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Trotz Schichtdienst studiert Birgit Hedwig „Soziale Arbeit“ in Augsburg

„Es ist wichtig, eine gute Study-Work-Life-Balance zu finden“

05.05.2022 | Augsburg

Selbst nach einem Nachtdienst heißt es für Birgit Hedwig: Ab zum Augsburger FOM Hochschulzentrum und rein in die Vorlesung – das Bett muss noch ein paar Stunden warten. Nach fast zehn Berufsjahren im erzieherischen Bereich hat sich die Leiterin einer heilpädagogischen Wohngruppe des Evangelischen Kinder- & Jugendhilfezentrums in Augsburg für das berufsbegleitende Bachelor-Studium „Soziale Arbeit“ entschieden. Das Tages-Studium der FOM Hochschule ist für sie das ideale Modell, um Studium, Beruf und Privatleben unter einen Hut zu bekommen.

„Vor sieben Jahren habe ich die Nachtdienste noch ganz anders weggesteckt“, sagt sie und seufzt leise. Doch die blonde Frohnatur mit dem gewinnenden Lächeln ist nicht der Typ, der jammert. Sie denkt vorwärts. Ihre Grundhaltung ist der positive Blick. Sie sucht nach Stärken, nicht nach Schwächen. Diese Einstellung vertritt sie auch als Leiterin „ihrer“ Wohngruppe, in der acht Kinder und Jugendliche im Alter zwischen sieben und 16 Jahren leben. „Ich bin zwar ausgebildete Erzieherin, doch keine typische Kindergartenerzieherin, denn mich haben schon immer die älteren und teils schwer belasteten Kinder interessiert“, so die Augsburgerin.

„Gute Study-Work-Life -Balance finden“

FOM Studentin Birgit Hedwig aus Augsburg (Foto: privat)

Dass sie beruflich in diese Richtung gehen würde, war schon zu ihrer Schulzeit klar. Über ihre jüngere Schwester, die eine Behinderung hat, lernte sie die Soziale Arbeit kennen – und war fasziniert. „Soziale Arbeit ist sehr intensiv, man geht tiefe Beziehungen mit den Kindern und deren Familien ein“, erklärt Birgit Hedwig. In Kombination mit zehrenden Nacht- und Wochenenddiensten sei das auf Dauer jedoch sehr anstrengend. Ihr Fazit: Schichtdienst in einer Gruppe kann man nicht ewig machen. Das stellte auch eine befreundete Arbeitskollegin fest, mit der sie dann nach einer Fortbildungsmöglichkeit in diesem Bereich suchte, „denn in unserem Arbeitsumfeld ist mit unserer Qualifikation ein weiterer Aufstieg nicht möglich.“ Über einen Bekannten kamen die beiden Frauen auf die Augsburger FOM, die Hochschule für Berufstätige, die auch Studiengänge im Tagesmodell anbietet. Das heißt: Drei Tage pro Woche im Job arbeiten und zwei Tage studieren. „Für uns war wichtig, dass wir Studium, Beruf und Privatleben unter einen Hut bekommen, um eine gute Study-Work-Life-Balance zu finden“, erläutert Birgit Hedwig.

Birgit Hedwig studiert "Soziale Arbeit" im Tagesmodell an der Augsburger FOM Hochschule (Foto: privat)

Wissenschaftliches Arbeiten eröffnet neue Blickwinkel

Im vergangenen Herbst reduzierte sie ihre wöchentliche Arbeitszeit auf 30 Stunden. Diese leistet sie von Montag bis Mittwoch sowie an den Wochenenden und studiert donnerstags und freitags an der Hochschule für Berufstätige. Trotz der aktuellen Gehaltseinbußen und dem Auszug aus der eigenen Wohnung in eine WG überwiegen die Vorteile des Studiums: „Ich kann viel Wissen aus den Vorlesungen sofort im Arbeitsalltag umsetzen. Und das für mich neue, wissenschaftliche Arbeiten verhilft mir zu einem anderen Blickwinkel auf unsere Klienten. Dinge und Entwicklungen auch mal mit Abstand zu betrachten, ist wichtig und bringt einen weiter“, resümiert die FOM Studentin im zweiten Semester. Die Tatsache, dass sie in dem Alter, in dem andere ein Haus bauen oder eine Familie gründen, Studentin ist, bringt sie immer wieder zum Schmunzeln. Ihre Prioritäten seien eben anders als der konservative Weg. Dazu zählt für Birgit Hedwig auch, auf ihre emotionale Gesundheit zu achten, Grenzen zu setzen und sich trotz allem Zeit für sich und Freunde am besten draußen in der Natur freizuschaufeln: fürs Skifahren und Wandern in den Bergen. Ihre Mutter, die im Leben einige Hürden zu meistern hatte, habe ihr den Leitgedanken mitgegeben: „Mit positivem Elan und Durchhaltevermögen ist alles möglich.“

Inspiration auch fürs Privatleben

Apropos Möglichkeiten: Mit dem Bachelor-Abschluss eröffnen sich für die ambitionierte Augsburgerin viele neue Perspektiven im sozialen Bereich. „Ich kann mir Leitungspositionen, aber auch neue Aufgaben in der Beratung vorstellen, festlegen möchte ich mich allerdings jetzt noch nicht“, meint sie. Nach wie vor sei sie überzeugt, dass der Schritt ins berufsbegleitende Studium notwendig und richtig war. „Ich genieße es, dass meine Kommilitonen in unterschiedlichem Alter sind und jeder seine Ideen und Erfahrungen einbringt. Das ist inspirierend und motivierend – nicht nur für den Job, sondern auch fürs Privatleben.“