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Eine FOM Absolventin und die digitale Welt der Pina Bausch

„Ich bin die Brücke zwischen Wirtschaft und Kultur“

Mit zwölf Jahren besucht Clara Jansen-Bauer gemeinsam mit ihrer Mutter das erste Mal das Tanztheater von Pina Bausch in Wuppertal. Die Faszination für die Choreografin und Claras Affinität für Kunst und Kultur deuten bereits früh darauf hin, dass es sie auch beruflich in diese Richtung ziehen wird. Seit mehr als einem Jahrzehnt beschäftigt sich die 34-Jährige nun beruflich mit dem künstlerischen Nachlass der Wuppertaler Choreografin. Sie arbeitet als Digitale Archivarin bei der Pina Bausch Foundation, berufsbegleitend hat sie einen Bachelor in „Business Administration“ an der FOM Hochschule in Wuppertal abgeschlossen. In ihrer Abschlussarbeit denkt die zielstrebige Wuppertalerin beide Welten – Wirtschaft und Kultur – zusammen und fragt, welchen Mehrwert das Digitale den Kultureinrichtungen ermöglichen kann.

28.07.2022 | Wuppertal

„Pina war eine Choreografin in einer Männerdomäne, die nicht der Norm entsprach. Sie kombinierte klassischen Tanz und Theater und legte den Fokus immer auf das Menschliche“, erklärt die Wuppertalerin ihre Faszination für Pina Bausch. 22 Jahre nach der ersten Aufführung, die Clara besuchte, arbeitet sie heute gemeinsam mit ihren Kollegen daran, das künstlerische Erbe von Pina Bausch zu erhalten und den Menschen zugänglich zu machen.

Entdeckung einer neuen Welt

Nach dem Abitur absolviert sie ein Praktikum beim Tanztheater, es folgt ein weiteres bei der gerade erst gegründeten Pina Bausch Foundation. Clara entwickelt Freude an dem, was sie tut und bleibt. „Mir hat es hier gefallen, es macht mir Spaß, die Kunst- und Kulturszene aus einer anderen Perspektive zu beleuchten. Mit meiner Arbeit kann ich einen Beitrag zum Erhalt kultureller Güter leisten.“

Das Pina Bausch Archiv

Pina Bausch hinterließ ein vielseitiges und umfangreiches künstlerisches Erbe. Im Jahr 2010 begann die Pina Bausch Foundation mit der Archivierung der enormen Materialfülle zu den 55 Stücken der Choreografin. Dazu wurden beispielsweise Fotos, Videos, Programmhefte, Kostüme und Plakate inhaltlich erfasst, digitalisiert, für die Langzeitarchivierung vorbereitet und bewahrt. Aktuell umfasst der Bestand in dem 115 Quadratmeter großen Magazin zum Beispiel 300.000 Fotos, 9.000 Videos, 94 Meter Schriftgut und dreidimensionale Objekte wie Preise und Ehrungen. Zur selben Zeit starteten damals die Überlegungen und Arbeiten zu einem digitalen Archiv, das unabhängig von Zeit und Ort für alle frei zugänglich sein sollte.

Zwischen Wirtschaft und Kultur

Fast von Anfang an begleitet Clara dieses Großprojekt: den Aufbau und die Entwicklung des physischen und digitalen Pina Bausch Archives. Neben der Arbeit verspürt sie aber ein persönliches Bedürfnis, ihr fachliches Wissen zu erweitern und sich durch ein Studium neue Perspektiven zu erarbeiten. „Mein Beruf ist mir wichtig, genau wie meine finanzielle Unabhängigkeit.“ Ein Studium neben dem Beruf ist deshalb der für sie perfekte Weg, den sie unweit ihrer Arbeitsstätte beschreiten kann. „Durch die FOM in Wuppertal konnte ich Job und Studium miteinander vereinbaren und das Gelernte direkt im Job anwenden.“ Sie meldet sich für den Bachelor-Studiengang „Business Administration“ an, dessen Abschluss ihr wenige Jahre später neue berufliche Wege eröffnen soll. „Ich bin damit so etwas wie die Brücke zwischen Wirtschaft und Kultur“, sagt sie. Nachdem sie alle Module erfolgreich abgeschlossen und ein Jahrzehnt bei der Pina Bausch Foundation verbracht hat, überlegt sie, mit welchem verbindenden Thema sie ihr Bachelor-Studium abschließen könnte.

