Maximilian Baumgärtner möchte die Erfolgsgeschichte des Familienunternehmens Süd-Hansa weiterschreiben und studierte dafür parallel zum Geschäftsführerjob

Lernen ist Chefsache

Um ihn herum lauter Professoren und promovierte Ingenieure – nur auf seiner eigenen Visitenkarte stand kein Titel. Lediglich: Geschäftsführender Gesellschafter. Maximilian Baumgärtner, der das Münchner Familienunternehmen Süd-Hansa seit dem plötzlichen Tod seines Vaters in dritter Generation leitet, packte der Ehrgeiz, noch einmal richtig zu studieren. Für sich persönlich, aber vor allem für das Unternehmen und seine 100 Mitarbeiter. Und das, obwohl er in der Jugend nicht gerade für seine Zielstrebigkeit bekannt war. Bis zum Abitur wechselte er elf Mal die Schule. „Ich glaube, ich war fast auf jeder Privatschule Münchens und zum Schluss in einem Internat in der Schweiz“, sagt der 36-Jährige und muss laut lachen.

07.05.2019 | München

Ein verwöhntes Söhnchen sei er gewesen, das immer zu viel Geld hatte, am liebsten Party machte, statt sich um sein Bauingenieur-Studium zu kümmern, und sich darauf ausruhte, irgendwann in das Familienunternehmen einzusteigen, das sein Großvater 1946 gegründet hatte. Doch dieser Moment lag für ihn stets in weiter Ferne. Sein Vater war streng, ein Patriarch vom alten Schlag, und natürlich mit dem Lebenswandel seines einzigen Sohnes unzufrieden. Mitte der 1980er Jahre hatte der Vater die Firma, die mit Korrosionsschutz groß geworden war, vom Opa übernommen und erweiterte sie um das damals noch unbekannte Geschäftsfeld Betonsanierung. „Beton kam aus Amerika und galt als Jahrhundertwerkstoff, der nicht kaputt geht. Mein Vater glaubte jedoch nicht daran und besuchte das erste Sanierungsseminar in Wien. So brachte er die Betoninstandsetzung nach Deutschland und Süd-Hansa war eine der ersten Firmen, die das machte“, erzählt Maximilian Baumgärtner.

Jeder Münchner kennt die Objekte, die Süd-Hansa unter dem Slogan „München erhalten und gestalten seit 1946“ saniert hat: die Hackerbrücke, das Sheraton Hotel im Arabellapark, den Justizpalast oder die Eingänge zum Stachus-Untergeschoss sowie etliche Tiefgaragen wie aktuell die größte der Landeshauptstadt im Kustermannpark. „Besonders stolz bin ich auf ein Projekt im Ausland: die Sanierung des Funkturms auf der Isle of Man in der Irischen See“, sagt Maximilian Baumgärtner.

„Ich musste ran – von Null auf 100“

Von einem Australienurlaub war sein Vater vor acht Jahren nicht mehr zurückgekehrt. Er starb vollkommen überraschend im Alter von 60 Jahren auf Hamilton Island, einer Insel am Great Barrier Riff. „Wir waren alle unter Schock. Für mich hieß sein Tod, dass ich ran musste – von Null auf 100“, berichtet der Firmenchef. Er habe damals von dem Business keine Ahnung gehabt, „aber einen ausgeprägten Sinn für Pragmatismus und die Unterstützung von Mutter und Schwester“. Anwaltsfreunde seines Vaters boten ihm Hilfe in Form eines Beirats an und schlugen vor, dass er zum Studieren ins Ausland gehen solle. In Maximilian Baumgärtner keimten Zweifel auf, ob es so gelinge würde, das Familienunternehmen in dritter Generation weiterzuführen, wie es der Wunsch des Vaters war. Bis vor Gericht zog sich der Streit mit den vermeintlichen Firmenrettern hin, was in ihm den Ehrgeiz weckte, zu zeigen, dass er genau das kann, was ihm niemand zutraute.

Als ihm ein Freund vom berufsbegleitenden Studium an der FOM Hochschule in München erzählte, fasste er den Plan, sein ohnehin brachliegendes Bauingenieur-Studium gegen den Studiengang Business Administration an der FOM zu tauschen. „Montags, dienstags und samstags habe ich BWL studiert, Mittwoch bis Freitag war ich in der Firma – das war ganz schön anstrengend, aber auch eine tolle Ergänzung von Theorie und Praxis. Am Tag nach der Uni konnte ich das Gelernte gleich anwenden“, erinnert sich Unternehmer Baumgärtner. Möglich sei das Studium neben dem Geschäftsführerjob nur gewesen, weil seine Stiefmutter, die schon 30 Jahre im Unternehmen arbeitet, ihm als Prokuristin zur Seite stand. „Viele Leute dachten, das funktioniert nicht mit uns beiden in der Geschäftsführung, doch es läuft perfekt – sie ist meine Mentorin“, schwärmt er.

Kurz vor der Bachelor-Arbeit wurde dem jungen Chef dann doch alles zu viel – obwohl er bis zu diesem Zeitpunkt jede Prüfung beim ersten Versuch bestanden hatte. „Meine Verlobung war geplatzt und zwei führende Mitarbeiter hatten sich hinter meinem Rücken selbstständig gemacht. Ich war am Limit.“ Er ließ das Studium schleifen, noch immer stand nichts auf seiner Visitenkarte, obwohl er an der FOM „unglaublich viel gelernt hatte“. Dann kam die neue Freundin, eine Jurastudentin, die Maximilian Baumgärtner motivierte, nochmal anzupacken und die Abschlussarbeit zu schreiben. Sein Thema: Ungeplante Unternehmensnachfolge im Familienbetrieb. „Dabei habe ich erkannt: Wenn es ein Familienunternehmen in die dritte Generation geschafft hat, spricht man von einer Erfolgsgeschichte“, erklärt Maximilian Baumgärtner – und lacht. Im April schloss er sein Studium erfolgreich ab.

Maximilian Baumgärtner
Will hoch hinaus: Maximilian Baumgärtner hat als Geschäftsführer eines Münchner Traditionsunternehmens an der FOM Hochschule studiert (Fotos: privat)
Mit seinem betriebswirtschaftlichen Wissen will Maximilian Baumgärtner die Süd-Hansa erfolgreich bis in die nächste Generation führen.