KCI

Forschungszweige

Ziel des Bereichs der interdisziplinären Wirtschaftsforschung ist es, Verbindungen zwischen der Ökonomik und anderen Wissenschaftsdisziplinen, wie z.B. der Anthropologie, der Soziologie, der Psychologie, der Biologie etc. zu identifizieren, Verbindungen zu erkennen und Erkenntnisse aus beiden Bereichen nutzbar zu machen. Es geht bei der Suche nach den Verbindungen nicht um eine Ökonomisierung des menschlichen Verhaltens sondern um eine Beschreibung und Analyse von Verhalten, Entscheidungen und Kommunikation vor dem Hintergrund unbewusster Einflussgrößen.

Hierbei existieren zwei Perspektiven. Zum einen die Analyse, welche Ansätze, Konzepte und Modelle der Wirtschaftswissenschaften auf andere, fremde Bereiche zur Erklärung von Phänomenen übertragen werden können; zum anderen inwieweit Ansätze aus anderen Disziplinen dazu beitragen können, dass realitätsnähere Erklärungsmodelle in der BWL und der VWL entstehen.

In den vergangenen 30 Jahren hat sich in der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung viel getan. Spätestens seit der Verleihung des Nobelpreises für Ökonomie im Jahr 2002 an die Sozialwissenschaftler Daniel Kahnemann und Vernon L. Smith hat sich die Verhaltensökonomik als neuer Teilbereich der Wirtschaftswissenschaften etabliert.

Die Verhaltensökonomik kontrastiert tatsächliche, in der Realität beobachtbare menschliche Verhaltensweisen mit den Vorhersagen der traditionellen ökonomischen Theorie. Oftmals werden dabei entscheidende Abweichungen festgestellt. Diese werden systematisch und interdisziplinär untersucht (zum Beispiel mit Hilfe von Experimenten); diese Abweichungen dienen ferner als Grundlage zur Weiterentwicklung der klassischen ökonomischen Modelle.

Das Untersuchungsfeld der Verhaltensökonomik ist somit die Verhaltensökonomie.

Bis vor wenigen Jahren war das ökonomische Verständnis von Menschen klar umrissen. Der Mensch ist ein rationales Wesen. Er weiß, was gut für ihn ist. Er kennt seine Präferenzen und kann für sich optimale Entscheidungen treffen, die zu ihm passen. Er isst, was er für richtig hält. Er kauft das Auto, das ihm den größten persönlichen Nutzen bringt. Und auch seine finanziellen Angelegenheiten gestaltet er so, dass er für den Ruhestand optimal vorgesorgt und genug Ersparnisse für die Erfüllung aller Pläne hat.

Beispiele für die Verhaltensökonomie betreffen das freiwillige Zahlen von Beiträgen, eine gewisse Fairness bei der Aufteilung eines Kuchens zwischen zwei fremden Personen, aber auch offensichtlich irrationales Verhalten wie die nicht genutzte Fitnessclubjahresmitgliedschaft, erfolglose Diäten, das Aufschieben unangenehmer Tätigkeiten, das schnelle und limitierte Entscheiden als Manager, sowie das relativ risikofreudige Verhalten gewisser Investmentbanker auf dem Finanzmarkt. Die Fragen der Verhaltensökonomie wurden und werden stark von der Psychologie und Soziologie sowie allgemein den Sozialwissenschaften interdisziplinär untersucht.

Die Globalisierung der Finanzmärkte hat die gängige Lehre überrollt, wonach die Finanzwirtschaft nur dazu dient, die reale Wirtschaft zu bedienen. Die Kapitalmärkte haben vielmehr ein Eigenleben entwickelt, das nicht mehr mit dem Tempo der Abläufe und Veränderungen in der Realwirtschaft synchron läuft. Das kann, etwa beim Hochgeschwindigkeitshandel von Devisen, der realen Wirtschaft stark schaden.

Es gibt seit Jahren neuere Forschungsbereiche wie die Verhaltensökonomie, die nicht von einem abstrakten Homo oeconomicus ausgeht, sondern vom realen Menschen. Das Problem ist, dass diese Erkenntnisse bisher zu wenig in wirtschaftspolitisch relevante makroökonomische Modelle eingebaut worden sind. Da ist noch viel zu tun. Das KompetenzCentrum stellt sich der Aufgabe.

KompetenzCentrum KCI
KompetenzCentrum KCI

Ansprechpartner

Lutz Hoffmann
Prof. Dr.
Lutz Hoffmann
Wissenschaftliche Gesamtleitung KCI
Winand Dittrich
Prof. Dr.
Winand Dittrich
Wissenschaftliche Leitung Bereich Verhaltensoekonomie