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Research Fellows im Porträt

„Wer 50.000 Euro in die Datenanalyse investiert, bekommt das Zwei- bis Dreifache raus“

Neuronale Netze, Metadaten- und Text-Mining sind die Forschungsschwerpunkte von FOM Research Fellow Dr. Stefan Ebener. Sein Vorteil: Auch als Leiter des europaweiten Verticals „Automotive & Manufacturing“ bei einem internationalen Technologieunternehmen befasst er sich intensiv mit diesen Themen. Über aktuelle Aufgaben und Projekte – sowohl im Job als auch beim ifid Institut für IT-Management & Digitalisierung – spricht er im Interview.

Dr. Stefan Ebener
Dr. Stefan Ebener

Wo liegt aktuell der Fokus Ihrer Arbeit am ifid?

Dr. Stefan Ebener: Momentan stehen zwei große Aufgaben an. Zum einen bin ich an der Vorbereitung der Data Science Conference an der FOM Hochschule in Düsseldorf beteiligt, bei der ich u.a. einen eigenen Vortrag halten werde. Die Veranstaltung ist übrigens gedacht als Fortführung des 1. Data Science Forums 2016 in Essen. Zum anderen erstelle ich aktuell gemeinsam mit Prof. Dr. Rüdiger Buchkremer, dem stellvertretenden ifid-Direktor, und weiteren Research Fellows einen Beitrag für die Multikonferenz Wirtschaftsinformatik. Mein Part dreht sich um die Frage, wie die Automobilbranche Data-Mining nutzen kann.

Ein Thema, das auch in Ihrem Job eine große Rolle spielt…

Dr. Stefan Ebener: Das ist richtig. Ich arbeite bei einem internationalen Technologieunternehmen und bin gerade dabei, ein europäisch ausgerichtetes Vertical mit dem Titel „Automotive & Manufacturing“ auf- und auszubauen. Vertical bedeutet, dass ich ganz unterschiedliche Bereiche einbinde – zum Beispiel Zulieferer, Zulieferer von Zulieferern, Werkstätten und Unternehmen, die Flottenleasing anbieten. Gemeinsam arbeiten wir an Innovationsthemen wie Messdatenmanagement und Connected Car.

Ein Beispiel: Über Sensoren gewinnen wir Daten über den Verschleiß von Reifen, Scheibenwischern oder Getrieben. Solche Informationen sind für den Aftermarket natürlich von großem Interesse. Hersteller können auf ihrer Basis beispielsweise Produkte anpassen bzw. anders ausstatten und sich gegebenenfalls kostspielige Rückrufaktionen ersparen. Im Grunde gilt: Wer 50.000 Euro in die Datenanalyse investiert, bekommt das Zwei- bis Dreifache zurück.

Kein Wunder also, dass das sich immer mehr Unternehmen damit befassen.

Dr. Stefan Ebener: Das ist ein Riesenthema, und gerade die Autokonzerne stehen hier unter Druck. Denn: Wer die Daten besitzt, hat die Macht. Pro Tag werden 5 bis 50 Terrabyte Daten produziert. Die müssen erstmal gespeichert und dann analysiert werden. Bosch will deshalb beispielsweise 2.000 Software-Entwicklerinnen und Entwickler einstellen.

Stand das Thema Automotive auch im Zentrum Ihrer Master-Thesis?

Dr. Stefan Ebener: Nein. Es ging aber um Artverwandtes. In meiner Abschlussarbeit beispielsweise habe ich mich mit der Frage beschäftigt, wie technologieaffine Start-ups via Data- und Text-Mining identifiziert werden können. Die Forschung dazu habe ich zusammen mit dem SAS-Institut durchgeführt. Damals war ich noch als Research Fellow am ifes Institut für Empirie & Statistik tätig, bevor ich dann mit der Neugründung des Institut zum ifid gewechselt bin. Betreut wurde die Arbeit übrigens von Prof. Dr. Buchkremer, der auch mein Doktorvater war. Gemeinsam haben wir mehrere Artikel zu dem Themenkomplex veröffentlicht – zum Beispiel in der FOM-Edition Markt- und Absatzprognosen.

Dort haben Sie Einblicke in die Ergebnisse Ihrer Dissertation gegeben…

Dr. Stefan Ebener: Genau. Der Titel meiner Doktorarbeit lautet „The application of Business Analytics techniques to analyze unstructured text from various sources to complement state-of-the-art opinion leader identification and management in the European public procurement law”. Mithilfe neuronaler Netze habe ich 500 öffentliche Ausschreibungen untersucht. Zielsetzung: Muster und Auffälligkeiten zu identifizieren sowie herauszufinden, wie Hersteller den Prozess der Ausschreibungserstellung beeinflussen können.

