05.02.2019 | Frankfurt a. M.

Die Lüge: Verpönt oder von Erfolg gekrönt?

„Jeder Mensch lügt!“

Von klein auf bringen Eltern ihren Kindern bei, dass Lügen, Flunkern, Täuschen etwas Unanständiges sei – und dennoch kann sich vermutlich niemand davon freisprechen, schon mal zu einer kleinen Lüge gegriffen zu haben. Sind wir also schlechte Menschen? „Lügen sind nicht immer ausschließlich negativ zu bewerten, sondern ermöglichen teilweise auch ein friedvolles Miteinander“, so Persönlichkeits- und Berufscoach Silvia Maria Frank. Sie klärte als Referentin beim 6. Frankfurter Exkurs an der FOM über entlarvende Gesten und wirkungsvolle Methoden zur Lügenerkennung auf.

Die Wahrheit über die Lüge
Geben Sie es zu: Sie haben doch bestimmt auch schon mal gelogen (Foto: shutterstock/gpointstudio)

Ein geschwindeltes Kompliment oder eine verdrehte Wahrheit könne dazu dienen, sich besser in einen Personenkreis zu integrieren oder seinem Gegenüber negative Emotionen zu ersparen. „Der selbstgestrickte Pulli von Oma – wir hätten ein schlechtes Gewissen, wenn wir uns über dieses Weihnachtsgeschenk nicht sichtlich freuen würden“, gab Silvia Frank zu bedenken.

Es gäbe aber auch Lügen, die nicht dazu da seien, das Leben seiner Mitmenschen positiver zu gestalten, sondern um sich selbst in ein besseres Licht zu stellen und sich einen Vorteil zu verschaffen. „Das beste Beispiel ist die Bewerbung. Geben Sie vor jemand Besseres zu sein mit Qualifikationen, die Sie nicht innehaben – und erhalten daraufhin noch eine Jobzusage, baut Ihr neuer Job auf einer Lüge auf“, so der Life Coach.

Für solche Situationen weiß Silvia Maria Frank, worauf zu achten ist. Sie regte die rund 200 Teilnehmenden in ihrem Vortrag dazu an, die eigene Intuition und Menschenkenntnis zu erweitern, um sich in Zukunft nicht mehr so leicht täuschen zu lassen – egal ob im beruflichen oder privaten Umfeld.

Anzeichen für Lügen/ Abweichungen vom Normalverhalten:

 

  • Diskrepanz zwischen gesprochenem Wort, Körpersprache, Gestik und Mimik

  • Auffallend ausführliche, detaillierte Antworten
  • Besonders kurze Antworten

  • Sprachfluss abrupt gestört oder holprig

  • Füllwörter wie „äh“

  • Veränderte Stimmlage

  • Reduzierte oder übertriebene Körpersprache

 

Wer lügt eigentlich öfter: Männer oder Frauen?

„Der allgemeine Tenor aus verschiedenen Studien lautet: Männer lügen häufiger als Frauen“, so Frank. Auch bei Art und Umständen der Lügen unterscheiden sich die Geschlechter. So gehe es bei Männern häufig um ihren Job, um sich besser darzustellen. Frauen hingegen lügen oftmals, um den sozialen Frieden zu erhalten und machen z.B. Komplimente wie „Tolle Frisur“ oder „Schickes Kleid“. Sie gehen Konfrontationen bewusst aus dem Weg, aus Angst sonst nicht mehr gemocht zu werden. Eine häufige Lüge sei auch das sogenannte „soziale Lachen“. Dabei zeige sich keine körperliche Reaktion, es herrsche eine Asymmetrie im Gesicht und nur die Wangenheber seien aktiv.

Entlarvende Gesten/ Stresssignale, wenn das moralische Empfinden die Lüge als falsch ansieht:

 

  • Blinzeln

  • Gähnen

  • Nägel kauen

  • Kein Blickkontakt

  • Schritt zurücktreten

  • Nasenjucken (Erhöhte Durchblutung der Nase)

  • Lippen zusammenpressen

  • Asymmetrisches Schulterzucken oder Anhebung der Mundwinkel