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„Ein Weltmeister wird auch nicht über Nacht geboren“

Studium und Selbstständigkeit – ohne Abitur – mit Kind

„Als Schülerin hatte ich eine Klassenlehrerin, die 7-fache Weltmeisterin der Amateure im Standard-Tanzen war. Da war für mich klar: Ich muss in die Tanz-AG! Obwohl meine Lehrerin Weltmeisterin war, hat sie uns Kinder nie auf Höchstleistungen gedrillt. Vielmehr brachte sie uns über das Tanzen bei, unsere Persönlichkeit wachsen zu lassen, mental stark zu sein und uns auf uns selbst zu besinnen.“

27.04.2020 | Düsseldorf

Von ihren Erfahrungen aus der Kindheit profitiert Miriam Badorrek noch heute und auch in ihrem beruflichen Lebensweg waren die Erkenntnisse aus dem Tanzunterricht wichtig. „Mein Ziel, den eigenen Erfolg, habe ich nie in Frage gestellt.“ Sie übte einfach, bis sie es konnte und setzte sich so anfangs beim Tanzsport und später auch im Job durch. „Eigentlich habe ich schon im Tanzunterricht und auch beim Tanzen als Leistungssport gelernt, dass es für Erfolg wichtig ist, neben der gezielten Anstrengung auch gezielte Pausen einzulegen, in Balance zu sein. Nur so hat man die nötige Energie, um manchmal fast Unmögliches, möglich zu machen.“ Gerade hat die junge Mutter ein berufsbegleitendes Studium an der FOM in Düsseldorf erfolgreich beendet.

Nach ihrer Schulzeit und einer Ausbildung zur Bankkauffrau musste Miriam die Tanzschuhe wegen einer Fußverletzung an den Nagel hängen. Bei ihrem neuen Arbeitgeber, einem großen Unternehmen, kam sie erstmals mit einem Coach in Kontakt, der sie in allem unterstützte. Über das Feedback des Coaches bekam sie die Möglichkeit, sich schnell dorthin zu entwickeln wo sie hinwollte. „Diese Art von Arbeit mit Menschen, kannte ich bisher ja nur aus dem Leistungssport. Das dies auch im Wirtschaftskontext möglich war, hatte ich bis dahin nicht auf dem Schirm.“ Schnell stand für sie fest: Wenn schon nicht auf dem Parkett, dann Menschen auf dem Weg zu Ihrem Erfolg im Business unterstützen!

Vom Parkett in die Wirtschaft

Miriam begann eine Ausbildung als Coach und unterstützte Mitarbeiter und Führungskräfte im Vertrieb und im erfolgreichen Bewältigen von Veränderungsprozessen. „Schnell stellte ich auch dort fest, dass der eigentliche Erfolg, genau wie im Leistungssport, eher mit dem Mentalen zu tun hat, mit der eigenen Denkweise über andere und sich selbst.“ Die Düsseldorferin entwickelte die Vision, sich irgendwann selbständig zu machen. Das war auch ihre Motivation, die eigene Ausbildung auch privat weiter voran zu treiben und zusätzlich zum Beruf noch eine Trainerausbildung zu absolvieren. Während dieser vierjährigen Ausbildung wuchs schließlich in ihr der Wunsch, noch ein Studium dranzuhängen. „Das Erlernen neuer Dinge machte mir einfach zu viel Spaß.“

