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11.12.2017 | Berlin

Germany's next Super Boss

Gefragt ist digitale Führungskompetenz

„Viele mittelständische Unternehmen in Deutschland und auch der Staat hinken beim Thema Digitalisierung hinterher“, so Stefan Moschko, Leiter Human Resources Deutschland bei der Siemens AG, bei seinem Vortrag an der FOM Hochschule in Berlin. „Wir sind mittendrin in den Veränderungen“, meint Moschko. „Diese greifen in viele Themen ein und erfordern ein neues Denken und Handeln. In der Wirtschaft aber auch in der Politik. Wenn beispielsweise ein Mitarbeiter am Sonntag einige Mails auf seinem Smartphone bearbeitet, kommt er u.U. in Konflikt mit den bisher geltenden gesetzlichen Ruhefristen.“

Mehr als 180 Gäste hatten sich zur Veranstaltung „Von Führung 4.0 zu Germany's next Super Boss“ mit Stefan Moschko, Prof. Dr. Friederike Müller-Friemauth, Zukunftsforscherin und FOM Professorin für Innovationsmanagement, und Prof. Dr. Michael Schaffner, FOM Professor für Technologie- und Innovationsmanagement, in der FOM Hochschule eingefunden.  

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Voller Hörsaal und voller Erfolg bei "Fit für Führung" mit mehr als 180 Gästen (Foto: FOM / Viktor Strasse)

Neue Generationen, neue Führungsstile

Moschko war es auch, der die neuen Führungsanforderungen der Generationen Y und Z thematisierte: „Führungskräfte stehen vor Herausforderungen in Hinblick auf die Generation Y und Z. Diese Generationen definieren ihre Lernziele neu und wachsen mit der Digitalisierung auf, so der Siemensianer. Die Ansprüche der Generation Y und Z und das Arbeitsumfeld erforderten einen neuen Führungsstil und Führungskräfte mit „digitaler“ Führungskompetenz, d.h. Toleranz von Ambiguität und Anwendung von Soft Skills wie Inspiration und Motivation. „Digitale Fähigkeiten werden zunehmend wichtiger“, betonte Moschko.

Die Rolle der Führungskraft ändere sich nachhaltig hin zum Coach. Wichtige Eigenschaften einer Führungskraft blieben dabei Empathie, Vertrauen und Disziplin. Dafür brauche ein Unternehmen Werte, die als Messwert für Führungskräfte gelten. „Heute ist nicht nur wichtig, dass die Ziele erreicht werden, sondern auch wie. Wir müssen einen Kulturwandel mit unseren Führungskräften vollziehen, um das Potenzial der Mitarbeiter voll auszuschöpfen“, unterstrich Stefan Moschko. Und ergänzte: „Auch das Geschäftsumfeld, in dem wir und unsere Führungskräfte agieren, wird zunehmend VUCA (volatil, unsicher, komplex und unklar).“

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Im Gespräch: Stefan Moschko, Leiter Human Resources Deutschland bei der Siemens AG, und Prof. Dr. Michael Schaffner, FOM Professor für Technologie- und Innovationsmanagement (Foto: FOM / Viktor Strasse)

Die digitale Arbeitswelt verlangt Führungskräften neue Kompetenzen ab

Die FOM Professorin für Innovationsmanagement in Köln, Prof. Dr. Friederike Müller-Friemauth, forderte in ihrem Vortrag „zukunftsrobuste Führung“, anstatt Führung 1.0, die bislang gängige Praxis sei. Ihre These: Künftig werden nicht Menschen, sondern Organisationen geführt. Aber was sind genau die Treiber der Veränderungen bezüglich Führung 4.0? „Die klassischen Human Resources-Tools sind nicht schlecht, doch je mehr wir unter VUCA-Bedingungen handeln, und das wird zunehmend der Fall sein, desto weniger taugen sie.“

Um ihren Ansatz zu verdeutlichen, verglich Professorin Müller-Friemauth ein Unternehmen mit einem Organismus: „Für unsere Körper bemühen wir uns um gute Rahmenbedingungen wie Sport und gesunde Ernährung. Aber wir sagen dem Herz nicht, wie es zu schlagen hat und der Lunge nicht, wie sie zu pumpen hat. Alles, was die Organe tun sollen, tun sie von allein.“ Führung in dem Sinne sei eine Systemgestaltung, eine Organisation von Kommunikation und Beziehungen entlang des Unternehmenszweckes, der die anderen in Ruhe ihren Job machen lasse.

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Die Referenten des Abends (v.l.n.r.): Stefan Moschko, Prof. Dr. Friederike Müller-Friemauth, Prof. Dr. Michael Schaffner (Foto: FOM / Viktor Strasse)

Kollegiale statt hierarchische Führung

„Wir brauchen kollegiale statt hierarchische Autorität im Sinne von emergenten Hierarchien“, so Prof. Dr. Friederike Müller-Friemauth. „Die Macht wird ubiquitär. In Zukunft wird ein Kündigungsgrund nicht mehr im persönlichen Versagen liegen, sondern eher bei Systemstörungen, also: Wie verhält sich die Führungskraft im Ausnahmezustand.“ Die digitale Arbeitswelt verlange Führungskräften neue Kompetenzen und Fertigkeiten ab, ein völlig neues „Mindset“, bei denen Standards von gestern nicht mehr gelten.

„Die Führung der Zukunft ist eher eine Art „Liquid Leadership“, wir werden lernen müssen, wie man sich wie ein Fisch im Wasser durch die digitale Welt bewegt“, schloss Prof. Müller-Friemauth ihren Vortrag und ergänzte „Wir werden lernen müssen, uns Schritt für Schritt da hinein zu begeben.“