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3. FOM Ausbilderkonferenz in Hannover

Mobil macht attraktiv: neue Wege der Mitarbeitergewinnung und -bindung

Prof. Dr. Christian Rüttgers bei der Ausbilderkonferenz in Hannover (Foto: FOM)
Prof. Dr. Christian Rüttgers bei der Ausbilderkonferenz in Hannover (Foto: FOM)

Mit der digitalen Transformation verändert sich die Erwartungshaltung der Berufseinsteiger. Junge Beschäftigte möchten die Möglichkeiten mobiler Arbeitsgeräte nutzen, um Privat- und Berufsleben besser miteinander zu vereinbaren. Darauf werden sich Behörden und Unternehmen einstellen müssen, wenn sie für den Nachwuchs attraktiver werden wollen, so das Fazit von Prof. Dr. Christian Rüttgers auf der 3. FOM Ausbilderkonferenz in Hannover.

Knapp zwei Dutzend Personaler diskutierten bei der Veranstaltung von FOM und AGA Norddeutscher Unternehmensverband intensiv über die Ergebnisse des Forschungsprojektes DIGITRANS, die Rüttgers zusammen mit Katharina Hochgürtel zusammengetragen hatte.

„Die Unternehmen spüren, dass sich etwas grundlegend verändert, und suchen nach Möglichkeiten, darauf möglichst effektiv zu reagieren. Dafür haben wir mit der FOM Ausbilderkonferenz eine zugkräftige Plattform angeboten“, kommentierte Dr. Dania Recker die hohe Teilnehmerzahl. Die Geschäftsleiterin der FOM in Hannover hatte die Konferenz gemeinsam mit Philipp Neddermeyer, AGA-Landesgeschäftsführer Niedersachsen eröffnet. Denn viele Behörden und Firmen tun sich schwer, geeigneten Nachwuchs zu finden und dauerhaft an sich zu binden. „Da stellt sich die Frage: Was ist den Berufseinsteigern, vor allem den kommenden Azubis, wirklich wichtig?“, fragte Rüttgers. Der FOM Professor und stellvertretende Direktor des ipo – Institut für Personal- & Organisationsforschung der FOM hat die Unternehmen im Blick, die in Zeiten zunehmenden Fachkräftemangels den Nachwuchs umgarnen möchten.

„Unsere Forschungen zeigen, dass mobile Arbeitsgeräte wie Smartphone und Tablet dazu beitragen, das Gefühl von Arbeitsflexibilität zu stärken, welches Berufseinsteigern heute so wichtig ist“, sagte er. Unternehmen sollten daher überlegen, das gelegentliche mobile Arbeiten von zuhause aus zu ermöglichen. „Das schafft Flexibilität, wenn das Kind krank ist oder ein Handwerker kommt.“ Und selbst wenn bei spontaner Heimarbeit nicht auf alle Daten zugegriffen werden könne, ließen sich viele Dinge schon durch simplen E-Mail-Zugriff via Smartphone regeln.

„Mehr Flexibilität erhöht allerdings auch die Verantwortung der Firmen, da ständige Erreichbarkeit ein Stressfaktor werden kann“, betonte Rüttgers und verwies auf das Verhalten der Führungskräfte, das ohnehin der entscheidende Faktor für die emotionale Bindung und die Arbeitszufriedenheit sei. „Smartphone und Home Office können schlechte Führungsqualität nicht ausgleichen, sie können aber ein Pluspunkt bei der Gewinnung und beim Halten von Berufseinsteigern sein“, sagte der Forscher. „Wir empfehlen daher das Messen von Führungsqualität durch jährliche Mitarbeiterbefragungen und die Integration von Digitalisierungsthemen in Führungskräftetrainings.“

Reger Austausch bei der Ausbilderkonferenz (Foto: FOM)
Reger Austausch bei der Ausbilderkonferenz (Foto: FOM)

Auswirkungen der Digitalisierung im Fokus der FOM Ausbilderkonferenz

„Mehr Flexibilität erfordert mehr Verantwortung“

„Unsere Forschungen zeigen, dass bei den jungen Beschäftigten mit einer höheren Nutzungsintensität von mobilen Arbeitsgeräten ein starkes Gefühl der Arbeitsflexibilität entsteht. Daraus ergeben sich höhere Ausprägungen von emotionaler Bindung und Arbeitszufriedenheit“, fasste Prof. Dr. Christian Rüttgers die Ergebnisse seines Forschungsprojektes DIGITRANS zusammen. Diese präsentierte der FOM Professor und stellvertretende Direktor des ipo – Institut für Personal- & Organisationsforschung an der FOM im Rahmen der FOM Ausbilderkonferenz am Hochschulzentrum in Bremen.

