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Münchner FOM Professor Dr. Stefan Schmid gewinnt Bayerischen Integrationspreis

Projekt TAFF bietet Hilfe für psychisch belastete Geflüchtete

„Gesundheit ist zwar nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts!“ Unter diesem Motto zeichnete die Bayerische Landesregierung jetzt drei Projekte mit dem Integrationspreis 2022 aus. Den mit 1500 Euro dotierten 2. Platz erhielt Prof. Dr. Stefan Schmid von der FOM Hochschule in München als Mitverantwortlicher für das Projekt TAFF (Therapeutische Angebote für Flüchtlinge). 

09.05.2022 | München

Das Projekt – getragen vom Diakonischen Werk Bayern – wurde 2014 ins Leben gerufen und hilft Geflüchteten in psychischen Notlagen. An mittlerweile zehn Standorten in ganz Bayern sind 20 Mitarbeitende mit therapeutischen Zusatzqualifikationen im Einsatz. „Wir erleben Menschen, die unter Schlaflosigkeit leiden, die plötzlich sehr angespannt und gereizt sind und sich selbst gar nicht wiedererkennen. Andere wiederum sind sehr antriebslos und haben Ängste, weil sie keine Kontrolle mehr über ihr Leben haben. Unsere Aufgabe besteht einerseits in der psychologischen Erstversorgung, beispielsweise durch Gruppenangebote, Gespräche und Hilfen zur Alltagsbewältigung. Andererseits helfen wir ihnen langfristig, indem wir sie an Fachärzte, Kliniken, Psychotherapeuten und Beratungsstellen vermitteln“, beschreibt Prof. Schmid die Situation.

600 bis 900 Klienten pro Jahr

Über das Projekt haben diese vier Menschen (rechts im Bild die TAFF-Sozialpädagogin) Hilfe nach ihrer Flucht gefunden (Foto: youtube.com/bayern)

Zwischen 600 und 900 Klienten betreut das Projekt TAFF jedes Jahr. Neben Geflüchteten aus Syrien und Afghanistan benötigen aktuell auch zahlreiche Menschen aus der Ukraine Hilfe. Die Situation heute sei eine andere als in der Flüchtlingskrise 2015, so der FOM Professor. „Damals haben die Menschen Wochen und Monate auf der Flucht verbracht und wirklich schlimme Dinge erlebt. Ihre traumatischen Erlebnisse lagen beim Erstkontakt mit uns also schon länger zurück, sodass zum Teil ausgeprägte psychische Erkrankungen wie Depression oder Posttraumatische Belastungsstörungen vorlagen. Die Menschen aus der Ukraine hingegen kommen sehr schnell zu uns, zum Teil innerhalb weniger Tage. Manche stehen noch unter Schock, andere hingegen haben kaum Kriegshandlungen miterlebt. Die meisten benötigen zunächst ein offenes Ohr und Unterstützung beim Finden ihres neuen Alltags. Wir helfen ihnen, schnellstmöglich die Kontrolle über ihr Leben zurückzuerlangen.“

Prof. Dr. Stefan Schmid (ganz links) freut sich mit dem Team des Bayerischen Diakonisches Werks über den Integrationspreis der Landesregierung (Foto: privat)

Für Schmid, der an der Münchner FOM Wirtschaftspsychologie und interkulturelle Psychologie lehrt, ist das Projekt ein wichtiger Aspekt in der Versorgung psychisch belasteter Flüchtlinge im ländlichen Raum. „Hier ist die strukturelle Ausstattung im Bereich der Psychotherapie nicht besonders gut und mit unseren Kontakten vor Ort haben unsere Klienten einen besseren und schnelleren Zugang zu therapeutischen Angeboten.“ Für diese Menschen sei es wichtig, so Schmid, dass sich ihre Lebensbedingungen in Deutschland verbessern, dass sie wirklich ankommen: „Sie benötigen Sprachkenntnisse und eine Arbeit, um perspektivisch ihr Leben wieder selbst in die Hand nehmen zu können. Das ist ein wesentlicher Baustein auch für die psychische Gesundheit.“

Einen kurzen Einblick in die Arbeit des Projektes TAFF gibt es in einem Kurzfilm zur Verleihung des Bayerischen Integrationspreises 2022.