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FOM Studentin Viktoria Fisel trotzte Vorurteilen und Schicksalsschlägen

„Ich musste oft für meinen akademischen Anspruch kämpfen“

Das Studium ist ihr heilig. Parallel zu ihrer Karriere in der Modebranche studierte Viktoria Anna Maria Fisel an der Augsburger FOM, der Hochschule für Berufstätige. Erst absolvierte sie den Bachelor in Betriebswirtschaft & Wirtschaftspsychologie, aktuell steckt sie in den letzten Zügen ihres Master-Studiums Wirtschaftspsychologie & Beratung. Trotz großer persönlicher Schicksalsschläge und ihrem Kampf gegen Vorurteile: Ans Aufhören dachte sie nie.

03.03.2022 | Augsburg

Die Modeschule in München war einst das große Ziel von Viktoria Fisel. Nach ihrem Abitur bewarb sie sich dort – und wurde angenommen. Doch da ihre Eltern in der Zwischenzeit pflegebedürftig geworden waren, konnten sie ihr die Modeschule nicht finanzieren. Ihr Traum war geplatzt. Den Kopf hängen zu lassen, kam für die quirlige Augsburgerin jedoch nicht infrage. Sie schwenkte um und schrieb sich an der Augsburger Uni für Kunstgeschichte ein. Da sie die Liebe zur Mode nicht losließ, suchte sich die junge Frau einen Aushilfsjob bei einer großen Textileinzelhandelskette. Diese Arbeit war genau ihr Ding und so erhielt sie schon bald ein reizvolles Angebot: Vollzeitjob mit Abteilungsverantwortung und rückwirkender interner Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau.

FOM als Turbo auf der Karriereleiter

„In dem Job konnte ich das tun, was mir wirklich Spaß machte“, beschreibt Viktoria Fisel ihre damalige Situation. Sie zögerte nicht und brach ihr Studium ab, obwohl ihr Vater, ein Gymnasiallehrer, davon überhaupt nicht begeistert war. Dass er in seiner Einschätzung nicht ganz falsch lag, merkte Viktoria zwei Jahre später. Der akademische Anspruch fehlte. Ihr damaliger Freund studierte neben dem Job an der Augsburger FOM, der Hochschule für Berufstätige. Das imponierte ihr. „Ich dachte mir, wenn er das schafft, dann schaffe ich das auch.“ Gesagt, getan. Als die FOM in Augsburg 2014 erstmals den Bachelor-Studiengang Betriebswirtschaft & Wirtschaftspsychologie startete, gehörte Viktoria zum Premierenjahrgang.

Die Studieninhalte passten perfekt zu ihrem Job als Storemanagerin. „Plötzlich waren Theorie und Praxis eins, da konnte ich richtig in die Vollen gehen“, erinnert sie sich. Sie stieg zur Leiterin einer Augsburger Modefiliale auf. Rasch folgte die Leitung eines zweiten und dritten Standortes – gemäß ihrem Lebensmotto „Mit Freude und Temperament kommt man am schnellsten voran“. Doch dann kam es zu einer folgenschweren Wendung in ihrem noch jungen Leben. 

„Das Studium gab mir Halt in der schweren Zeit“

Master-Studentin Viktoria Fisel (Foto: privat)

Kurz vor dem Abschluss ihres Studiums starben Viktorias Eltern. Beide innerhalb eines Monats. Ihr Leben wurde komplett auf den Kopf gestellt. Sie musste viele Entscheidungen treffen, hatte zu wenig Zeit für Beruf und Studium, dazu kam die finanzielle Unsicherheit. Ein Entschluss musste her: Job oder Studium? „Einen Job bekomme ich immer wieder“, dachte sich die Augsburgerin. Ihr Studium hingegen wollte sie keinesfalls unterbrechen, „sonst wäre es vorbei gewesen“. So entschied sich die FOM Studentin, aus der Modebranche auszusteigen und sich voll auf ihren Bachelor-Abschluss zu konzentrieren. Um wegen des ausfallenden Gehalts nicht auch noch in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten, schloss sie einen Bankkredit ab. „Das Studium gab mir Halt in dieser schweren Zeit und ich wusste, es ist sinnhaft, deshalb wollte ich es abgesichert haben, egal was passiert“, so die Augsburgerin.

Von ihren Mitstudierenden sowie ihren Professorinnen und Professoren erfuhr sie großartige Unterstützung. „Sie gaben mir so viel Rückhalt, dass ich selbst die Klausuren kurz nach der Beerdigung meisterte“, erinnert sie sich. Mit Top-Noten. Doch darauf ruhte sich die Powerfrau, die die Arbeit mit Menschen liebt, ebenso wenig aus wie auf ihrem guten Bachelor-Abschluss. Stattdessen begann sie im darauffolgenden Jahr – inzwischen wieder als Storemanagerin im Einzelhandel aktiv – ein weiteres berufsbegleitendes Studium: den Master-Studiengang Wirtschaftspsychologie & Beratung, erneut ein Premierenjahrgang der Augsburger FOM. 

Die Augsburger FOM Studentin Viktoria Anna Maria Fisel (Foto: Rudolf Langemann)

Pionierin zu sein, damit kennt sich die heute 34-Jährige also aus. In mehr als elf Jahren als Führungskraft in der Textileinzelhandelsbranche nahm die zierliche Frau mit den vielen Tattoos oft eine Vorreiterrolle an und führte bis dato unbekannte Dinge erfolgreich ein. „Ich musste oft für meinen akademischen Anspruch kämpfen und beweisen, dass er zum Erfolg führt. Aber auch dafür, dass ich Führungsposition und Studium gut unter einen Hut bekomme“, berichtet sie. Wieviel Power und perfektes Zeitmanagement sie dabei an den Tag legt, zeigt auch ihre Entscheidung, zusätzlich zu Job und Studium eine Weiterbildung im Bereich Businesstraining/Coaching zu machen. Viktoria Fisel: „Alles was ich tue, mache ich mit Herzenswärme, Freude, Motivation und Energie, weshalb mir viele Dinge gar nicht wie Arbeit vorkommen.“  

E-Piano als Belohnung

Diese intrinsische Motivation und Disziplin begleiten sie bereits seit ihrer Kindheit, in der sie vier Musikinstrumente lernte und neben der Schule eine Gesangsausbildung am Konservatorium absolvierte. Diesem Hobby will sie sich ab Sommer 2022 wieder widmen, wenn sie ihre Master-Prüfung abgelegt hat. Sich danach erst einmal zu erholen oder eine Reise zu machen, wie viele Mitstudierende es planen, hat Viktoria Fisel nicht vor. Als Belohnung für ihre Mühen will sie sich stattdessen ein E-Piano schenken. Ob für die Musik so viel Zeit bleibt, ist allerdings fraglich, denn die Augsburgerin hat schon das nächste akademische Ziel im Visier: „Vielleicht noch einen Master in Marketing draufsetzen oder promovieren – wie ich es meiner Mama versprochen habe.“