Die Idee dazu ist in einer Phase entstanden, während der ich beruflich mit Ausschreibungen zu tun hatte. Ich war überrascht, dass in vielen Dokumenten wiederholt ähnliche oder gar gleiche Anforderungen zu lesen waren und es immer die gleichen fünf bis sechs IT-Unternehmen waren, die entsprechende Verfahren für sich entscheiden konnten. Unter Kollegen haben wir das den IBM-Faktor genannt. Im Zuge meiner Arbeit habe ich dann u.a. neun Strategien entwickelt, mit denen man bestimmte Unternehmen ausschließen konnte. Wer beispielsweise deutschen Support verlangt, kann davon ausgehen, dass kein Start-up den Zuschlag erhält.

Sie haben berufsbegleitend an der UCAM – FOM Doctoral School of Business promoviert – on top zu Job, Familie und Freunden. Gibt es so etwas wie ein Erfolgsrezept?

Dr. Stefan Ebener: Im ersten Jahr habe ich nur abends und am Wochenende an meiner Dissertation gearbeitet. Am Ende dieser zwölf Monate hatte ich zwar viel gelesen, aber nur 20 Seiten zu Papier gebracht, weil doch immer mal wieder was dazwischen gekommen ist. Danach habe ich mein System radikal umgestellt und jeden Morgen von 6:00 bis 8:30 Uhr an meinem Thema gearbeitet. Das hat für mich wunderbar funktioniert. Ein Vorteil war die Kontinuität: Was ich gestern entwickelt hatte, war heute direkt wieder präsent. Darüber hinaus war der Fortschritt, den man sehen kann, sehr motivierend. Das hat sich dann auch positiv auf die Note ausgewirkt: Ich habe summa cum laude abgeschlossen.

Aus welchem Grund haben Sie promoviert?

Dr. Stefan Ebener: Für mich selbst war eine Promotion zunächst überhaupt kein Thema. Prof. Dr. Buchkremer ist nach meiner Master-Arbeit auf mich zugekommen und hat gefragt, ob ich nicht weiter in diesem Bereich forschen möchte. Da habe ich mir das erste Mal Gedanken darüber gemacht. Nach und nach ist dieses Pflänzchen dann gewachsen und schließlich habe ich ein Exposé eingereicht.

Zahlt sich der Doktortitel beruflich aus?

Dr. Stefan Ebener: Ich arbeite im Kundenbereich – da hat der Titel in der Tat eine große Wirkung. Man hat automatisch eine Kompetenzvermutung auf seiner Seite. Darüber hinaus werde ich deutlich öfter auch zu bezahlten Vorträgen eingeladen. Das hat natürlich was.

Können Sie sich vorstellen, ganz in die Forschung zu wechseln?

Dr. Stefan Ebener: Momentan noch nicht, aber der Gedanken, ausschließlich forschend tätig zu sein, hat durchaus seinen Reiz. Vielleicht in ein paar Jahren…

Forschung international

Prof. Dr. Braun auf Konferenzen in Sardinien und Slowenien vertreten

Erfolg für FOM Professor Dr. Dirk Braun: Der Wissenschaftler des isf Institute for Strategic Finance ist im Juni auf zwei Konferenzen vertreten. Zunächst auf der Summer Conference der IABE International Academy of Business and Economics im sardinischen Alghero, anschließend auf der 30. Bled eConference in Slowenien.

Prof. Dr. Dirk Braun
Prof. Dr. Dirk Braun

In Alghero präsentiert er einen Beitrag, der unter dem Titel „Payment-Consumption Order in Pay What You Want-Pricing: Theory and Evidence from Two Field Experiments“ zur Veröffentlichung im International Journal of Business Strategy angenommen wurde. Co-Autor ist Prof. Dr. Marcus Kunter von der Europäischen Fachhochschule. „Gemeinsam haben wir uns den Preismechanismus ‚Pay what you want‘ angesehen. Dabei liegt die Kontrolle über die Festlegung des Preises für ein Produkt oder eine Dienstleistung in den Händen der Käufer*innen: Sie zahlen vor oder nach dem Verbrauch eine Summe, die ihnen angemessen erscheint“, erläutert Prof. Dr. Braun. Die beiden Wissenschaftler sind davon ausgegangen, dass Zahlungen, die nach dem Verbrauch getätigt werden, höher ausfallen als die Vorher-Zahlungen. „Das liegt in erster Linie daran, dass bei der Nachher-Zahlung das Argument, man könne den Wert des Produktes oder der Dienstleistung nicht richtig einschätzen, entfällt. Deshalb empfinden die Käufer*innen ein höheres psychosoziales Risiko, nicht genug gezahlt zu haben.“ Getestet wurde diese Annahme in zwei Feldexperimenten – in einem Solarium und in einem Museum.