FOM Prof. Dr. Christian Rüttgers stellte die Ergebnisste seines Forschungsprojektes DIGITRANS vor (Foto: FOM)
FOM Prof. Dr. Christian Rüttgers stellte die Ergebnisste seines Forschungsprojektes DIGITRANS vor (Foto: FOM)

Im Fokus der Forschung stand der Einfluss der Digitalisierung auf den Arbeitsalltag. Prof. Dr. Christian Rüttgers zeigte unter anderem auf, dass sich neben mobilen Arbeitsgeräten auch die Möglichkeit von Home Office, flexible Arbeitszeiten sowie ein Zeiterfassungssystem positiv auf die wahrgenommene Arbeitsflexibilität bei jungen Arbeitnehmern auswirken und somit zur Mitarbeiterbindung beitragen. Deshalb riet er den anwesenden Personalverantwortlichen: „Unternehmen sollten das gelegentliche mobile Arbeiten der Beschäftigten von zuhause ausbauen. Das schafft Flexibilität. Selbst wenn bei einer spontanen Heimarbeit einmal nicht auf alle Dateien und Programme zugegriffen werden kann: Die wichtigsten Angelegenheiten lassen sich häufig schon durch einen einfachen E-Mail-Zugriff auf dem Smartphone regeln.“

Gleichzeitig wies er auch auf die Schattenseiten mobiler Informations- und Kommunikationstechnologien hin. So würde mehr Flexibilität auch mehr Verantwortung bedeuten, was wiederum das Gefühl ständig erreichbar sein zu müssen verstärke. Ausschlaggebend sei dabei das Verhalten der Führungskräfte. „Wir empfehlen daher das Messen von Führungsqualität durch jährlich stattfindende Mitarbeiterbefragungen und die Integration von Digitalisierungsthemen in Führungskräftetrainings.“

FOM Professoren zu Gast beim VHB

Lassen sich Praktiker-Datensätze in der Forschung verwenden?

Ende September 2017 hat die Kommission Personal des Verbandes der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft zu ihrem alljährlichen Herbstworkshop geladen. Die Veranstaltung bietet Professorinnen und Professoren sowie Doktorandinnen und Doktoranden aus dem Personalwesen die Möglichkeit, über ihre Forschungsaktivitäten zu berichten. Auch Prof. Dr. Heiko Weckmüller und Prof. Dr. Joachim Schwarz von der FOM Hochschule waren nach Paderborn gereist. Titel ihres Vortrages: „From Relevance to Rigor? Vorteile und Grenzen der komplementären Nutzung nicht-wissenschaftlicher Beschäftigtenbefragungen“.

„Der VHB ist DIE zentrale Organisation der Lehrenden für BWL an deutschen Hochschulen“, so Prof. Dr. Schwarz, „deshalb haben wir uns umso mehr über die Akzeptanz unseres Beitrags und die Einladung zum Vortrag gefreut“, so der Wissenschaftler des ifes Institut für Empirie & Statistik. Im Zentrum des Beitrages stand die Frage, inwieweit sich Praktiker-Datensätze für die wissenschaftliche Forschung verwenden lassen. „Häufig arbeitet die Forschung mit nicht-repräsentativen Datensätzen, um personalwirtschaftliche Modelle zu prüfen“, erläutert Prof. Dr. Weckmüller vom ipo Institut für Personal- & Organisationsforschung die Problematik. „In der Praxis hingegen gibt es Datensätze, die repräsentativ für alle Beschäftigten sind, aber nicht mit einer wissenschaftlichen Zielsetzung erhoben wurden und damit per se nicht für die Wissenschaft nutzbar sind. Das wollen wir ändern.“

Die beiden FOM Forschenden stellten beim VHB-Herbstworkshop einen Ansatz vor, wie sich derartige Datensätze für die Erforschung wissenschaftlicher Fragestellungen nutzen lassen. Dazu haben sie ein theoretisches Modell zur Erklärung von Kündigungsneigungen von Arbeitnehmenden herangezogen und dieses mit der Datenbasis des DGB-Index „Gute Arbeit“ verprobt. In ihrem Vortrag zeigten sie Probleme und Lösungsansätze zur Nutzung dieses Datensatzes für die Forschung auf.

Online-Umfrage

Fake News & Social Bots – Die neuen geheimen Verführer?

Als Informationslieferanten liegen Facebook, Twitter & Co. ganz klar vor Zeitung, Fernsehen und Radio. Das geht aus einer Online-Umfrage hervor, für die Forschende der FOM Hochschule über 2.500 zukünftige Fach- und Führungskräfte befragten. „Das Paradoxe daran: Wenn es um die Glaubwürdigkeit der Informationen geht, bilden die sozialen Medien das Schlusslicht“, so Prof. Dr. Marco Zimmer, der gemeinsam mit Prof. Dr. Silvia Boßow-Thies, Prof. Dr. Michael Ceyp und Prof. Dr. Marion Preuß an der Studie gearbeitet hat. „Vor allem bei Qualität und Vielseitigkeit der Infos sehen die Befragten Verbesserungspotenzial.“ Als wesentlich glaubwürdiger schätzen die Probanden klassische Medien ein: öffentlich-rechtliches Fernsehen und Radio sowie die klassischen Tageszeitungen.

