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16.12.2016 | Essen

Aktuelles

Startschuss für EDU-LINK: Wie muss ein virtueller Lernort für Erzieherinnen aussehen?

„Wir freuen uns darauf, frühkindliche MINT-Förderung zusammen auf den Weg zu bringen.“ Mit diesen Worten eröffnete Ingrid Kratkey den Kick-off zum Projekt EDU-LINK am 23. November in Essen. Die Leiterin des Berufskollegs im Bildungspark war Gastgeberin der Veranstaltung und begrüßte in ihren Räumlichkeiten Vertreterinnen aus Bildung, Politik und Wirtschaft. Ihre gemeinsame Zielsetzung: mobile Experimentiersets des zdi-Zentrums MINT-Netzwerk Essen durch neue Lernmethoden auszubauen. Dabei soll im Internet exemplarisch die KidsgoMINT-Akademie als virtueller Lernort für Erzieherinnen und Lehrerinnen entstehen. Gefördert wird das Projekt im Rahmen des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) in Nordrhein-Westfalen. Die Gesamtleitung und -koordination liegt in den Händen der FOM Hochschule als Partnerin des zdi-Zentrums MINT-Netzwerk Essen.

Intensive Diskussion im Rahmen der Workskhops
Intensive Diskussion im Rahmen der Workskhops (Foto: Tim Stender)


Ausgangspunkt des Projektes sind die Experimentierboxen, die im Rahmen der Initiative KidsgoMINT in Essener Kindertagesstätten zum Einsatz kommen. Die Bedeutung dieser Initiative, hinter der die Stadt Essen, das zdi und das BCW BildungsCentrum der Wirtschaft stehen, machte Prof. Dr. Stefan Heinemann deutlich: „Noch vor rund fünf Jahren gab es kaum Materialien für die MINT-Förderung der Jüngsten“, so der zdi-Repräsentant und FOM-Prorektor Kooperationen. „Als wir uns 2011 mit unseren 16 Versuchen zu Themen wie Wasser & Luft oder Magnetismus & Elektrizität auf den Weg gemacht haben, war die Nachfrage entsprechend groß.“ Das belegen auch die Zahlen: Während beim Start der Initiative lediglich fünf Essener Kitas involviert waren, sind es inzwischen weit über 100 – die meisten davon in städtischer Trägerschaft. Und das Interesse sowohl in den Nachbarstädten als auch in ganz Deutschland wachse beständig, so Prof. Dr. Heinemann.

Dieses steigende Interesse war auch einer der Auslöser für EDU-LINK, wie Projektleiter Dipl.-Ing. (FH) Christoph Hohoff betonte. „Momentan bildet das zdi-Essen bei der Organisation von KidsgoMINT das Nadelöhr: Es kümmert sich sowohl um die Befüllung und Pflege der Experimentierboxen als auch um die entsprechenden Schulungen für die Erzieherinnen. Das funktioniert, solange es nur um Essen geht. Aber sobald andere Städte ebenfalls bei KidsgoMINT mitmachen wollen, stößt dieser Service an seine Grenzen.“ Der Aufbau einer virtuellen Lernplattform, über die die nötigen Informationen und Schulungsmaterialien zeit- und ortsunabhängig zur Verfügung gestellt werden können, sei deshalb der nächste logische Schritt. Allerdings werde sich der Fokus der geplanten Akademie nicht auf KidsgoMINT beschränken, so Hohoff. Ganz im Gegenteil: „Wir wollen einen Piloten entwickeln, den andere Projekte ohne Probleme adaptieren können.“

Um die Frage, wie dieser Pilot aussehen soll, ging es nach einer gemeinsamen Mittagspause. Prof. Dr. Martin Lang stellte zunächst das didaktische Konzept von KidsgoMINT vor. Der Wissenschaftler aus dem Bereich Technologie und Didaktik der Technik an der Universität Duisburg-Essen war federführend bei der Entwicklung der Experimente. „Unser Ziel war es, Begeisterung und Neugier für naturwissenschaftlich-technische Themen bei den Jüngsten zu wecken“, erklärte er. „Deshalb haben wir auf exploratives und problemorientiertes Lernen gesetzt und die Experimente in eine Rahmenhandlung eingebunden, bei der Max der Maulwurf in authentischen Situationen mit Herausforderungen konfrontiert wurde, für deren Bewältigung die Kinder technische Lösungen finden müssen.“ Die Erzieherinnen erhalten neben einer Box mit den Versuchsmaterialien und einer Max-Handpuppe einen Ordner mit Hinweisen für die Durchführung der Experimente sowie Informationen zu den einzelnen naturwissenschaftlich-technischen Phänomenen.

Nach dieser Einführung ging es um die Frage, wie Erzieherinnen die Experimentierboxen im Sinne des Konzeptes einer alltagsintegrierten naturwissenschaftlichen Frühförderung nutzen können und wie dies in dem Konzept der geplanten Lernplattform Berücksichtigung finden kann. Basis des Konzeptes ist es, naturwissenschaftliche Bildungsmomente aus den alltäglichen Situationen heraus aufzugreifen und das Explorieren der Kinder dadurch in ein "wissenschaftliches" kidsgoMINT-Experiment zu überführen. Ilona Gerjets und Ute Dröge vom Berufskolleg im Bildungspark stellten das Konzept in sehr anschaulicher und handlungsorientierter Weise in ihrem Workshop vor. Einer ihrer Schwerpunkte lag auf dem Projekt LuPE, das von der Deutschen Telekom Stiftung ins Leben gerufen wurde. Die Abkürzung stehe für Lehr- und Praxismaterial für die Erzieherinnenausbildung, erläuterten die beiden. Bei diesem Vorhaben entwickelt, erprobt und evaluiert das Deutsche Jugendinstitut Qualifizierungsmaterial zu naturwissenschaftlichen Themen für den Einsatz im Fachschulunterricht. Verfolgt würden damit zwei Ziele, so Ilona Gerjets und Ute Dröge: Zum einen sollen Fachschulpädagogen in ihrer Lehrkompetenz unterstützt werden. Zum anderen sollen angehende Erzieherinnen erfahren, wie sie naturwissenschaftliche Lernprozesse bei Kindern entdecken und fördern können.

Verschiedene Lehr- und Lernplattformen standen im Zentrum des Workshops von Prof. Dr. Marco Zimmer. Der wissenschaftliche Direktor des ipo Institut für Personal & Organisationsforschung an der FOM Hochschule stellte zunächst E-Learning als Lehr- und Lernansatz vor. Es erlaube u.a. das Lernen zu jeder Zeit an jedem Ort und in einer individuellen Geschwindigkeit. Möglich sei auch ein Medienmix bei den Materialien. „Voraussetzung dafür ist eine Plattform, über die Inhalte strukturiert dargestellt werden, wo Interaktionen stattfinden und Lernkontrollen platziert werden.“ Für solche Plattformen gäbe es sowohl kommerzielle als auch Open Source Angebote. Gleichzeitig bestünde die Möglichkeit, eine Plattform selbst zu erstellen. „Egal, auf welche Variante wir im Rahmen von EDU-LINK setzen: Wir müssen vorher administrative Fragen klären und uns entscheiden, welche Lernumgebung sowohl für die Inhalte als auch für die Zielgruppe die richtige ist“, so die Botschaft des Wissenschaftlers.