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Aufsichtsräte in Deutschland

„Diversität wird Normalität“

Prof. Dr. Peter Ruhwedel
Prof. Dr. Peter Ruhwedel stellte an der FOM in München Ergebnisse seines jährlichen Aufsichtsrats-Scores vor (Fotos: FOM)

Bei einer hochkarätigen Veranstaltung der Initiative Frauen in die Aufsichtsräte (FidAR) und der FOM Hochschule konnten sich rund 80 Gäste in München ein differenziertes Bild von der Arbeit erfahrener Aufsichtsrätinnen machen. Aus eigenen Erfahrungen in verschiedenen Aufsichtsräten berichteten Dr. Heike Hangarth (Lanxess AG), Dr. Marita Kraemer (UniCredit Bank AG), Renate Braun (Donner & Reuschel AG) und Sonja Zollner (Nokia Solutions & Networks Management GmbH).

Nach einer Begrüßung durch Prof. Dr. Marcus Helfrich, wissenschaftlicher Studienleiter Master/MBA an der FOM München, und Sabine Schaedle, Regionalvorstand FidAR Süd, sprach zunächst FidAR-Vizepräsidentin Elke Benning-Rohnke über die Chancen einer guten Umsetzung des Gesetzes zur gleichberechtigten Teilhabe. „Ich wünsche mir, dass all die Frauen, die in Konzernen arbeiten, genauer auf die Zusammensetzung der Aufsichtsräte schauen und versuchen, eine paritätische Besetzung zu erwirken. Und ich würde mir wünschen, dass jede Frau, die selbständig oder in führender Positionen tätig ist, jeden Monat einen Mann für FidAR gewinnt und jede Woche eine Frau weiterempfiehlt. Das ist der Lagarde-Ansatz", sagte sie mit Blick auf IWF-Direktorin Christine Lagarde, die als Wirtschaftsministerin bei Unternehmensbesuchen stets eine Liste mit passenden Frauen dabei hatte.

Impressionen der Veranstaltung

 

Prof. Dr. Peter Ruhwedel, wissenschaftlicher Leiter des KCU KompetenzCentrum für Unternehmensführung & Corporate Governance der FOM Hochschule, stellte danach ausgewählte Ergebnisse seines Aufsichtsrats-Scores 2016 vor. Darin nahm er DAX- und MDAX-Unternehmen in puncto Arbeitsweise, Eignung, Diversität und Transparenz unter die Lupe. „Die wachsende Sachorientierung bei der Auswahl von Gremiums-Mitgliedern wird weiter steigen und damit die Diversität stärken“, so Ruhwedel. Ein wesentliches Ergebnis seiner Studie sei, dass Aufsichtsräte mit einem höheren Frauenanteil tendenziell besser abschnitten. Auch wenn eine Erhöhung des Frauenanteils nicht zwangsläufig zu einer Verbesserung der Aufsichtsratstätigkeit beitrage, sei dies ein klares Indiz für den Willen des Gremiums, sich weiterzuentwickeln. Dazu gehöre auch, dass Diversität zur Normalität werde.

In der anschließenden lebhaften Podiumsrunde unter der Moderation von Prof. Dr. Anja Seng berichteten erfahrene Aufsichtsrätinnen über die Herausforderungen, die mit dieser Aufgabe verbunden sind. Neben Fach- und Branchenkenntnissen seien auch unternehmerisches Denken und persönliche Ambitionen wichtig, sagte beispielsweise Dr. Heike Hanagarth. Dr. Marita Krämer ergänzte, dass es nötig sei, Verantwortung zu übernehmen und mitgestalten zu wollen. Sonja Zollner zeigte auf, wie interessant die Kombination von operativem Tagesgeschäft auf der einen und der Aufsichtsfunktion auf der anderen Seite ist. „Gerade ein Engagement in internen Gremien bietet beste Voraussetzungen, um sich auch für externe Aufsichtsfunktionen zu empfehlen.“ Renate Braun mahnte abschließend: „Wir können uns nicht auf der Quote ausruhen; wir sind ihr auch verpflichtet.“ 

FOM und FidAR laden ein

Welche Erfahrungen machen Frauen in Aufsichtsräten?