Studieren ohne Abitur

Miriam besuchte zwar das Gymnasium, allerdings ging sie ab ihrem 14. Lebensjahr drei bis vier Mal die Woche kellnern, um sich ihren Tanzsport eigenständig finanzieren zu können – denn Trainingsschuhe, Turnierschuhe, Trainingskleidung, Turnierkosten, Privattrainerstunden kosteten eine ganze Menge. Dazu kamen zwei Mal die Woche Training in der Schule und drei bis vier Mal Training im Tanzverein. „Ich ging zur Gruppenstunde, hatte freies Training, privates Training und Turniervorbereitungen. An den Wochenenden folgten dann noch die Turniere.“ Um Hobby, Weiterbildung und Geld in Einklang zu bringen, entschloss sie sich damals, die Schule zu beenden und eine Ausbildung zu starten. Und diese damalige Entscheidung hat sie nie bereut. Denn: Die FOM bot der 35-Jährigen die Möglichkeit, aufgrund ihrer vorherigen Berufsausbildung auch ohne Abitur zu studieren. Das berufsbegleitende Studium ließ sich durch die flexiblen Studienzeiten – unter der Woche oder am Wochenende – optimal mit ihrem Vollzeitberuf vereinbaren. „Dazu kam, dass es mir wichtig war, ein Studium zu absolvieren, in dem Wissen praxisnah vermittelt wird. Denn für mich ist es oberste Priorität, aus dem was ich lerne, auch konkrete Ergebnisse zu erzielen“. Sie entschied sich für den Bachelor-Studiengang „Betriebswirtschaft und Wirtschaftspsychologie“. „Besonders die Bereiche der Arbeits- & Organisationspsychologie, Psychologie und Biopsychologie oder das Verständnis über die Diagnostik (Differentielle Psychologie) bereichern heute meine Arbeit als Coach.“ Aber auch die Erfahrungen des eigentlichen Studierens, das Schreiben von Klausuren, das Bestehen von Prüfungen – all das seien Erfahrungen, die sie heute nutzen könne.

Miriam Badorrek mit ihrer Tochter und ihrem Ehemann an der Absolventenfeier in Düsseldorf (Foto: FOM/Tom Schulte)

Studieren mit Kind

Noch während des Studiums kam ihre Tochter zur Welt. „Auch wenn mein normaler Job erst mal ruhte, war meine Zeit durch meine Tochter eher fremdgesteuert. So lernte ich in der Nacht, um mich am Tag um meine Tochter zu kümmern, da mein Mann auch voll berufstätig war.“ Manchmal nützte Miriam in dieser Zeit auch die Haltung, dass nur ein Absatz oder ein gelerntes Kapitel als Endergebnis des Tages ein Erfolg sein kann. „Es war wie beim Tanzen – mit jedem tun, mit jedem Schritt, kommt man dem Ziel näher. Ein Weltmeister wird auch nicht über Nacht geboren.“ Sie wechselte in ein anderes Zeitmodell, sodass ihr Mann auf die Kleine aufpassen konnte, wenn sie die Vorlesung besuchte. „Das war auch eine qualitativ hochwertige Zeit nur für Tochter und Papa. Am Ende schafft man solche Ziele als Familie nur im Team!“

„Mit-Erfolg-Beginnen“

Neben dem Muttersein und dem Studium machte Miriam sich schließlich selbständig. Sie gründete „Mit-Erfolg-Beginnen.de“, ein Unternehmen für Beratung, Coaching und Trainings für Privatpersonen und Unternehmen, mit dem Ziel den definierten Erfolg wahr werden zu lassen. Zusätzlich bewarb sie sich im vergangenen Jahr bei der FOM in Köln als Dozentin. Das Fach der psychologischen Gesprächskompetenz deckte sich mit den Inhalten ihrer Ausbildungen und Praxiserfahrungen als Coach und Trainer. Gleichzeitig eröffnete sich ihr damit ein Weg, wieder neue Erfahrungen zu sammeln und ebenso viel Wissen und Praxiserfahrung an die Studierenden weiterzugeben. „Aufgrund der Corona-Krise findet die Lehre an der FOM ja momentan ausschließlich online statt. Und ich muss sagen: Es macht wirklich Spaß! Es bedarf nur mehr Zeit in Vor- und Nachbereitung, dafür habe ich andere Dinge runtergefahren und befasse mich schon jetzt mit meinen Zielen für 2021“, erklärt die Dozentin. Derzeit spielt sie sogar mit dem Gedanken, zukünftig eine eigene Seminarreihe ins Leben zu rufen und irgendwann mal auf einer großen Bühne als Speaker viele Menschen auf einmal zu inspirieren und ihnen Mut zu machen, sich auf ihren Weg des Erfolgs zu begeben. „Aus meiner Sicht ist es gerade jetzt elementar, mental stark zu sein und der Angst keinen Platz zu gewähren. Innere Stabilität und rationale Flexibilität sind das Fundament um Krisen erfolgreich zu bewältigen. Das ist auch das, was ich meinen Kunden mit an die Hand gebe.“