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Dr. Johannes von Gehlen ist neuer Professor für Wirtschaftspsychologie

Was Unternehmen von Fußballern lernen können

30.06.2022 | Augsburg und München

Kognitionspsychologie, Lernkulturentwicklung, Selbstwirksamkeit: abstrakte Begriffe, die bei den meisten Menschen Fragezeichen hervorrufen. Diese löst Dr. Johannes von Gehlen auf. Er ist Experte auf dem Gebiet der Neuropsychologie und lehrt seit sechs Jahren an der FOM Hochschule in München und Augsburg. Jetzt wurde der 36-jährige systemische Berater und Speaker an der FOM zum Professor für Wirtschaftspsychologie ernannt. Im Kurzinterview erläutert er, warum viele Menschen intelligenter sind, als sie glauben, und was Unternehmen von Fußballern lernen können.

Herr Professor von Gehlen, was reizt Sie daran, an der FOM, der Hochschule für Berufstätige, zu lehren?

Johannes von Gehlen: Ich mag es, Wissen weiterzugeben und arbeite gerne mit Studierenden zusammen. Es motiviert mich, wenn sie in meinen Veranstaltungen auch etwas Persönliches fürs Leben lernen. Oft merken sie dabei, dass sie intelligenter sind, als sie dachten. Bereits in der Schule lernen viele Schülerinnen und Schüler abzuschalten, wenn etwas schwierig ist – zum Beispiel in der Mathematik. Auch Kognitionspsychologe ist oft abstrakt und anspruchsvoll, da macht es mir großen Spaß, meine Studierenden aus ihren Fragezeichen herauszuholen.

Was wollen Sie den Studierenden mitgeben?

Johannes von Gehlen: Selbstwirksamkeitserfahrung. Das heißt: Schwierige Aufgaben durch eigenes Handeln wirksam bewältigen zu können. Dabei geht es um das Selbstbewusstsein, seinen eigenen Gedanken zu vertrauen. So sollen sie die Erfahrung machen, ihre Gedanken einzubringen, auch wenn sie nicht mit denen der anderen übereinstimmen. Dabei spürt man, dass man etwas Gehaltvolles zu geben hat und in seiner Umwelt wirksam wird. Auf diese Weise kann man die Welt im Kleinen verändern. Mein Ziel ist eine gewisse Rückgratbildung.

Prof. Dr. Johannes von Gehlen lehrt an der FOM Hochschule in München Wirtschaftspsychologie (Foto: Viola von Gehlen)

Was versteht man unter dem derzeit so oft verwendeten Begriff der Lernkultur?

Johannes von Gehlen: Bei der Lernkulturentwicklung geht es um die Gestaltung von Lernprozessen in Organisationen. Bis heute wird oftmals versucht, Lernen losgelöst von der Systemwirklichkeit einer Organisation zu vollziehen, also durch Fortbildungen oder Trainings. Der Transfer des Gelernten in den eigenen Arbeitsalltag gelingt aber oft nicht, da eine Organisation manchmal funktioniert wie eine Fußballmanschaft. Selbst wenn einzelne Spieler viel trainieren und qualitativ sehr gut werden, bedeutet das nicht automatisch, dass das Team gewinnt. Denn um erfolgreich zu sein, müssen alle zusammenspielen. Bei diesem Zusammenspiel setzt die Lernkulturentwicklung an. Wichtige Fragen sind: Was muss ich in Bezug auf meine Rolle lernen? In der Fußballmetapher wäre das meine Position im Team. Verstehe ich den Kontext meiner Organisation? Im Fußball ist das die Strategie und Spielweise des Teams. Lernkultur bedeutet also nicht nur individuelles Lernen, sondern das Lernen des Zusammenspiels von Abteilung A und Abteilung B, von Führungskraft und Team, in ihrem täglichen Miteinander sowie bezogen auf den Kontext einer Organisation.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Michaela Strassmair.