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05.10.2016 | Essen

Aktuelles

Arbeitsintensität in Aufsichtsräten steigt und Anforderungen wachsen

Das Gesetz zur „Gleichberechtigten Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen" ist verabschiedet. Es regelt die 30-Prozent-Quote bei der Besetzung von Aufsichtsratsgremien. Wie können Unternehmen diesen neuen Verpflichtungen nachkommen? Wie verlaufen Besetzungsprozesse? Und was bringt die Tätigkeit in einem Aufsichtsgremium mit sich? Mit diesen und weiteren Fragen befasste sich jetzt an der FOM Hochschule Essen die Vortrags- und Diskussionsveranstaltung „Insights in die Arbeit des Aufsichtsrats“ der FidAR-Regionalgruppe West in Zusammenarbeit mit der FOM. 

Diskussion zur Besetzung von Aufsichtsräten (Foto: FOM)
Diskussion zur Besetzung von Aufsichtsräten (Foto: FOM)


Nach der Begrüßung durch Prof. Dr. Stefan Heinemann, Prorektor Kooperation FOM Hochschule und Nina Brandi, Mitglied des erweiterten Vorstands von FidAR e.V., stellte Prof. Dr. Peter Ruhwedel, Professor für Strategisches Management und Organisation an der FOM und Leiter des Deutschen Instituts für Effizienzprüfung, den rund 50 Gästen seine wissenschaftlichen Erkenntnisse aus der Studie „Aufsichtsrats-Score“ und deren praktische Relevanz vor.

„Die Arbeitsintensität in den Aufsichtsräten und deren Professionalität haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen“, so Prof. Ruhwedel. „Dies geht entsprechend mit höheren Erwartungen an die Mitglieder der Gremien einher.“ Die Einführung der Frauenquote und das sich verändernde Bild der Aufsichtsgremien haben die Besetzungsprozesse professioneller werden lassen. „Profile und Mandate sind inzwischen oft das Ergebnis intensiver Auswahlprozesse, die sich zudem viel mehr als früher an der Eignung der Kandidatinnen und Kandidaten orientieren“, so Ruhwedel.

Im Anschluss berichteten unter der Moderation von Prof. Dr. Anja Seng, FOM Rektoratsbeauftragte für Diversity Management, aktiv tätige Mitglieder von Aufsichtsgremien in einem Podiumsgespräch über die Tätigkeit in einem Aufsichtsgremium ihre persönlichen Erfahrungen. Andrea Dorsch-Kellermann, Head of Diversity Management RWE AG und Aufsichtsrätin bei den Beteiligungsgesellschaften RWE Westnetz und RWW, skizzierte als wesentliche Herausforderungen die Auseinandersetzung mit den jeweiligen Besonderheiten der Geschäftsmodelle der Unternehmen. In der Regel handele es sich um andere Bereiche als im persönlichen Alltag. Weiterhin seien in Vorbereitung auf die jeweiligen Sitzungen meist sehr viele Informationen in extrem kurzer Zeit zu bewältigen. Dabei stünden Branchenspezifika ebenso wie finanzpolitische Aspekte im Fokus.

Patricia Geibel-Conrad, selbständige Unternehmensberaterin und Wirtschaftsprüferin sowie Aufsichtsrätin bei Hochtief AG, beschrieb, dass sie ihren Weg in das Aufsichtsgremium über aktive Netzwerkarbeit und Kontakte sukzessive aufgebaut hat und dann vom Unternehmen direkt angesprochen wurde. Ihre Motivation: „Ich liebe Zahlen und Berichte. Die Möglichkeit, in einzelne Fachgebiete hineinzuschauen, ist hochspannend.“

Thomas Kramer, Partner der Sozietät ebl esch&kramer, diverse Aufsichtsrats- und Beiratsmandate, sagte, die Arbeit der Aufsichtsräte sei in Deutschland sehr unterschiedlich die Gremien müssten facettenreich berufen werden, um den zunehmenden inhaltlichen Diskussionen gewachsen zu sein und der Überwachungsfunktion somit bestmöglich nachkommen zu können. Auf die Frage, was sich durch „mehr Frauen“ im Gremium verändert, stellte er heraus, dass beispielsweise die Gesprächskultur eine andere wird. „Bestehende Rituale werden verändert, wenn neue Personen ins Spiel kommen.“

In einer Abschlussrunde gaben die Diskussionsteilnehmerinnen und -teilnehmer den Besuchern noch einige Tipps mit auf den Weg: „Besinnen Sie sich auf die eigenen Stärken und versuchen Sie diese in die konkrete Situation, in das jeweilige Unternehmen bestmöglich einzubringen. Finanzwirtschaftliche Grundlagen und juristische Grundlagen sind grundlegendes Handwerkszeug.“