Foto: Cn0ra/Thinkstock
Foto: Cn0ra/Thinkstock


„Erstaunlich ist, dass die Befragten eine relativ kritische Grundhaltung haben, wenn es um den Wahrheitsgehalt von Meldungen auf Social-Media-Plattformen geht“, sagt Prof. Dr. Silvia Boßow-Thies. „Fast 60 Prozent gehen von einem Fake-News-Anteil von mehr als 50 Prozent aus. In den Augen von 70 Prozent wird sich dieser Anteil bis zur Bundestagswahl sogar noch weiter erhöhen.“ Die Folge: Über 90 Prozent der Befragten fordern einen proaktiven Umgang mit Fake News und Accounts – zum Beispiel durch Löschen (50,2 Prozent) oder Markieren (43 Prozent) der entsprechenden Meldungen.

Ganz anders ist die Haltung zu Social Bots, also Computerprogrammen, die automatisch und selbstständig Antworten auf Einträge in sozialen Netzwerken posten. „Die Gefahr dieser Programme zur Imitation menschlicher Verhaltensweisen wird von der Mehrheit der Befragten nicht erkannt“, erklärt Prof. Dr. Michael Ceyp. „19 Prozent fragen sich nie, über 43 Prozent nur manchmal, ob eine Nachricht von einem Menschen oder einer Maschine stammt.“ Hauptindikatoren zur Beurteilung sind der Schreibstil, Informationen über den Account sowie die Anzahl der Likes und die Reaktionsgeschwindigkeit des Accounts. Plattformen zur Überprüfung von Social Bots – beispielsweise Botometer oder DeBot für Twitter – kennen lediglich 6,7 Prozent der Befragten.

Die kompletten Ergebnisse der nicht-repräsentativen Befragung „Fake News und Social Bots – Die neuen geheimen Verführer?“ stehen als PDF-Datei zur Verfügung. Durchgeführt wurde die Studie im März und April 2017 mit Unterstützung von Studierenden der FOM Hochschule in Hamburg. 2.588 angehende Fach- und Führungskräfte nahmen an der Umfrage teil.

Agilitätsbarometer 2017

Scrum, Swarming & Co. werden kaum genutzt

Angesichts der Digitalisierung stoßen traditionelle Ansätze betriebswirtschaftlichen Denkens und Handelns an ihre Grenzen. Agile Managementmethoden sollen Komplexität, Unsicherheit und Veränderungsdynamik besser auffangen. Ob das auch im Unternehmensalltag angekommen ist, haben Haufe und die Unternehmensberatung Promerit untersucht: Für ihren Agilitätsbarometer 2017 wurden 1.812 Mitarbeitende und über 1.000 Führungskräfte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt. Studienleiter war Prof. Dr. Heiko Weckmüller vom ipo Institut für Personal- & Organisationsforschung der FOM Hochschule.

Foto: armiblue/Thinkstock
Foto: armiblue/Thinkstock


„Wissen und Kenntnis über agile Methoden sind nach wie vor gering“, fasst der Wissenschaftler die Ergebnisse zusammen. „Das Tool Scrum, den Swarming-Ansatz und das Organisationskonzept Holokratie kennen beispielsweise ca. 80 Prozent der Mitarbeitenden nicht. Etwas besser sieht es bei Design Thinking (57 Prozent) und fluiden Strukturen (61 Prozent) aus.“ Analog dazu geben 90 Prozent der Mitarbeitenden und 70 Prozent der Führungskräfte an, nie agile Methoden zu benutzen. Trotzdem schätzen sie die Agilität des eigenen Unternehmens positiv ein, so Prof. Dr. Weckmüller: „In den Augen von 68 Prozent der befragten Führungskräfte ist ihre Firma mit Blick auf den Wettbewerb agiler oder überdurchschnittlich agil. Unter den Mitarbeitenden sehen das 54 Prozent so.“

Positiv fällt auch das Urteil derer aus, die agile Methoden persönlich nutzen oder in deren Unternehmen die entsprechenden Tools bereits zum Einsatz kommen: Fast 70 Prozent von ihnen geben an, dass sich Effizienz und Effektivität dadurch stark oder etwas verbessert haben, lediglich fünf Prozent nehmen eine Verschlechterung wahr. „Angesichts solcher Rückmeldungen wird die Zahl derer, die auf Scrum, Swarming & Co. setzen, in Zukunft steigen“, prognostiziert Prof. Dr. Weckmüller. Schon jetzt würden 64 Prozent der Führungskräfte den erstmaligen Einsatz oder die Ausweitung des Einsatzes agiler Methoden bei ihrem Arbeitgeber für sehr sinnvoll oder sinnvoll halten. „Die Gründe für eine solche Ausrichtung heißen Prozessoptimierung, Kostensenkung sowie Anpassung an die Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden“, so der ipo-Wissenschaftler vom FOM Hochschulzentrum in Bonn.