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Vom Banker zum Hof-Manager

In Gummistiefeln die Karriereleiter rauf

Laut eigener Aussage ist Sebastian Schulte Bisping eigentlich gar kein „Landei“. Er ist zwar im schönen Münsterland zwischen Kühen und Traktoren großgeworden, entschied sich nach der Schule jedoch zunächst Banking & Management zu studieren und anschließend noch den Master in Finance & Accounting an der FOM Hochschule in Münster berufsbegleitend zu absolvieren. Jahre lang arbeitete der 28-jährige Münsteraner als Firmenkundenberater bei der Bank, hielt Vorträge zu Businessplänen und Finanzierungslösungen. Vor drei Monaten entschied er sich schließlich dazu, Anzug und Krawatte gegen Gummistiefel einzutauschen. Heute managt er gemeinsam mit seiner Familie den fast 800 Jahre alten „Auenhof“.

04.12.2019 | Münster

46 Hektar Land, 55 Milchkühe, Rinder & Schweine

Mit seinen Geschwistern und seiner Mutter bewirtschaftet Sebastian Schulte Bisping den Familienhof im schönen Münsterland. Seine Aufgaben: Alles Betriebswirtschaftliche. Er kümmert sich um bürokratische Angelegenheiten, um Rechnungen, Investitionen, Mahnwesen und die Weiterentwicklung und den Ausbau des Hofes. Derzeit schmiedet die Familie gemeinsam Pläne, wie sie weiter expandieren können. So steht beispielsweise der Bau einer neuen Käserei und eines Fleischbetriebes an, in denen seine Brüder als Molkerei- und Fleischereimeister arbeiten. „Meine Master-Thesis hab ich über unseren Betrieb geschrieben und über das Wachstum von kleinen und mittelständischen Unternehmen – das setzten wir nun in die Tat um.“

Die Bank- und BWL-Skills seien dabei wichtig, um den Betrieb voranzubringen und zu vergrößern. Bei einem kleinen Hof bräuchte man das Wissen nicht, aber um zu expandieren definitiv. „Ich entschied mich damals für das berufsbegleitende Studium, weil ich mir nicht mehr vorstellen konnte, in Vollzeit zu studieren – ohne festes Gehalt.“ Durch die Doppelbelastung während des Studiums konnte er viel für sich lernen, insbesondere was die Selbstorganisation, das Zeitmanagement und die eigene Willensstärke anbelangt. „Dadurch ist es heute für mich auch keine große Umstellung mehr, mal ein paar Stunden mehr zu arbeiten – außerdem weiß ich ja, wofür ich es mache.“

Klare Aufgabenverteilung

Vor zwei Jahren verarbeitete die Familie in etwa 3.500- 4.000 Liter Milch pro Woche in der Käserei. Mittlerweile sind sie bei 6.000-7.000 Litern angekommen und planen die Zahlen sogar noch zu verdoppeln. „Ich kann nur dann etwas gut verkaufen, wenn ich auch über ein umfangreiches Grundwissen verfüge. Daher ist es wichtig, auch die Prozesse dahinter zu kennen und zu verstehen“, so der Finanz-Experte. Und genau hier komme das Zusammenspiel der verschiedenen Aufgabenbereiche zum Einsatz. „Jedes Familienmitglied deckt auf unserem Hof gleichermaßen wichtige Aufgaben ab. Meine Brüder Felix und Florian arbeiten als Molke- und Fleischereimeister, meine Mutter kümmert sich unter anderem um unsere eigene Seiferei und verkauft die Produkte in unserem Hofladen. Und ich bin hauptsächlich für das Theoretische und den Vertrieb zuständig.“ So ergänzen sich die Schulte Bispings perfekt. Sogar eine eigene Homepage mit Online-Shop betreibt die Familie: „Dafür haben wir aber jemand Professionelles, der uns in dem Bereich unterstützt.“

Seit fast 30 Jahren stellt die Familie ihre Köstlichkeiten her – darunter Käse, Wurst, Milch, Seifen & Shampoos. „Vieles wird nur von Hand hergestellt. Unsere Käserei liegt im gleichen Gebäude wie unser Hofladen und durch die Fensterscheiben können unsere Kunden uns bei der Arbeit zuschauen. Transparenz und der direkte Kundenkontakt sind uns sehr wichtig!“, erzählt der 28-Jährige.

Ehrliche Produkte, glückliche Tiere

Auch seine ehemaligen Kommilitonen wissen zu schätzen, was Schulte Bisping heute macht. Nicht zuletzt deshalb, weil sie immer mal wieder mit frischer Milch, Eiern und Käse versorgt werden. „Der Umweltaspekt spielt natürlich auch eine sehr große Rolle. Wir nutzen hauptsächlich unsere eigenen, ehrlichen Produkte von unseren eigenen Tieren, die täglich an der frischen Luft sind. Bei uns hat sogar jede Kuh ihren eigenen Namen.“ Die natürliche Haltung der Nutztiere bedeute, dass die volle moralische und tiergerechte Verantwortung übernommen werde. Alle Tiere haben jederzeit frisches hofeigenes Futter, klares Wasser aus dem eigenen Brunnen, frische Luft und so viel Weidegang, wie es das Wetter zulasse.

Der Akademiker meint: „Ich hätte mir keinen besseren Ort zum Aufwachsen vorstellen können. Die Ruhe, die Landschaft, das Idyllische.“ Heute genießt er beides: So wohnt der Münsteraner 20 Minuten vom Hof entfernt in der Stadt und weiß das Leben zwischen beiden „Welten“ zu schätzen.

Der Hof soll weiter expandieren: Mittlerweile besitzt die Familie 46 Hektar Land und 55 Milchkühe (Foto: Privat)
Die Familie Schulte-Bisping betreibt unter anderem eine eigene Käserei, Sebastian übernimmt hauptsächlich die betriebswirtschaftlichen Aufgaben des Auenhofes (Foto: Privat)
Sebastian mit seiner Mutter und seinem Bruder (Foto: Privat)
Seit fast 30 Jahren stellt die Familie ihre Produkte her – darunter Käse, Wurst, Milch, Seifen & Shampoos (Foto: Privat)