25.01.2019 | Bochum

Vom Erzieher zum Geschäftsführer?

FOM Student will Start-Up gründen

Dicke Tränen kullern über das traurige Kindergesicht. Len möchte heute nicht im Kindergarten bleiben, würde viel lieber wieder mit seiner Mutter nachhause fahren. René Schönke schnappt sich Len, wischt seine Tränen weg und erzählt ihm, was sie an diesem Tag alles vorhaben. „Gleich frühstücken wir zusammen und dann gehen wir mit den anderen Kindern in die Turnhalle, wie klingt das?“ René deutet mit einem imaginären Ball einen Wurf in Lens Richtung an: „Fang!“ Len schmunzelt, ist zwar noch etwas skeptisch, taut an Renés Seite aber langsam auf…

Erzieher studiert Wirtschaft & Management
Der 35-jährige Erzieher studiert im Quereinstieg an der FOM in Hagen (Foto: Privat)

Warum Quereinstieg?

René Schönke ist seit über acht Jahren Erzieher, arbeitet in einer Kindertagesstätte in Hagen. 2018 absolvierte er zunächst den General Management Ökonom sowie den Betriebswirt an der VWA in Hagen. Mittlerweile studiert er seit dem 1. September 2018 an der FOM in Bochum im Quereinstieg Wirtschaft & Management. Wie kommt man vom Kindergarten zum Wirtschafts-Studium? „Es liegt an den Arbeitsbedingungen. Die Arbeit mit den Kindern ist das Schönste, der Stress drum herum allerdings weniger.“ Für Schönke ist im Kindergarten keine Festanstellung in Sicht, sein Vertrag wird stets nur kurzfristig verlängert, er hat zu wenig Arbeitsstunden. „Es ist einfach nicht tragbar und die Zukunftsprognosen sind schlecht.“

So entschied sich der Hagener dazu, ein kaufmännisches Studium zu starten – ohne dabei genaue Ambitionen oder Vorstellungen seiner Zukunft zu haben. Es war die richtige Entscheidung: „Ich habe schon viel gelernt und plane momentan, meine eigene Firma zu gründen.“

Hagener studiert im Quereinstieg
Der Hagener plant, sich mit einer Agentur für Webstreamer selbstständig zu machen (Foto: Privat)

Die Geschäftsidee

„Ich plane mich mit einer Agentur für Webstreamer selbstständig zu machen – also für Online Entertainer, die interaktiv und live ihre Videospiele übertragen.“ Streaming ist ein relativ neues Phänomen im Bereich des Gamings, das laut Schönke viel Potential bietet. Zunächst fangen alle Spieler klein an. Ab einer gewissen Anzahl von Zuschauern haben die Streamer dann die Möglichkeit, über bekannte Plattformen Geld zu verdienen und Werbung auf dem eigenen Kanal zu schalten. „Wir würden die Werbeverträge vermitteln, rechtliche Rahmenbedingungen klären, Grafiken und Designs für den Kanalaufbau entwerfen, Kontakte zu Spiel-Herstellern pflegen usw.“ Also all das organisieren, wozu die Streamer selbst keine Zeit haben. Vor seinem Studium habe er nicht das Know-how gehabt, eine eigene Firma zu gründen, doch mittlerweile habe er sehr viel innerhalb seines Studiums lernen können: „Besonders die Buchhaltung und Inhalte aus dem Marketing können jetzt schon mit einfließen.“

Der 35-Jährige bezeichnet sich selbst als risikofreudig:

„Ich rate all meinen Freunden und Familienmitgliedern immer, Dinge einfach auszuprobieren. Macht es! Es lohnt sich! So wie das Studium.“

Schönke lobt die Betreuung an der FOM: „Die Dozenten nehmen sich Zeit für einen, bieten eine optimale Betreuung an. Sie sind in jeder Hinsicht eine große Unterstützung.“ Während der Hagener 34 Stunden die Woche in der Kita arbeitet und in der Gründungsphase eines Unternehmens steckt, studiert und lernt er noch circa 20 Stunden die Woche. Außerdem ist er Semestersprecher, vermittelt also zwischen Studenten, den Professoren und der Fachschaft – „Ohne ein gutes Zeitmanagement würde das alles gar nicht hinhauen.“ 

Die Arbeit mit den Kindern wird Schönke trotzdem sehr fehlen: „Es ist das Schönste, wenn die Kleinen einen Aha-Effekt haben, sei es in Themen wie Mathematik oder beim Entdecken von Dingen, die für Erwachsene alltäglich sind. Und vielleicht gründe ich ja auch irgendwann meinen eigenen Kindergarten, aber dann unter besseren Bedingungen.“