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  • 2020
  • Februar
  • Wenn die Mutter neben der Tochter im Stuttgarter Hörsaal sitzt

Silke (53) und Lisa-Marie (29) Werner: Bachelor-Duo an der FOM

Wenn die Mutter neben der Tochter im Stuttgarter Hörsaal sitzt

Am Anfang gab es so manche erstaunte Nachfrage von Professoren und Kommilitonen. Und auch drei Jahre oder sechs Semester später ziehen Silke (53) und Lisa-Marie (29) Werner noch ab und zu ungläubige Blicke auf sich. Denn Mutter und Tochter stehen kurz davor, gemeinsam den berufsbegleitenden Bachelor of Science in „Betriebswirtschaft & Wirtschaftspsychologie“ an der FOM Hochschule in Stuttgart abzulegen.

10.02.2020 | Stuttgart

Alles begann mit einem Zufall. Lisa-Marie Werner, hauptberuflich bei der kommerziellen Tochtergesellschaft einer öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt in Stuttgart tätig, hatte sich bereits intensiv mit dem Thema „berufsbegleitend studieren“ beschäftigt. An der FOM Hochschule war sie fündig geworden. Und just an dem Abend, an dem sie zur Info-Veranstaltung aufbrechen wollte, erhielt sie Besuch von ihrer Mutter. Die fand das Thema spannend – und ging einfach mit. Beide, Tochter und Mutter, waren sofort Feuer und Flamme für den Studiengang „Betriebswirtschaft & Wirtschaftspsychologie“. Logische Konsequenz: Beide schrieben sich an der FOM Hochschule in Stuttgart ein. 

Typische Frage zu Beginn des Studiums: „Kennt ihr euch?“

Besonders zu Beginn des Studiums zog das Mutter-Tochter-Gespann so manchen ungläubigen Blick auf sich. „Kennt ihr euch?“ war eine der klassischen Frage, einmal stand sogar die Option im Raum, dass hier zwei Schwestern aktiv sein könnten. „Das war natürlich ein tolles Kompliment für mich“, gibt Silke Werner zu.  

„Wir waren schon immer mehr als nur Mutter und Tochter“

In diesen Tagen machen die Werners ihren Bachelor of Science. Natürlich gemeinsam. Und: Stand heute mit der nahezu identischen Abschlussnote. „Wir waren schon immer mehr als nur Mutter und Tochter, wir waren schon immer beste Freundinnen“, beschreibt Mutter Silke die Situation. Ungewöhnlich genug, dass Tochter Lisa-Marie das genauso sieht: „Ich habe keinen Tag in den drei Jahren bereut. Wir haben uns toll ergänzt und gegenseitig unterstützt. Wir haben nicht einzeln an der Hochschule studiert, sondern als Team“.  

„Meine Tochter hat mir den Weg geebnet“

Dabei war Tochter Lisa-Marie eindeutig diejenige, die voran ging. „Meine Tochter hat mir den Weg geebnet“, räumt Mutter Silke freimütig ein. Denn für Lisa-Marie war es absolut klar, dass es ein berufsbegleitendes Studium an der FOM sein sollte. Silke Werner: „Alleine wäre ich nicht diesen Weg gegangen. Nicht wegen des Alters oder weil ich es mir nicht zugetraut hätte. Sondern wegen ganz allgemeinen Dingen – wie finde ich mich heutzutage an einer Hochschule zurecht, kann ich überhaupt mit neuen Medien, mit Apps umgehen, und anderen sehr praktischen Fragen“.

„Ich habe es noch drauf“

„Die Reaktion meines Vaters auf unseren Entschluss zeigt auch, dass wir eine coole Familie sind“, erzählt Lisa-Marie Werner. Denn Papa Thomas Werner reagierte weder überrascht noch entsetzt auf die neue, die „doppelte“ Situation.

Mutter Tochter gemeinsam studieren FOM
Noch ein paar Vorbereitungen bevor das Seminat losgeht: Lisa-Marie (rechts) und Silke Werner im FOM Hochschulzentrum in Stuttgart (Foto: FOM/Mierendorf)

Sondern bot seiner Frau einen ganz besonderen Anreiz. Silke Werner: „Mein Mann sagte, er übernimmt sämtliche Kosten meines Studiums – wenn ich besser abschneide als unsere Tochter“. Dabei war diese zusätzliche Motivation eigentlich gar nicht nötig. Silke Werner arbeitet erfolgreich als Teamleiterin bei einem mittelständischen Handelsunternehmen in Ludwigsburg. Aus- und Weiterbildung war für sie schon immer ein Thema. „Ich hatte die Ausbilder-Prüfung mit 99 von 100 Punkten geschafft. Da wusste ich – ich habe es noch drauf. Und ich wollte mehr“, so Mutter Silke Werner. Das Studium meisterten Mutter und Tochter dann quasi im Gleichschritt. „Es hätte gerne viel mehr Psychologie und weniger Betriebswirtschaft und vor allem Mathematik sein können“, räumt Lisa-Marie Werner schmunzelnd ein, „aber da mussten wir eben durch, das ist ja der Sinn des Studienganges“. 

„Man ist nie zu alt, um noch etwas Neues zu beginnen“

Nach drei Jahren an der FOM und kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Science sind sich Mutter und Tochter einig: „Wir haben alles richtig gemacht“. Ob es nun auch gemeinsam weitergeht, ist wahrscheinlich – aber letztlich noch nicht ganz klar. Lisa-Marie Werner: „Ich mache direkt mit einem Master-Studium weiter. Meine Mutter ist noch nicht 100-prozentig sicher, ob sie mitmachen soll. Aber ich gehe davon aus, dass sie mitzieht“. Von Mutter Silke kommt kein Widerspruch. Klar, wenn man zeitweise für die Schwester seiner Tochter gehalten wird und für sich selbst feststellen kann: „Man ist nie zu alt, um noch etwas Neues zu beginnen“.