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Nach der Fusion von Kaufhof und Karstadt:

Wie kann die Neustrukturierung des Handelsriesen gelingen?

„Wir sind zusammen Deins“, lautet das Motto der neuen Warenhausgruppe Galeria Karstadt Kaufhof. Vier Monate nach der Fusion der beiden Handelsketten geht es jetzt um die Schaffung neuer Strukturen, um eine nachhaltige Sanierung. Medienberichten zufolge sollen bis zu 5.500 Stellen auf der Kippe stehen. Prof. Dr. Sebastian Krause, Sanierungsexperte und Dozent an der FOM Hochschule, erläutert, worauf es bei der Neustrukturierung des Handelsriesen jetzt ankommt.

01.04.2019

Herr Prof. Krause, aktuell wird vor allem über den Abbau von Arbeitsplätzen gesprochen. Was hat das zu bedeuten und welche Schritte muss die neue Unternehmensspitze gehen?

Sebastian Krause: Zunächst geht es um deutliche Einsparungen. Da die Personalkosten im Handel am meisten ins Gewicht fallen, funktioniert Sanierung dort nur über Personalabbau. Bei Karstadt hat Investor René Benko schon gezeigt, wie das laufen kann, beispielsweise indem es nur noch zentrale Kassen im Erdgeschoss gibt.

Geht der Personalabbau nicht zu Lasten der fachlichen Beratung?

Sebastian Krause: Beratung hat im Kaufhaus heute einen anderen Stellenwert als früher. Die Frage „Kann ich Ihnen helfen?“ ist selten geworden. Vielmehr soll sich der Kunde erst einmal selbst ein Bild vom Angebot machen und wenn er eine konkrete Frage hat, wendet er sich proaktiv ans Personal.

Gehen Sie denn davon aus, dass beide Marken beibehalten werden? Die Gruppe hat doch jetzt einen gemeinsamen Namen.

Sebastian Krause: Grundsätzlich macht das Doppelkonzept beider Marken Sinn. Zum einen sind es gewachsene Marken mit regional unterschiedlichen Beliebtheitsgraden und zum anderen können sich beide gegenseitig die Bälle zuspielen, wie das beispielsweise auch Saturn und MediaMarkt tun. Das Sprichwort „Konkurrenz belebt das Geschäft“ kommt ja nicht von ungefähr. Außerdem bleibt der Vorteil des zentralen Einkaufs für beide Marken bestehen. Auch in diesem Bereich gibt es großes Einsparpotenzial.

Prof. Dr. Sebastian Krause
Prof. Dr. Sebastian Krause ist Rechtsanwalt und Notar und lehrt Wirtschaftsrecht an der FOM in Düsseldorf (Foto: privat)

Welche weiteren Maßnahmen sind bei der Sanierung der Warenhausgruppe denkbar?

Sebastian Krause: Die betriebswirtschaftliche Zukunftsfähigkeit der einzelnen Häuser wird natürlich geprüft. In kleinen und mittleren Städten, in denen es jetzt noch Karstadt und Kaufhof gibt, wird langfristig nur eines der Häuser überleben, vor allem in der Fläche ist also mit Schließungen zu rechnen. Hier geht es dann zusätzlich darum zu eruieren, welche Marke in welcher Region beliebter und damit erfolgversprechender ist.