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13.04.2015

Aktuelles

Über 40 Mrd. Euro für Aktionäre: Dividendenjahrgang 2015 bricht alle Rekorde

Deutschlands Aktiengesellschaften schütten 2015 mehr aus als je zuvor. Insgesamt erreicht das Dividendenvolumen der rund 620 börsennotierten Unternehmen in diesem Jahr rund 41,7 Mrd. Euro. Die bisherige Bestmarke aus dem Jahr 2008 (38,4 Mrd. Euro) wird damit gleich um 9,2 Prozent übertroffen, der Vorjahreswert (36,7 Mrd. Euro) um 13,4 Prozent. Gleichzeitig bricht die laufende Dividendensaison nicht nur bei der Ausschüttungssumme alle Rekorde: „Genauso bemerkenswert ist, dass von den 160 Unternehmen der DAX-Familie – also DAX, MDAX, SDAX und TecDAX – mehr als zwei Drittel die Dividende anheben und nur noch 16 Firmen ihre Aktionäre leer ausgehen lassen“, erklärt Christian W. Röhl. Der Kapitalmarkt-Stratege ist Autor der Dividendenstudie, die heute in Frankfurt am Main vom isf Institute for strategic finance an der FOM Hochschule und der DSW Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) vorgestellt wurde.

Allianz löst Siemens als größten Dividendenzahler ab

Den größten Anteil daran, dass nach den Aktienkursen nun auch die Dividendensummen neue Hochs markieren, haben die 30 DAX-Konzerne. „Allein die knapp 30-prozentige Anhebung bei Allianz bedeutet ein Plus über 700 Mio. Euro“, erläutert isf Direktor und FOM Dekan Prof. Dr. habil. Dr. Eric Frère. Insgesamt wird der Versicherungsriese seinen Anteilseignern im Mai rund 3,1 Mrd. Euro überweisen und damit Siemens als Top-Zahler am deutschen Aktienmarkt ablösen. Mit einer Dividendensumme von 2,9 Mrd. Euro liegt der Elektrogigant, der seine Ausschüttung um 10 Prozent angehoben hat, nun vor Daimler, BASF und Volkswagen auf Platz zwei. Besonders freuen dürfen sich überdies die Aktionäre von ThyssenKrupp: Nach zweijähriger Abstinenz nimmt der Stahlproduzent die Dividendenzahlung wieder auf. Dafür hat nun die Lufthansa die Ausschüttung gestrichen, und weil überdies die Commerz-bank bereits das siebte Jahr in Folge keine Dividende vorschlägt, muss der DAX auch 2015 wieder zwei Ausfälle verzeichnen.  

Im MDAX wahrscheinlich kein einziger Ausfall

Anders die Situation bei den im MDAX versammelten „Mid Caps“: Voraussichtlich werden erstmals alle 50 Index-Mitglieder ausschütten, drei Viertel davon sogar mehr als im Vorjahr – angeführt von Wacker Chemie, Celesio und TUI, die allesamt mehr als doppelt so viel zahlen wie 2014. Auch die beiden Schwergewichte Airbus (942 Mio. Euro) und Hannover Rück (513 Mio. Euro) zeigen sich spendabel und sorgen dafür, dass die Ausschüttungssumme im MDAX um 33 Prozent auf rund 6,8 Mrd. Euro steigt. Da kommt nicht einmal der TecDAX mit, dessen Dividendenvolumen um 22,5 Prozent auf 1,4 Mrd. Euro zulegen kann, obwohl von den zehn Top-Zahlern nur United Internet die Dividende zweistellig anhebt.  

SDAX als einziger Index ohne neue Bestmarke

Als einziger Index keinen neuen Ausschüttungsrekord vermelden kann derweil der SDAX, wo die Dividendensumme trotz respektablem Zuwachs (20 Prozent) zum vierten Mal in den vergangenen zehn Jahren knapp unter der Milliardenmarke bleibt. Dabei avanciert der Börsenneuling Hella bereits im ersten Jahr zum volumenstärksten Dividendenzahler im Small Cap-Segment. Weniger erfreulich: Bei sieben von 50 SDAX-Unternehmen liegt die Ausschüttung über dem Gewinn – in keinem anderen Index zehren mehr Firmen von der Substanz.  