Der Beitrag für die Konferenz in Bled steht unter dem Titel „Sucess Factors for Effective Customer Interaction in Digital Sales – a Case from the Digital Investment Service Industry“. Er ist in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Roger Bons vom ifid Institut für IT-Management & Digitalisierung und Prof. Dr. Rüdiger Nitzsch von der RWTH Aachen entstanden. Thema: die Digitalisierung der Finanzbranche. „Wir stellen einen Ansatz zur Weiterentwicklung bestehender Beratungs- und Dienstleistungen im Privatkundengeschäft von Banken und Vermögensverwaltern vor“, geht Prof. Dr. Braun ins Detail. Digitalisierung und Kundenbindung würden sich dabei nicht ausschließen. Ganz im Gegenteil: „Hybride Angebote weisen erhebliche Potenziale auf. Zum Beispiel, wenn bereits im Vorfeld einer persönlichen Beratung sowohl die aufsichtsrechtlichen und regulatorischen Anforderungen als auch die Datenbasis in einer digitalen Umgebung festgehalten werden, und sich Berater und Kunde im Gespräch vollkommen auf das Wesentliche konzentrieren können.“

Von Big Data bis Digitalisierung

Neues FOM-Institut nimmt Anwendungsfelder der Wirtschaftsinformatik ins Visier

Startschuss für das ifid Institut für IT-Management & Digitalisierung: Im Rahmen der FOM-Dozententage 2017 in Essen nahm das Direktoren-Team – bestehend aus Prof. Dr. Uwe Kern und seinem Stellvertreter Prof. Dr. Rüdiger Buchkremer – die Gründungsurkunden entgegen. Gemeinsam wollen sie mit wissenschaftlichen Kolleginnen und Kollegen in den drei großen Anwendungsfeldern der Wirtschaftsinformatik arbeiten: Big Data, Digitalisierung und digitales Lernen.

Prof. Dr. Thomas Heupel, Prof. Dr. Rüdiger Buchkremer, Prof. Dr. Uwe Kern und Prof. Dr. Burghard Hermeier (v.l., Foto: Tom Schulte)
Prof. Dr. Thomas Heupel, Prof. Dr. Rüdiger Buchkremer, Prof. Dr. Uwe Kern und Prof. Dr. Burghard Hermeier (v.l., Foto: Tom Schulte)


„Konkret umfassen unsere Aufgaben Forschung und Entwicklung, Wissenstransfer und Innovationsförderung an der Schnittstelle von Wissenschaft und Praxis“, erläutert Prof. Dr. Kern. Auch der Transfer von Forschungserkenntnissen in die Lehre werde eine große Rolle spielen. „Um diese Aufgaben zu erfüllen, wollen wir FOM-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in regionalen Forschungsgruppen zusammenbringen“, so der ifid-Direktor. Ein erstes (europäisches) Projekt läuft bereits: Im Rahmen von eComma entstehen Jobprofile und Qualifizierungsangebote für E-Commerce und digitales Marketing, die sowohl dem Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR) als auch dem branchenspezifischen e-Competence Framework entsprechen.

Hinter dem Projekt, das die EU im Rahmen des Programms Erasmus+ mit ca. 300.000 Euro fördert, stehen – neben der FOM – die Wroclaw University of Economics als Antragssteller, die Association pour la Promotion Sociale (Bordeaux), das Centro Italiano per l’Apprendimento Permanente (Rom), die Gazi Universitesi (Ankara) sowie die Münchner eurpoma GmbH & Co. KG. „Jeder Partner leitet ein Arbeitspaket entsprechend seiner Kompetenzen“, sagt Dr. Michael Negri, der das Projekt gemeinsam mit Prof. Dr. Uwe Kern auf ifid-Seite steuert. „Einer unserer Schwerpunkte ist beispielsweise die Erstellung der relevanten Curricula: Welche Berufsbilder gibt es? Welche Kompetenzen sind damit verbunden? Und wie kann man sich diese Kompetenzen aneignen?“