Der Mehrwert des Digitalen

Gedächtnisinstitutionen wie Bibliotheken, Archive und Museen haben zu diesem Zeitpunkt bereits vorübergehende Schließungen in Folge der Corona-Pandemie hinter sich. Viele der Einrichtungen experimentieren mit den Möglichkeiten des Digitalen. Vor diesem Hintergrund spricht Clara Jansen-Bauer mit der FOM Dozentin Dr. Helena Maria Lischka über mögliche wissenschaftliche Ansätze. Anschließend kristallisiert sich die Frage heraus, welchen Mehrwert digitale Formate für Archive, Bibliotheken und Museen bieten können. Denn viele Institutionen kämpfen nicht erst seit gestern mit dem Image angestaubt zu sein, gleichzeitig verleihen die äußeren Umstände der Digitalisierung einen Schub. In dem FOM Dozenten Dennis Häuser findet sie einen Bachelor-Betreuer, der sie mit seiner Expertise und seinem Know-how auf diesem Gebiet unterstützt, gleichzeitig aber auch einen hohen Anspruch an Claras Abschlussarbeit stellt.

Clara Jansen-Bauer arbeitet als Digitale Archivarin bei der Pina Bausch Foundation. (Foto: privat)

Experimenteller Kosmos: Digitale Welt

Clara, die unterdessen selbst das digitale Archiv der Pina Bausch Foundation vorantreibt, führt Experteninterviews durch und wertet Fragebögen aus. Oft, so sagt es die Wuppertalerin, zielten bisherige digitale Bemühungen kultureller Einrichtungen ins Blaue. Nach dem Mehrwert fragt kaum jemand. Was bringt die App konkret? Was kann Virtual Reality leisten? Und welche Informationen sind digital überhaupt vermittelbar? 

Neue Sichtbarkeit schaffen

Am Ende ihrer Auseinandersetzung stehen greifbare Ergebnisse. Das, was eine Gedächtnisinstitution leisten müsse, unterscheide sich nach ihrer Zielsetzung. In einem Archiv beispielsweise sind unterschiedliche Ansprachen wünschenswert, in der Bibliothek ist die Orientierung eine Stellschraube, an der gedreht werden kann. Und im Museum sollten digitale Angebote in das Gesamtkonzept eingebunden sein, nicht nur zum Selbstzweck entwickelt werden. Künftig, so schlussfolgert die 34-Jährige, könnten hybride Formate, digitale Präsentationen von Ausstellungen und Führungen einen echten Mehrwert schaffen, der den Institutionen zu neuer Sichtbarkeit und Attraktivität verhilft.

Neue Aufgaben

Mit ihrer Bachelor-Arbeit hat Clara Jansen-Bauer in ihrem Leben eine weitere Brücke geschlagen. Ihren Beruf als Digitale Archivarin hat sie mit ihrem Studium verbunden und so selbst einen Mehrwert für ihren weiteren Weg geschaffen. Während dieses Prozesses hat sie für sich die Erkenntnis gewonnen, weiter lernen zu wollen. Ein Master-Studium an der FOM ist fest vorgesehen. „Lebenslanges Lernen ist eines meiner Ziele. Wenn Dinge mich interessieren, begeistern, möchte ich mehr darüber erfahren.“ Mit ihrem abgeschlossenen Bachelor-Studium hat sich auch ihr Aufgaben- und Verantwortungsbereich bei der Pina Bausch Foundation erweitert, mittlerweile leitet sie ein eigenes Team. Damit kann die 34-Jährige ihr persönliches Ziel weiterverfolgen: Das kulturelle Gedächtnis im digitalen Raum als einen gesellschaftlich relevanten, geschützten Bereich etablieren, sichtbar und erfahrbar machen.

Die FOM Absolventin und Digitale Archivarin Clara Jansen-Bauer spricht am 10. August 2022 bei einer Online-Veranstaltung der FOM Hochschule in Wuppertal über die Ergebnisse ihrer Arbeit. Thema: Was Kunden wollen – Erfolgsfaktoren für Angebote im digitalen Raum“. Die Veranstaltung beginnt um 11 Uhr. Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung gibt es hier.