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Drei Fragen an einen Mathe-Experten

„Mathematik wird oft ohne Begeisterung gelehrt“

Generationen von Schülerinnen und Schülern aber auch Studierende haben ihre liebe Not mit Zahlen und Formeln. Woran liegt das? Dr. Daniel Ziggel, Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre an der FOM Hochschule in Duisburg, identifiziert mehrere Gründe: sowohl individuelle als auch gesellschaftliche. Ebenso sieht er die Lehrkräfte in der Verantwortung, das Thema ansprechend aufzubereiten. 

27.06.2022 | Duisburg

Prof. Dr. Daniel Ziggel, Sie sind Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und befassen sich insbesondere mit Wirtschaftsmathematik und Statistik. Woher stammt Ihre Begeisterung für Zahlen und Formeln?

Die Begeisterung für Zahlen und Formeln wurde mir quasi in die Wiege gelegt. Solange ich denken kann, haben mir logische und mathematische Probleme immer Spaß gemacht. Später kam dann zusätzlich die Erkenntnis dazu, dass ein gutes mathematisches Verständnis auch bei der Lösung vieler praktischer Fragestellungen hilft. Sei es beispielsweise bei (Gesellschafts-) Spielen, Bankangelegenheiten oder Geldanlagen an der Börse. 

Generationen von Schülerinnen und Schülern aber auch Studierende haben jedoch ihre liebe Not mit der Mathematik. Woran liegt das?

Das ist ein trauriges Thema und nicht abschließend in wenigen Sätzen zu beantworten. Ein wichtiger Punkt ist allerdings sicherlich die gesellschaftliche Haltung zur Mathematik an sich. Man gilt schnell als Sonderling, wenn man sich gerne mit abstrakten Themen beschäftigt. Da ist es anerkannter „auch schlecht in Mathe gewesen zu sein“. Daneben habe ich das Gefühl, dass Mathematik oft trocken und mit wenig Begeisterung gelehrt wird, so dass bereits in jungen Jahren eine grundsätzliche Abneigung gegen das Fach entsteht. Letztendlich benötigt man für abstrakte Themen aber auch Zeit und Ruhe, um diese anständig zu durchdringen und das Erlernte selbstständig anzuwenden. Die Zeit wird sich meistens jedoch nicht genommen.

Dr. Daniel Ziggel lehrt als Professor an der FOM Hochschule in Duisburg. (Foto: Daniel Ziggel/privat)

Welche Tipps können Sie Lernenden mit auf den Weg geben, damit die Mathe-Klausur ihren Schrecken verliert?

Zunächst sollten sie offen und ohne Angst an das Thema rangehen. Für Studierende ist es während der Vorlesungszeit wichtig, am Ball zu bleiben und die Vorlesung regelmäßig nachzubereiten beziehungsweise gegebenenfalls Verständnisfragen frühzeitig zu klären, damit im Verlauf des Semesters keine Lücken entstehen. Am Ende des Tages gehört dann aber natürlich auch das Bearbeiten von Übungsaufgaben dazu. Wenn man es dabei noch schafft, ein gewisses Maß an Spaß für das Thema zu entwickeln, ist man schon einen großen Schritt weiter.