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25.07.2017 | München

Personalexperte Thomas Sattelberger an der FOM

Was Deutschland bei der Digitalisierung noch lernen muss

Thomas Sattelberger an der FOM Hochschule in München
HR-Experte Thomas Sattelberger zu Gast an der FOM Hochschule in München

„Aktuell befindet sich die deutsche Wirtschaft in einer Sandwich-Situation – eingeklemmt zwischen der digitalen Wirtschaft der USA und der vorwiegend maschinellen Wirtschaft Chinas. Dies hat zur Folge, dass Deutschland in internationalen Wettbewerbs-Rankings weiter abrutscht.“ Mit diesen Worten begann Thomas Sattelberger, früher Personalvorstand und Arbeitsdirektor der Telekom, seinen Vortrag am FOM Hochschulzentrum München. Für den Verband „Die Führungskräfte“ (DFK, Regionalgruppe Süd) hatte der renommierte HR-Experte einen Blick in die Zukunft gewagt.

„Deutschland ist schlecht für die Digitalisierung gerüstet“, mahnte Sattelberger. Vor allem die mittelständischen Unternehmen seien Sorgenkinder, was Innovationen beträfe. Dabei sei das Voranbringen von Innovationen nicht in erster Linie ein Technologiethema, sondern vielmehr verbunden mit Führung und Arbeitskultur. „Hierzulande zählt vielfach der Ansatz: Mehr, schneller, höher, weiter! Dieser Mix aus Effizienz-Fetisch und Ingenieursglaube führt aber in die Irre.“ Sattelberger warnte: „Wenn wir uns bei der Transformation nicht sputen, brauchen wir uns um Arbeit und Führung 4.0 gar nicht mehr zu kümmern.“

DFK - Die Führungskräfte an der FOM in München
Rudolf Schmatz (DFK), Prof. Dr. Gerald Mann (FOM), Prof. Dr. Angela Witt-Bartsch (FOM & DFK), Thomas Sattelberger (Referent), Kerstin Viethen (DFK), Christian Sachslehner (DFK), Fotos: Thilo Bartsch

Potenzielle Lösungsansätze für die digitale Arbeit der Zukunft skizzierte der Personalexperte und Buch-Autor schließlich in vier verschiedene Szenarien. Der selbstbestimmte Freelancer etwa würde von einem virtuellen Arbeitsplatz profitieren, der durch verschiedene mobile Endgeräte erreichbar sei und es erlaube, in verschiedenen Rollen, Projekten und Unternehmen parallel zu arbeiten. Beim „Arbeiten an der elektronischen Leine“ würden menschliche Tätigkeiten dagegen auf Basis von Sensoren und Vernetzung zentral überwacht und gesteuert. Szenario 3 sähe eine automatisierte Team-Konfiguration vor: Aufgaben würden per E-Mail rund um den Globus erteilt, ein PC würde entsprechend der Anforderungen (Einsatzort, benötigte Fähigkeiten, Budget etc.) das perfekte Team dafür zusammensetzen. Die vierte Variante wäre unter dem freiheitlichen Begriff „Crowd Work“ vorstellbar, angelehnt an die Archetypen von Crowdsourcing-Plattformen.

„Um die digitale Arbeitswelt von morgen zu gestalten und einen menschen- und innovationsfreundlichen Rahmen zu erreichen“, so Sattelberger, „braucht es Räume, Zeit und Prozesse für innovatives Arbeiten sowie Hierarchiearmut, Kollaboration, Selbstverantwortung, Souveränität und eine lockere Dezentralität. Dafür müssen Unternehmen, wenn nötig, auch die Macht alter Routinen und Erfahrungen brechen.“