Ertragslage würde vielfach noch höhere Ausschüttungen erlauben

Ansonsten ist eher das Gegenteil die Regel: „Viele Unternehmen zahlen weniger, als die Ertragslage erlauben würde“, resümiert DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler. Trotz teilweise satter Anhebungen schütten die meisten Gesellschaften weiterhin weniger als die Hälfte ihres Vorjahresgewinns aus; im DAX und im MDAX liegt die Quote bei einem Viertel der Unternehmen sogar unter 33 Prozent. Noch stärker kritisieren die Anlegerschützer allerdings die Dividendenpolitik abseits der Auswahl-Indices: „Unterhalb des SDAX hat fast die Hälfte der Firmen noch nie ausgeschüttet“, stellt Tüngler fest. Gleichwohl gibt es auch unter den Nebenwerten wahre Dividenden-Perlen. So haben etwa Atoss Software, KAP Beteiligungen, Ludwig Beck oder die Maschinenfabrik B. Hermle ihre Ausschüttung seit 2006 jedes Jahr im Durchschnitt um mehr als 50 Prozent gesteigert.  

Fresenius Medical Care mit 18. Dividendenanhebung in Folge

Bei weitem nicht so stark, dafür jedoch besonders nachhaltig fällt das Dividendenwachstum bei Fresenius Medical Care (FMC) aus. Der im DAX notierte Gesundheitsdienstleister hebt seine Ausschüttung in diesem Jahr bereits zum 18. Mal in Folge an. Kein anderes deutsches Unternehmen kann eine solche Erfolgsbilanz vorweisen. Immerhin 13 Dividendenerhöhungen hintereinander gelangen neben der FMC-Mutter Fresenius auch dem Schmierstoff-Spezialisten Fuchs Petrolub sowie dem im Freiverkehr gelisteten Immobiliendienstleister Bayerische Gewerbebau. Es folgen STRATEC Biomedical mit zwölf sowie Schaltbau, Fielmann und Paul Hartmann mit je 10 Anhebungen in Serie.  

Dividendenqualität ist mehr als Dividendenrendite

Investment-Ansätze wie die in den USA sehr populäre „Dividend Aristocrats“-Methode, die auf Unternehmen setzt, die ihre Ausschüttung mindestens 25 Jahre in Folge erhöht haben, sind hierzulande also mangels Masse nicht umsetzbar. Deutsche Anleger orientieren sich deshalb häufig an der Dividendenrendite, obwohl entsprechende Indices wie der DivDAX oder der DAXplus Maximum Dividend sich in den vergangenen Jahren eher enttäuschend entwickelt haben. „Unabhängig davon, ob man die von Analysten prognostizierte oder die letzte gezahlte Ausschüttung zugrunde legt, ist eine auf einen einzigen Dividendenbetrag fokussierte Betrachtung nicht ausreichend“, stellt Christian W. Röhl dazu fest und fasst zusammen: „Dividendenqualität ist die Summe aus Kontinuität, Wachstum, Rendite und Ausschüttungsquote – und zwar über eine Zeitspanne von drei bis fünf Jahren.“  

Neue Scoring-Methodik ermöglicht alternative Dividenden-Strategien

Auf dieser Prämisse basiert auch eine von Röhl entwickelte Scoring-Methodik, die alle vier Qualitätsfaktoren anhand objektiver, transparent nachvollziehbarer Definitionen in einen Scoring-Wert von 0 bis 100 Punkte übersetzt und mit der Dividendenstudie 2015 erstmals öffentlich vorgestellt wird. Die höchste Dividendenqualität innerhalb der vier Auswahl-Indices bieten demnach derzeit die Deutsche Beteilgungs AG, Freenet, Hannover Rück, Drillisch und Cewe; beste DAX-Werte sind auf den Plätzen sechs und sieben Münchener Rück und Allianz. In der Vergangenheit war das quartalsweise aktualisierte Scoring häufig ein guter Investment-Wegweiser: Die durchschnittliche Wertentwicklung der höchstplatzierten Titel übertrifft auf längere Sicht selbst den MDAX als besten deutsches Aktienmarkt-Barometer der vergangenen Jahre.