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Zwei Schwestern zeigen gemeinsam, was in ihnen steckt

„Den Bachelor können wir auch ohne Abi schaffen“

Dreieinhalb Jahre trennen die Schwestern, doch ihr Zusammenhalt gleicht dem von eineiigen Zwillingen. Katharina und Susanna wohnen in derselben Straße, arbeiten beim selben Arbeitgeber, legen beide Wert auf berufliche Sicherheit – und studieren gemeinsam Business Administration an der FOM Hochschule in Nürnberg. „Nach Mittlerer Reife und abgeschlossener Berufsausbildung waren wir uns lange nicht sicher, ob ein Studium das Richtige für uns ist“, sagt Susanna – um entschlossen hinzuzufügen: „Heute sind wir im dritten Semester und wissen: Den Bachelor können wir mit viel Disziplin und Ehrgeiz auch ohne Abi schaffen!“

23.06.2022 | Nürnberg

Kurzer Blick zurück: Wenn Katharina und Susanna an ihre Hauptschulzeit denken, dann vor allem daran, dass ihnen beiden dort „Grenzen aufgezeigt wurden, dass wir nicht genug gefördert wurden, was zur Folge hatte, dass wir keinen Anreiz hatten, mehr zu wollen“. Nach dem qualifizierenden Hauptschulabschluss erwarb Katharina (31) die Mittlere Reife durch den Abschluss zweier Ausbildungen, während Susanna (27) den Weg über die Wirtschaftsschule wählte und anschließend eine Ausbildung zur Industriekauffrau machte. „Unser Ziel war immer ein guter und vor allem sicherer Job im Büro“, erinnert sich Katharina und Susanna ergänzt: „auch wenn uns unsere Lehrer in der Hauptschule ebenso wie Bildungsberater wenig Hoffnung machten, dass das klappen könnte.“

Wechsel zum Bundesamt für Migration und Flüchtlinge

Während die politischen Krisen in Syrien und Irak ab 2015 für Millionen Menschen zu einem Albtraum wurden, brachten sie Katharina und Susanna neue berufliche Chancen: Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Nürnberg suchte Mitarbeitende. Katharina fing 2015 dort an, 2016 folgte ihr Susanna in die Behörde. Durch großes Engagement und ein hohes Maß an Fleiß konnten beide in ihren jeweiligen Bereichen zeigen, was in ihnen steckt. Katharina: „Unsere gute Leistung wurde 2019 mit der Verbeamtung im mittleren Dienst belohnt – das brachte uns die langersehnte berufliche Sicherheit.“ 

Bachelor-Abschluss für den Aufstieg

Ein krisenfester Job im öffentlichen Dienst, flexible Arbeitszeiten bzw. Arbeitsmodelle sowie Aufgaben und Bereiche, in denen sie sich wohlfühlen – warum nun noch das Bachelor-Studium an der FOM? Katharina schmunzelt: „Das habe ich zum größten Teil meiner Schwester zu verdanken. Wir haben darüber gesprochen, dass wir gern in den gehobenen Dienst wechseln würden, um auch selbst Dinge voranbringen und Entscheidungen treffen zu können. Aber ohne Hochschulabschluss ist das nicht möglich.“ Also fing Susanna an zu recherchieren und schlug schließlich das berufsbegleitende FOM Studium vor. Eine BAMF-Kollegin, die selbst an der Nürnberger FOM studiert hatte, bestärkte Susanna in ihrem Entschluss – und die meldete sich Ende 2020 für das Sommersemester 2021 am Nürnberger Hochschulzentrum an. „Katharina war sich nicht sicher, ob sie auch studieren wollte“, sagt Susanna, „aber nachdem ich mich eingeschrieben hatte, machte unsere Familie ihr ebenfalls Mut und versprach Unterstützung. In Verbindung mit dem Gedanken an neue Karrierechancen im öffentlichen Dienst meldete sie sich dann noch kurz vor dem Start des Semesters an. Heute sind wir froh, dass wir das Studium gemeinsam durchziehen.“

Die Schwestern Susanna (l.) und Katharina studieren gemeinsam an der FOM Hochschule in Nürnberg (Foto: BAMF)

Zulassung zum Studium als berufliche Qualifizierte

Wer die Hochschulreife nicht durch einen schulischen Abschluss (z.B. das Abitur) erlangt, kann sich dennoch mit dem Nachweis einer abgeschlossenen Ausbildung und anschließender dreijähriger Berufserfahrung für ein Studium einschreiben. Katharina: „Früher dachten wir immer, dass wir mit unserem Schulabschluss nicht an eine Uni gehören, dass ein Studium zu groß für uns ist. Mit der Ausbildung und den Berufserfahrungen hat sich diese Einstellung aber nach und nach geändert.“

Heute seien sie reifer und selbstbewusster, so Susanna, und der Glaube an sich selbst und das, was man erreichen könne, sei größer. „Das Präsenzstudium bringt uns unheimlich viel, wir lernen nicht nur Fachwissen dazu, sondern teilen auch Erfahrungen mit anderen Studierenden im Kurs“, betont die 27-Jährige. Ihre Schwester fügt hinzu: „Nicht zuletzt sind durch das Studium auch neue Freundschaften entstanden. Alles in allem ein wichtiger Lebensabschnitt.“