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Dr. Peter Vatter ist neuer Professor an der Nürnberger FOM Hochschule

„Ich habe großen Respekt vor allen, die neben dem Beruf ein Studium durchziehen“

Er wuchs in einem Handwerkerhaushalt auf und spätestens seit dem Studium kennt er das Gefühl, an der Mathematik zu verzweifeln. Doch Peter Vatter gab weder seine Ziele noch den Glauben an sich selbst auf. Er studierte Informatik an der Georg-Simon-Ohm-Hochschule und promovierte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg im Bereich Maschinenbau. Jetzt wurde der gebürtige Franke an der FOM Hochschule in Nürnberg zum Professor für Wirtschaftsinformatik berufen.

06.07.2022 | Nürnberg

Schon während seines Informatik-Studiums fällte Peter Vatter (Foto; Quelle: privat) den Entschluss, dass sein Weg nicht der des Entwicklers, sondern eher der des qualifizierten Anwenders sein sollte. Zunächst jedoch stürzte er sich in die Dissertation am Lehrstuhl für Fertigungstechnologie und erforschte mittels Computersimulationen neue Möglichkeiten zur Verbesserung von Biegeprozessen in der Industrieproduktion. Nach seinem Wechsel in die Technologieberatung befasste er sich mit einem breiten Themenspektrum von Prozessentwicklung bis E-Mobilität – und interessierte sich zunehmend für die Voraussetzungen, auf deren Grundlage disruptive Innovationen in der Arbeitswelt entstehen. „Ich habe häufig erlebt, dass große Technologieprojekte scheitern. Das lag in der Regel aber nicht daran, dass technologisches Know-how fehlte. Es waren eher menschliche Aspekte, die für das Scheitern verantwortlich waren.“

Spaß an der Lehre

Die Suche nach neuen Erkenntnissen und der Spaß, sein Wissen an Studierende weiterzugeben, brachten Peter Vatter schließlich 2017 als Dozenten an die Nürnberger FOM. Zu seinen Schwerpunktthemen zählen u.a. Digitalisierung und Industrie 4.0. „Ich habe großen Respekt vor allen, die neben dem Beruf ein Studium durchziehen, denn das ist nur mit gutem Zeitmanagement und hohem Engagement zu schaffen. Auch aus meinem eigenen Lebenslauf heraus habe ich großes Verständnis für Studierende, die Probleme haben und struggeln. Hier gebe ich gern die Unterstützung, die sie benötigen, um weiterzukommen.“

Digitale Arbeitskultur

Neben der Frage nach ethischen Aspekten bei der Entwicklung und Nutzung von Künstlicher Intelligenz erforscht der neue FOM Professor insbesondere die digitale Arbeitskultur der Zukunft. „Aktuell werden in vielen Unternehmen Hierarchien abgebaut. Entscheidungen werden zunehmend innerhalb der Teams und nicht mehr ‘von oben‘ getroffen. Dies funktioniert aber nur bis unter bestimmten Voraussetzungen. Die Frage ist: Ab wann wird ein solches System toxisch? Ein Unternehmen ist ja kein Glücksbärchenland – und Innovationen entstehen nun mal auch durch Wettbewerb, durch Menschen, die etwas besser machen wollen.“ Um neue Ideen gemeinsam zu entwickeln und vorzudenken, sei das Makeathon-Format eine gute Möglichkeit, so Vatter. „In einem solchen Format arbeitet ein Team mehrere Tage und möglichst außerhalb der üblichen Arbeitsumgebung an innovativen Lösungen. Es gibt kein Richtig und Falsch, sondern nur das Machen und Um-die-Ecke-Denken. Dafür muss das Team aber in die Lage versetzt werden, wirklich kreativ arbeiten zu können. Zudem braucht es die psychologische Sicherheit, dass sie auch experimentieren dürfen.