Prof. Dr. Peter Ruhwedel stellt die Ergebnisse seines Aufsichtsrats-Scores an der FOM in München vor.
Prof. Dr. Peter Ruhwedel (Foto: FOM)

Wie arbeiten die Aufsichtsräte der Deutschen Bank, von Siemens, adidas und Co.? Welche Entwicklungen gibt es dort in puncto Diversity? Einblicke in die Arbeit von Aufsichtsräten in Deutschland gibt Prof Dr. Peter Ruhwedel, wissenschaftlicher Leiter des KCU KompetenzCentrum für Unternehmensführung & Corporate Governance der FOM, am 27. April in München. Am FOM Hochschulzentrum wird er die Ergebnisse seines aktuellen Aufsichtsrats-Scores vorstellen. Dabei geht es um die Effizienz und Transparenz der Arbeit sowie um die Besetzung von Aufsichtsräten.

Im Anschluss an die Präsentation diskutieren Expertinnen aus Beratung, Wirtschaft und Wissenschaft in einem Podiumsgespräch über ihre persönlichen Erfahrungen in Aufsichtsratsgremien. Moderiert wird die Diskussion von Prof. Dr. Anja Seng. Die Rektoratsbeauftragte für Diversity Management an der FOM Hochschule hat die kostenfreie Veranstaltung gemeinsam mit dem Verein FidAR – Frauen in die Aufsichtsräte organisiert.

Los geht es am 27. April um 18 Uhr in der Münchner Arnulfstraße 30. Anmeldungen nimmt Cornelia Steffelbauer per E-Mail unter cornelia.steffelbauer@fom.de oder telefonisch unter 089 202452-07 entgegen.

Aktuelles

Kirche kreativ gestalten: Internationaler Kongress zum Kirchenmanagement mit FOM-Beteiligung

Wie soll in 20 Jahren das Management in der katholischen Kirche aussehen? Diese Frage steht im Zentrum des International Festival of Creativity in Church Management vom 23. bis 25. März in Rom. Die Organisatoren: eine der führenden katholischen Business Schools aus den USA – das Center for Church Management and Business Ethics der Villanova University – und die renommierte Päpstliche Lateranuniversität. Auf der Referent*innen-Liste steht auch Prof. Dr. Thomas Suermann de Nocker. Der Wissenschaftler des KCU KompetenzCentrum für Unternehmensführung & Corporate Governance forscht seit Jahren an der Schnittstelle von BWL und Theologie und geht in seinem Vortrag auf aktuelle Entwicklung von Verwaltung und Management der Kirche in Deutschland ein.

Prof. Dr. Thomas Suermann de Nocker
Prof. Dr. Thomas Suermann de Nocker

„Der Kongress ist der erste seiner Art und geht zurück auf eine Initiative von Papst Franziskus, der viele Strukturen neu denken möchte“, erläutert Prof. Dr. Suermann de Nocker den Hintergrund der Veranstaltung. „Geplant ist das Ganze als Festival, das Wissenschaft und Praxis zusammenbringt. Das äußert sich zum Beispiel darin, dass ganz unterschiedliche Formate zum Einsatz kommen – Vorträge und Diskussionsforen, aber auch Kreativitätsworkshops – und Vortragende von allen fünf Kontinenten eingeladen sind.“ Aus Deutschland reisen neben dem FOM-Professor beispielsweise zwei Theologinnen der Ruhr-Universität Bochum sowie ein Controller der Katholischen Universität Eichstätt an.

Prof. Dr. Suermann de Nockers Vortrag findet am 23. März statt. Seine Themen: die Zukunft der kirchlichen Kindergärten, eine sinnvolle Entlastung von Seelsorgern bei Verwaltungsaufgaben, mögliche Verwaltungsoptimierungen sowie die Einführung neuer Steuerungsinstrumente. „Dabei wird deutlich: Die katholische Kirche ist in Deutschland anders aufgestellt als in anderen Ländern. Durch Steuereinnahmen kann sie viele Dienstleistungen anbieten, muss aber gleichzeitig besonderen Ansprüchen an die Verwaltung gerecht werden“, so der KCU-Experte.