• FOM
  • 2022
  • Januar
  • Stabsstelle, Studium, Start-up: „Es hat mich immer gecatcht, etwas Eigenes zu entwickeln“

Katja Narjes: Stabsstelle, Studium, Start-up

„Es hat mich immer gecatcht, etwas Eigenes zu entwickeln“

Katja Narjes energiegeladen zu nennen, ist noch eine Untertreibung: Als Referentin des E-Commerce-Händlers Otto.de entwickelt sie Strategien für mehr Kundenzufriedenheit, mit ihrem Start-up „Patchcouture“ will sie die Welt ein Stück bunter machen, und an der Hamburger FOM Hochschule in Eimsbüttel steht sie mit dem Master „Business Consulting & Digital Management“ kurz vor ihrem nächsten Studienabschluss. Und das, obwohl sie die Schule nach eigenen Worten gehasst hat. 

24.01.2022 | Hamburg

Wenn Katja Narjes einmal den Kopf freikriegen möchte, joggt sie mitten durch Hamburg: „Die vielen Ampeln stören mich nicht. Laufen ist so befreiend, mir kommen dabei die besten Ideen!“ Dafür hat sie reichlich Verwendung, etwa als Referentin für Customer Centricity bei Otto.de, wo sie sich seit 2020 in Stabsstellenfunktion um die operative Exzellenz kümmert: „Meine Aufgabe dreht sich um die Frage: Wie gelingt es uns gemeinsam, vom Geschäftsführer bis zum operativen Team, durch strategische Handlungen die Zufriedenheit unserer Kunden zu steigern?“

Die Karriere der gebürtigen Mecklenburgerin bei der Otto-Holding begann vor zehn Jahren, nach ihrer Ausbildung zur Bürokauffrau beim Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie in Güstrow und ersten Jobs als Assistentin der Geschäftsführung in Hamburg. Auch bei Otto war sie zunächst Assistentin: „Ich habe aber schnell gemerkt, dass es mir nicht reicht, Termine zu vereinbaren. Ich wollte parallel auch inhaltlich arbeiten.“ Ihr Arbeitgeber unterstützte sie in ihrem Wunsch: Unter anderem konnte Katja Narjes im Kernteam zum „Culture Change“ den Wandel der Unternehmenskultur in der Otto-Group vorantreiben und sich in weiteren Projekten engagieren. 

„Ich brenne für die Themen, die Einblicke, den Austausch!“

Gleichzeitig beschloss sie, ihre Qualifikation akademisch auszubauen, und schrieb sich 2015 an der FOM Hochschule in Hamburg für den berufsbegleitenden Bachelor-Studiengang „Wirtschaft & Management“ (heute: „Business Administration“) ein. Das Hochschulzentrum an der Schäferkampsallee war ihr schon vertraut: Dort hatte sie sich an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie VWA bereits zur Betriebswirtin (VWA) fortgebildet.

Die sieben Semester an der FOM neben dem Job seien schon „härter“ gewesen, sagt sie und stellt klar: „Mir hat nie jemand gesagt: Du musst studieren, wenn du Karriere machen willst. Aber ich will die Inhalte – ich brenne für die Themen, die Einblicke in andere Branchen, den Austausch an der Hochschule!“ Zwei Jahre nach dem Bachelor konnte die Powerfrau mit dem Faible für die Digitalisierung dem FOM Master-Studium „Business Consulting & Digital Management“ nicht widerstehen. Noch in diesem Semester wird sie ihre Master-Thesis über das Potenzial automatisierter und KI-gestützter Bearbeitung von Kundenanfragen eines Onlinehändlers abgeben. Privater Rückhalt sei gerade beim Studieren neben dem Job wichtig, meint Katja Narjes, die diese Unterstützung von ihrer Partnerin erhält, mit der sie in Eimsbüttel lebt – ganz in der Nähe des Hochschulzentrums. 

Etwas Eigenes entwickeln

Im vergangenen Jahr hat die Wahlhamburgerin auch noch ein Start-up gegründet. Seit April 2021 ist Patchcouture.de online, ein Online-Shop für Aufnäher („Patches“) und personalisierte Accessoires. Die Produktidee geht auf ihre beiden Geschäftspartnerinnen zurück, die den Einfall hatten, Kulturbeutel („Pochettes“) kreativ zu verzieren, etwa mit den Namen ihrer Kinder. Sie kümmern sich nun um das Tagesgeschäft von Patchcouture, Katja Narjes um Strategie, Finanzen und IT. „Es hat mich immer gecatcht, etwas Eigenes zu entwickeln“, erklärt sie. Um den technischen Aufwand hinter einem Onlineshop zu verstehen, hat sie sich selbst das Coden beigebracht und ein Onsite-Personalisierungs-Tool für Patchcouture entwickelt, eine eigene App, die im Backend hinterlegt ist.

Allerdings: Für das Start-up den Job bei Otto.de aufzugeben kommt für Katja Narjes nicht in Frage: „Ich arbeite in meinem Traumjob, und wir werden mit Patchcouture von Otto sogar unterstützt. Mein Chef ist sehr interessiert, da heißt es manchmal: Erzählt doch mal aus Start-up-Perspektive, wie ihr das macht. Jeder lernt von jedem – das ist wie ein Sechser im Lotto!“ 

Katja Narjes sitzt auf einer Fensterbank
Katja Narjes studiert berufsbegleitend „Business Consulting & Digital Management“ an der FOM in Hamburg (Foto: Marvin Kampermann)

Katja Narjes möchte etwas bewegen

Neues zu entdecken, Herausforderungen anzupacken und voranzubringen, wovon sie überzeugt ist: Wenn es darum geht, ist Katja Narjes kaum zu bremsen. In der Otto-Group engagiert sie sich im Sinne der LGBTQD-Bewegung gegen Diskriminierung aufgrund von Geschlecht und sexueller Orientierung. Zusätzlich treibt sie zusammen mit einem interdisziplinären Netzwerk nach der Methode „Working Out Loud“ (WOL) die digitale Transformation in der Medizin voran: Ihr Team hat etwa die Praxis eines Chirurgen in Hannover umgebaut und digitalisiert. Wie sie das alles in ihrem Leben zusammenbringt? „Ich kann mich sehr gut organisieren, lebe nach dem Terminkalender und sitze meist ab 6.30 Uhr am Schreibtisch. Das ist okay, so ist auch mal Urlaub drin.“

Katja Narjes sitzt auf einem Bar-Hocker
Neben ihrer Arbeit bei Otto.de hat die Wahlhamburgerin erfolgreich ein Start-up gegründet (Foto: Marvin Kampermann)