• FOM
  • 2018
  • November
  • Münchner FOM Absolvent schließt französische Elite-Uni ab
07.11.2018 | München

Hoch hinaus

Münchner FOM Absolvent schließt französische Elite-Uni ab

FOM Absolvent Gianluca Errico
Gianluca Errico absolvierte nach seinem Studium an der FOM noch den MBA an einer französischen Elite-Uni (Foto: privat)

Schule? Die hat Gianluca Errico nicht interessiert. Fernsehen war ihm wichtiger. In der sechsten Klasse wäre der Hauptschüler fast durchgefallen, so schlecht war sein Notenschnitt. Er wechselte die Schule und als seine neue Lehrerin zu ihm sagte „Ich weiß, dass Du bald der Klassenbeste sein wirst“, begann die Verwandlung des jungen Mannes.

Vor wenigen Tagen feierte er im Pariser Luxushotel „Du Collectionnaire“ seinen MBA-Abschluss an der École Supérieure des Sciences Économiques et Commerciales (ESSEC), die als eine der besten Wirtschaftsuniversitäten der Welt gilt. Unter den 80 Absolventen stach der 29-Jährige mit der Note Eins heraus. „Nach all der harten Arbeit wollte ich unbedingt zur Abschlussfeier nach Paris“, sagt Gianluca Errico, „obwohl ich gerade erst meinen neuen Job bei IBM in Frankfurt als Unternehmensberater für digitale Bankentransformation angefangen habe“.

Kentucky, Altomünster, Hauptbahnhof, Hofbrauhäus
Seine Reise führt ihn über den Qualifizierenden Hauptschulabschluss für ein Highschool-Jahr in die USA, wo er in Kentucky Englisch lernte. Wieder daheim in Altomünster, im Dachauer Hinterland, machte der jüngste Sohn einer alleinerziehenden Mutter die Mittlere Reife, um dann das Fachabitur anzupacken – stets den motivierenden Satz seiner Hauptschullehrerin im Ohr. „Ich wollte sie schließlich nicht enttäuschen“, meint Errico. Als Halbitaliener hatte er sich in den Kopf gesetzt, seine Sprachkenntnisse zu perfektionieren und lernte in Bologna Business-Italienisch – „bis ich perfekt war“. Sich in drei Sprachen fließend bewegen zu können, brachte ihm nach der Lehre als Bankkaufmann auch einen tollen Job als Risikomanager für das Corporate Investment Banking bei der HypoVereinsbank. Und weil ihm das nicht reichte, schrieb er sich an der Münchner FOM Hochschule für das berufsbegleitende Bachelor-Studium „International Management“ ein. Nach dem Vollzeitjob bei der Bank ging es freitags nachmittags und samstags zu den Lehrveranstaltungen ins Hochschulzentrum, danach direkt ins Hofbräuhaus. Allerdings nicht zum Maßkrug stemmen, sondern um sich nebenbei Geld zu verdienen – als Kellner.

60.000 Euro für ein Jahr Studium in Paris
Denn seit Gianluca Errico bei seinem FOM Professor Thomas Breisach einen Vortrag über die Top-Unis der Welt gehört hatte, stand für ihn fest: Genau da will ich hin. Sein Gefühl, dass der Umbruch in der Bankenbranche ihm nicht die erhofften Entwicklungsmöglichkeiten biete, war noch eine zusätzliche Bestätigung für seinen Plan. Die ESSEC in Paris sollte es sein, denn Französisch fehlte Errico in seinem Sprachenportfolio noch, das er aus Jobgründen mittlerweile um Spanisch erweitert hatte. Plötzlich stand er vor zwei Hindernissen: 45.000 Euro kostet das eine Jahr MBA-Studium an der ESSEC plus 15.000 Euro Lebenshaltungskosten. Auch den GMAT-Test, einen weltweit standardisierten und gefürchteten Test für Master-Studiengänge an betriebswirtschaftlichen Fakultäten, galt es zu überwinden. „Es heißt, dass man sich zwei bis sechs Monate darauf vorbereiten soll, denn da wird kein Wissen abgefragt, sondern man muss strategisch vorgehen, um unter Zeitdruck vernetztes, mathematisches und sprachlogisches Denken zu verbinden“, erklärt Errico. Er hatte nur einen Monat Zeit zur Vorbereitung – und bestand. „Wenn ich an etwas glaube, dann will ich es auch erreichen.“ Dafür musste der zielstrebige Dachauer seinen geliebten Chrysler Cabrio opfern, wie auch die mühsam angesparte Lebensversicherung. „Für das Studium an der ESSEC musste ich alles verkaufen, was ich hatte.“

Doch was der junge Mann mit seiner sympathisch-mitreißenden Art dafür erlebte, bewundern viele seiner Altersgenossen: Mit dem MBA-Studium kam er erst nach London, dann für drei Monate nach Singapur, wo er an den Wochenenden benachbarte Länder wie Indonesien, die Philippinen oder Japan bereiste. „Ich bin sehr gut im Organisieren, so dass ich diese Reisen mit dem Lernen gut kombinieren konnte“, sagt Gianluca Errico. Sein Alltag in Paris sah so aus: Um sechs Uhr morgens aufstehen, Vorlesungen bis abends, um 19 Uhr nach Hause und dann bis Mitternacht lernen, wenn keine Abendveranstaltungen waren, wo die Studierenden Manager von großen Konzernen kennenlernen können. „Zum Glück war ich in dieser Zeit Single, sonst hätte ich dieses Pensum nicht geschafft.“

Unternehmensberater und Demo-Organisator
Mit dem neuen Job als Unternehmensberater geht die Reise weiter. „Denn ich will die Welt sehen und IBM hat internationale Projekte“, sagt der frisch gebackene ESSEC-Absolvent. Ruhe wird auch nicht so schnell bei ihm einkehren, denn seit ein paar Monaten hat er privat ein neues Projekt: Die ehrenamtliche Mitarbeit bei Volt, der ersten gesamteuropäischen Partei, die vor eineinhalb Jahren von drei jungen Menschen ins Leben gerufen wurde, um Europa besser zu machen. „Wenn man den Brexit miterlebt, den Aufstieg der AfD in Deutschland oder die neue Regierung in Italien, da wollte ich nicht nur zusehen und lamentieren, sondern aktiv etwas tun“, erklärt der energiegeladene Dachauer.