so der Chefarzt, denn „Gesundheit ist nicht verhandelbar“. Bei der fünften Transfertagung „eHealth & Society“ an der FOM Hochschule in München diskutierte er mit weiteren Experten aus der Gesundheitswirtschaft vor 150 Gästen das Thema Bedarfsgerechtigkeit in der medizinischen Versorgung.

02.03.2020 | München

Gemeinsam mit dem MDK Bayern, der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, der München Klinik, der BARMER und der Klinik Höhenried hatte die Münchner FOM Hochschule zu der Tagung eingeladen, bei der sich alles um die Frage drehte: Steht der Patient tatsächlich im Mittelpunkt des (bayerischen) Gesundheitssystems – oder doch eher im Weg? Ulrike Ostner vom Bayerischen Rundfunk, die sich regelmäßig journalistisch mit aktuellen Gesundheitsthemen auseinandersetzt, moderierte die Veranstaltung, auf der auch Ansätze zur Verbesserung der medizinischen Versorgung durch Digitalisierung vorgestellt wurden.

Bessere Klinik-Vernetzung nötig

Zu den Keynote-Speakern zählte Dr. med. Martin Zeuner, Hausarzt und Internist aus Ottobrunn. Für ihn sei der persönliche Kontakt zu und die Kommunikation mit den Patienten unerlässlich. Dabei spiele die Kommunikation außerhalb der Sprechstunden via E-Mail, SMS oder gar Whatsapp eine immer wichtigere Rolle, so der Hausarzt. Gleichzeitig sei der Medikamentenmangel deutlich spürbar, er müsse zunehmend Rezeptanpassungen vornehmen, was zu Vertrauensverlusten seiner Praxis gegenüber führe und in Teilen auch das Gesundheitssystem selbst in Frage stelle.

Über Bedarfsgerechtigkeit aus der Perspektive stationärer Großversorgungseinrichtungen sprach Prof. Dr. Dr. h.c. Karl-Walter Jauch, Ärztlicher Direktor des Klinikums der Universität München. Die Anzahl der Kliniken in Deutschland sei weiterhin zu hoch und die Vernetzung zwischen den Einrichtungen noch nicht ausreichend, so der Experte. Zudem gebe es keine ausreichenden Investitionen in (digitale) Infrastruktur und Personal. In München etwa sei der Verdienst in der Pflege nicht hoch genug für ein Leben in der Stadt. Sein Appell: Kliniken sollten nicht nur über den Tellerrand, sondern auch über Landesgrenzen hinweg schauen und sich an Ländern wie Dänemark oder Schweden orientieren.

"Anspruch und Wirklichkeit klaffen auseinander"

Peter Friemelt, Koordinator und Sprecher des PatientenNetzwerkBayern, zeigte am Beispiel der ambulanten und stationären Versorgung deutliche Ungerechtigkeiten bei der Versorgung aus Patientensicht auf. Es fehlten barrierefreie Zugänge zu Praxen, Hausbesuche durch Hausärzte würden verringert, obwohl Patienten unter gewissen Umständen einen gesetzlichen Anspruch darauf hätten und auch das Versorgungsgefälle zwischen Stadt und Land sei weiterhin zu hoch, so Friemelt. „Anspruch und Wirklichkeit einer bedarfsgerechten Versorgung klaffen hier weit auseinander.“

Die Perspektive der gesetzlichen Krankenkassen nahm Prof. Dr. Claudia Wöhler, Landesgeschäftsführerin der BARMER Bayern, ein. Sie wünsche sich eine größere Transparenz im Gesundheitssystem, mehr Vernetzung zwischen den Beteiligten sowie einen gezielteren und nachhaltigeren Einsatz der finanziellen Mittel. So sei das Potenzial ambulanter bzw. digital unterstützter Versorgung noch lange nicht ausgeschöpft, so die Honorarprofessorin.

BR-Moderatorin Ulrike Ostner im Dialog mit Dr. med. Martin Zeuner, Hausarzt und Internist aus Ottobrunn (Foto: FOM)
Prof. Dr. Dr. h.c. Karl-Walter Jauch, Ärztlicher Direktor des Klinikums der Universität München (Foto: FOM)
Peter Friemelt, Koordinator und Sprecher des PatientenNetzwerkBayern (Foto: FOM)