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„Stuttgarter Gespräch“: Digitalisierung in Steuerbehörden

Steuer- und IT-Experten blickten in Europas Zukunft

Jeder einzelne Bürger ist von der Digitalisierung betroffen: Längst hat beispielsweise die elektronische Steuererklärung das Ausfüllen von papiernen Vordrucken abgelöst. „Die Digitalisierung hat in den vergangenen Jahren alle Bereiche des täglichen Lebens durchdrungen“, stellte Prof. Dr. Peter Preuss fest, der an der FOM Hochschule in Stuttgart Wirtschaftsinformatik lehrt. Welche IT-Lösungen in Europas Steuerbehörden zum Einsatz kommen (werden), war Thema beim „Stuttgarter Gespräch“.

21.02.2019 | Stuttgart

Experten von BP/ARAL, WTS ITAX, Ebner Stolz, Universal Units, AMANA und Ernst & Young sprachen am FOM Hochschulzentrum in Stuttgart über die wachsenden Herausforderungen, die die Digitalisierung gerade im Bereich Steuern in den vergangenen Jahren gebracht hat. Und über Tendenzen, die für die Zukunft bereits absehbar sind. Themen wie Künstliche Intelligenz und Robotics zur Abbildung automatisierter Arbeitsabläufe wurden ebenso angesprochen wie IT-Lösungen, die der internationalen Harmonisierung des Steuerrechts dienen - und dem Stopfen von Schlupflöchern zur Steuervermeidung.

Dass die Digitalisierung im Bereich Steuern gerade für Exportweltmeister Deutschland bereits heute existenziell wichtig ist, zeigte Marcus Schöpkens auf. Der Leiter des Fachbereichs Tax für alle steuerlichen Belange der BP/ARAL-Gruppe in Zentraleuropa zeigte auf, wie weit die Digitalisierung in anderen Ländern bereits fortgeschritten ist: In Polen soll voraussichtlich Mitte 2019 die herkömmliche Umsatzsteuer-Voranmeldung vollständig durch das „Standard Audit File - Tax (SAF-T)“ ersetzt werden. Im Klartext: Polnische Steuerbehörden haben dann elektronischen Zugriff auf jede einzelne Transaktion.

In Spanien wurde für größere Unternehmen ein neues System zur sofortigen Informationsübermittlung umsatzsteuerlicher Informationen eingeführt. Einerseits sind diese umsatzsteuerlichen Informationen nun praktisch unverzüglich nach Entstehung der zugrundeliegenden Transaktion zu melden. Andererseits müssen die Informationen elektronisch über das neue System „SII“ übermittelt werden. Monatliche Umsatzsteuervoranmeldungen sind passé.

„Die Digitalisierung hat in den vergangenen Jahren alle Bereiche des täglichen Lebens durchdrungen." (Foto: ayo888/gettyimages)

In der Türkei schließlich ist man noch einige Schritte weiter. Wer dort sein Auto betanken möchte, muss künftig zunächst sein Kennzeichen an einem Terminal eingeben. Erst wenn in Echtzeit die Bestätigung kommt, dass das Kennzeichen freigegeben ist, kann der Tankvorgang an der Zapfsäule gestartet werden. Schöpkens: „Man darf gespannt sein, ob und wenn ja, wann wir Derartiges bald auch bei uns sehen werden“.