Ein weiteres Asset des neugegründeten Instituts: die Kooperation mit Software-Hersteller SAS. „Das Unternehmen arbeitet seit fünf Jahren erfolgreich mit der FOM zusammen und ermöglicht ihren Studierenden, seine Business Intelligence Software für Forschungszwecke zu nutzen“, erklärt Prof. Dr. Buchkremer. „Auf dieser Basis sind bereits mehr als 100 studentische Projekte umgesetzt worden und einige wissenschaftliche Publikationen entstanden. Diese Zusammenarbeit werden wir mit dem Start des ifid natürlich intensivieren.“

Einflussfaktoren der Krankenhauswahl

Prof. Dr. Matusiewicz stellte Projektergebnisse bei den Gesundheitsforen Leipzig vor

Via Text Mining lassen sich Faktoren identifizieren, nach denen Patientinnen und Patienten ein Krankenhaus auswählen. Zu dieser Erkenntnis sind die FOM-Wissenschaftler Prof. Dr. Rüdiger Buchkremer und Prof. Dr. Sascha Koch im Rahmen eines Forschungsprojektes gelangt. Was das für die Praxis bedeutet und welche Vorteile Krankenhäuser daraus ziehen können, stellte Prof. Dr. David Matusiewicz am 7. März in Leipzig zur Diskussion. Der Direktor des ifgs Institut für Gesundheit & Soziales nahm als Referent an den Gesundheitsforen Leipzig teil.

Prof. Dr. David Matusiewicz
Prof. Dr. David Matusiewicz

Am Anfang seines Vortrages stand ein Praxisexkurs: Prof. Dr. Matusiewicz zeigte am Beispiel des Klinikums Essen-Mitte, wie Krankenhäuser Big Data nutzen können. U.a. lassen sich Zugangswege stationär aufgenommener Patientinnen und Patienten feststellen. 45 Prozent von ihnen werden durch Ärztinnen und Ärzte eingewiesen, 30 Prozent weisen sich selbst ein, bei 15 Prozent handelt es sich um Notfälle und 10 Prozent werden verlegt. „Den größten Einfluss auf die Krankenhauswahl haben also nach wie vor niedergelassene Medizinerinnen und Mediziner, es lässt sich aber auch eine deutliche Entwicklung hin zur mündigen Patientin bzw. zum mündigen Patienten feststellen“, betonte der ifgs-Direktor. „38 Prozent aller Deutschen nutzen verstärkt das Internet, um sich zum Thema Gesundheit zu informieren – zum Beispiel in sozialen Netzwerken oder Selbsthilfeforen. Auch Bewertungsplattformen und Online-Terminbuchen werden zunehmend herangezogen.“ Für die Krankenhäuser bedeute das: Im Internet geäußerte Meinungen spielen eine immer bedeutender werdende Rolle für ihre Attraktivität und haben damit maßgeblichen Einfluss auf Patientenströme.

Allerdings – und an dieser Stelle schlug Prof. Dr. Matusiewicz den Bogen zu den Ergebnissen des FOM-Forschungsprojektes – bewerten Patientinnen und Patienten weniger die medizinische Qualität als Aspekte wie die Freundlichkeit des Personals. „Gesundung ist generell keine Voraussetzung für eine positive Bewertung. Auch die Art der Behandlung und deren Effektivität werden selten bewertet. Stattdessen geht es häufig um das Verhalten von Ärztinnen und Ärzten und vom Pflegepersonal: Die Patientinnen und Patienten wollen wahrgenommen und respektiert werden“, erklärte der FOM-Wissenschaftler.

Aus diesen Erkenntnissen leitete er einige Maßnahmen für Gesundheitsakteure ab. „Anhand der Online-Bewertungen lassen sich zum Beispiel die eigene Reputation überprüfen, Schwachstellen identifizieren und Vergleiche mit den Wettbewerbern anstellen“, so Prof. Dr. Matusiewicz. Darüber hinaus seien sie eine wertvolle Ergänzung der – eventuell existierenden – papiergebundenen Zufriedenheitsanalysen, die Krankenhäuser selbst durchführen. „Allerdings stehen viele Einrichtungen erst am Anfang solcher Entwicklungen. Deshalb sind spezialisierte Hochschulen und Forschungseinrichtungen als Impulsgeber und Helfer gefragt.“ Die FOM beispielsweise plane, das Projekt von Prof. Dr. Buchkremer und Prof. Dr. Koch auszuweiten. Zielsetzung sei es, Gesundheitseinrichtungen zielgerichtet beim Umgang mit Big Data unterstützen.